Gemeinsam mit den Ruinen von Palmyra in Syrien, der Geburtskirche in Bethlehem oder dem Everglades-Nationalpark in den USA steht seit Anfang Juli auch das historische Zentrum von Wien auf der der Roten Liste des gefährdeten Welterbes der UNESCO.
Die UNESCO, die internationale Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur verleiht seit 1978 Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind, den Titel Welt(kultur)erbe.
Das historische Zentrum von Wien mit Stephansdom, Hofburg, Staatsoper, Belvedere, natur- und kunsthistorischem Museum und Karlskirche - um nur einige historische Bauten in der Kernzone zu nennen, wurde im Jahr 2001 zum UNESCO-Welterbe ernannt.
Sechzehn Jahre später ist der touristisch gut verwertbare Kulturerbe-Titel gefährdet. Das historische Zentrum Wiens findet sich auf der sogenannten Roten Liste der UNESCO wieder. Auf ihr landen Natur- oder Kulturdenkmäler, deren Bestand und Geltung durch Beschädigung, Zerstörung oder Verschwinden bedroht ist.
Der Turm des Anstoßes
Die Diskussion um die Neugestaltung des Heumarktes im 3. Wiener Gemeindebezirk erregt seit Jahren die Gemüter. Das betreffende Gebiet liegt am südwestlichen Ende des Stadtparks in der Nähe der Ringstraße und somit in einer sensiblen Zone, in der zur Wahrung des Kulturerbe-Status besondere Auflagen gelten, wie etwa auch eine strikte Begrenzung der Bauhöhe.
Vor über fünf Jahren erwarb ein Immobilieninvestor das Areal des InterContinental Hotels. Im Siegerprojekt des ausgeschriebenen Architekturwettbewerbes für eine Neugestaltung wurde ein ursprünglich 73 m hoher Stahlbeton-Klotz mitten in das gründerzeitliche Bau-Ensemble zwischen Stadtpark und Wiener Konzerthaus platziert. Reger Protest von Architekten, Denkmalschützern, Städteplanern und Bürgerinitiativen sowie eine Redimensionierung des geplanten Luxuswohnturmes auf 66 m Höhe waren die Folgen.
Trotzdem wurde nach einem politischen Hick-Hack innerhalb der grünen Partei der umstrittene neue Flächenwidmungsplan im Gemeinderat mit 51:46 Stimmen abgesegnet:
Das Hotel InterContinental, kein Ruhmesblatt an städetbaulicher Architektur, wird abgerissen und das neue Hochhaus gebaut. Damit der Investor auf eine rentable Quadratmeteranzahl kommt, wird das Gebäude unten verbreitert, was eine Verlegung der Fahrbahn in Richtung Grünfläche bedeutet. Das Areal des Wiener Eislaufvereines bleibt erhalten.
So präsentiert sich das Hotel InterContinental heute:
Die folgenden beiden Ansichten zeigen den heutigen und den zukünftigen Ausblick in einer Fotomontage vom Oberen Belvedere in Richtung Innere Stadt (Quelle):
Die Gestaltung des zukünftigen Heumarkt-Areals zeigt folgende Visualisierung (Quelle):
Die Entscheidung, den 66 m hohen Turm zu bauen, war vordergründig ausschlaggebend für die Entscheidung der UNESCO, Wien auf die Rote Liste zu setzen. Kritik an der massiven städtebaulichen Entwicklung mit der die historische Innenstadt Wiens ihren außergewöhnlichen universellen Wert verliere, gab es von Seiten der UNESCO in den vergangenen Jahren immer wieder, zuletzt beim Bau des Hochhauses in Wien-Mitte oder bei der Errichtung des Hauptbahnhofes.
Die Stadt Wien hat nun bis 1. Februar 2018 Zeit, auf die Kritik entsprechend zu reagieren. Dass das Hochhaus am Heumarkt nun auf 43 m, das ist die maximale Höhe, welche die UNESCO in diesem Fall zulässt, zurückgestutzt wird, scheint unwahrscheinlich. Es droht die Aberkennung des Welterbe-Status.