Dachbodenführung und ein Spaziergang in der Dachrinne.
Dieser Besuch des Stephansdoms zählt zu meinen persönlichen Highlights innerhalb der Serie VieAnna Calling.
Es ist Samstag, 18:45 Uhr vor dem Aufgang zum Südturm. Ich reihe mich ein in die Touristenschlange, die geduldig auf den Domführer wartet, der uns in eine unbekannte Welt des Stephansdomes entführen soll.
Zunächst geht es über 120 enge Stufen auf einer steinernen Wendeltreppe hinauf in den Dachboden – und der ist gigantisch. Hoch und steil ragt der Dachstuhl, eine Konstruktion aus 605 Tonnen Stahl, über unseren Köpfen auf. Eine technische Meisterleistung.
Im Inneren Ausstellungsstücke, die von einer bewegten Vergangenheit zeugen, Steinmetzwerkzeuge, eine Stephansdom-Miniatur aus Sperrholz, meterweise gestapelte, glasierte Dachschindeln, ein Laufrad, ein Beamer, einige Sitzreihen.
In einem kurzweiligen Vortrag bringt uns der Domführer das Schicksal des Domes im Zeitraffer näher. Wir erfahren, dass der Stephansdom im Krieg nicht durch Bomben zerstört, sondern in den letzten Kriegstagen ein Raub der Flammen wurde. (Wiener Stephansdom – Teil 1)
Der ursprüngliche Dachstuhl, ein Meisterwerk mittelalterlicher Handwerkskunst, wurde aus 2000 Kubikmetern Lärchenholz gezimmert. Das heutige Dach ist 110 m lang und 38 m hoch. Fast unvorstellbar, dass die Dachschräge an den steilsten Stellen einen Winkel von 80° aufweist. Das hat durchaus auch praktische Gründe. Durch die große Abfließgesschwindigkeit des Regenwassers reinigt sich das Dach bei Niederschlägen quasi von selbst.
Nach dem Vortrag geht es noch einmal 120 steile Stufen hinauf bis wir durch eine schmale Tür ins Freie gelangen. Wir stehen auf der Dachrinne des Nordturmes, die etwa einen halben Meter breit ist und von einer Ballustrade umzäunt wird. Der Ausblick ist atemberaubend. Das Dach schießt steil in die Höhe, Wien liegt zu Füßen.
Bevor wir uns wieder auf den Weg nach unten machen, haben wir noch die Möglichkeit, die Pummerin aus nächster Nähe zu betrachten. Mit einem Gewicht von rund 12 Tonnen und einem Durchmesser von 3 m ist sie nach dem "Dicken Pitter" im Kölner Dom die zweitgrößte frei schwingende Glocke Westeuropas.
Informationen
Führungen in den Monaten Juli, August und September bei Schönwetter jeden Samstag um 19:00 Uhr
Führungsgebühr 10 Euro für Erwachsene
Dauer der Führung: ca. 90 Minuten
Bisherige Teile der Serie VieAnna Calling:
#01 - #20 eine Übersicht
#21 DC Tower 1 - höchstes Gebäude Österreichs
#22 Campus WU