Im ersten Teil habe ich bereits über die Gründe geschrieben, die uns dazu veranlasst haben auf's Land zu ziehen. Wer keine Zeit hat den ersten Teil zu lesen:
es ging in der erste Linie darum den Kindern ein kind- und artgerechtes Umfeld zu bieten. Da durch die "energetische" Sanierung das nicht mehr so gegeben war und sich im Zuge dessen auch die Miete deutlich erhöht hätten, haben wir uns entschlossen der Großstadt den Rücken zu kehren.
[Blick von Deutz auf den Kölner Dom]
Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Meine Frau ist in Köln aufgewachsen und geboren und ich habe in der Stadt auch knapp ein viertel Jahrhundert – das hört sich deutlich länger an, als knapp 25 Jahre zu sagen – gelebt.
Aber es ging nicht anderes.
Wohin soll es gehen?
Da es beschlossene Sache war, dass wir nicht in Köln bleiben werden kam die nächste Frage auf. Wohin soll es denn gehen?
Es mussten drei Aspekte berücksichtigt werden.
- Das ganze sollte gut für die Kinder sein. Zum einen sollten die dort viel Platz haben und die Gegend sollte auch landschaftlich etwas zu bieten haben....
- Auch die Infrastruktur sollte halbwegs vorhanden sein. Es ist blöd, wenn man 30 Minuten mit dem Auto zu der KiTa fahren muss oder wenn die Kinder schon ab der ersten Klasse 45+ Minuten mit dem Buss zur Schule fahren müssen. Zudem sollte die Internet-Geschwindigkeit halbwegs passabel sein, da ich darauf angewiesen bin.
- Es sollte für einen Normalsterblichen und Normalverdiener auch zu leisten sein.
Aus verschiedenen Gründen waren wir auf der Suche nach eine geeigneten Region auf das Internet angewiesen.
Ich als Kind von sog. Gastarbeitern habe hier leider kein etabliertes Familiennetzwerk, wie jemand der hier schon seit mehreren Generationen einheimisch ist.
Auch bei meiner Frau, war diesbezüglich nicht viel zu holen, da ihre Verwandtschaft, ähnlich wie bei mir durch 2. WK verstreut und viele ihre Mitglieder verloren hat. Ihre Vorfahren kamen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten
Daher konnten wir nicht auf irgendwelche Suchtipps von Tanten, Onkels & Co. großartig zurückgreifen und haben daher hauptsächlich via ImmobilienScout24 gesucht.
Dieses Handicap wirkte sich auch entsprechend auf die Finanzierung aus, aber dazu weiter unten mehr.
Emsland, der Osten und OWL
Nach einiger Suche haben sich drei Gegenden herauskristallisiert, die die drei oberen Aspekte berücksichtigen: ländliche Gegenden im Osten, Emsland und Ostwestfalen-Lippe & Weserbergland.
Wir haben auch Häuser in der Eifel besucht, aber die Infrakstruktur dort war teilweise sehr mager um es mal freundlich zu beschreiben. Nur so als Beispiel: Ortschaft mit mehr als 2.000 Einwohnern ohne Grundschule, ohne KiTa, ohne einen Lebensmittelladen und mit Internet mit max. 2 Mbit.
Alle Sinne wach haben bei den Hausbesichtigungen
Wir haben mehrere Häuser besucht und es war schon teilweise sehr abenteuerlich was einem angeboten wurde und wie es sich teil deutlich von den Beschreibungen auf den Portalen unterschieden hat.
Aber zwei ganz krasse Beispiele wollte ich dennoch kurz beschreiben:
Tragende Wand beschädigt
Wie haben ein ganz nettes Häuschen besichtigt und es hat uns gefallen. Wir sahen aber an der Außenwand, dass ein paar Ziegelsteine fehlten bzw. leicht beschädigt waren. Die Besitzer versicherten uns dass es harmlos sei: es müssten lediglich 1-2 Eisenhalter, die die äußere und innere Ziegelwand zusammenhalten erneuert werden.
Wir haben dennoch nachträglich einen Gutachter beauftragt und auch er konnte nicht viel dazu sagen. Erst der Anruf bei den Handwerkern vor Ort, wir wollten einen Kostenvoranschlag haben, brachte zu Licht, dass bei unsachgemäßen Arbeiten am Haus die tragende Wand beschädigt wurde. Kurzum, wir sollten die Finger davon lassen.
Asbestplatte und Wasserrohrschäden "verschwiegen"
An einem Haus hat uns die Bank, dass Haus mussten die insolventen Vorbesitzer an die Bank abtreten, einen Bericht via Fax geschickt. Mein Besuch vor Ort und auch der Fax-Bericht deuteten auf eine solide Immobilie hin.
Erst nach genaueren Durchsicht des Berichtes fiel uns auf, dass eine Seite fehlte. Diese Seite bekamen wir dann doch noch zugeschickt und es stellte sich heraus, dass ein Gutachter von der Bank das Haus begutachtet hat und er davon ausging, dass das Haus stärkere Schäden in der Wasserleitungen haben wird, da es seit einigen Jahren unbewohnt war und es kam zum Vorschein, dass das Haus an einer Außenwand eine Asbest-Platte hat.
Endlich fanden wir dann, dass Haus in welchem wir jetzt immer noch wohnen und uns wohlfühlen.
[Blick von Köterberg auf unsere Gegend]
Die Finanzierung
Nach dem geklärt war, wohin es gehen soll, ging es darum wie wir das ganze finanzieren können und wollen.
Das Handicap, was ich weiter oben beschrieben habe, hat es uns auch hier nicht leichter gemacht. Meine Frau und ich mussten es aus eigenen Mitteln stemmen. Nicht wie bei einigen meiner einheimischen Bekannten, die dann von diversen Tanten, Onkels und Omas dann entweder was geschenkt oder geliehen bekamen. Obwohl sie alle nicht reich oder wohlhabend sind, so leppert sich das dennoch.
Aber anderseits erfüllt es einen dennoch mit Stolz, dass man es ganz alleine geschafft hat und es ist ein recht gutes Gefühl keinem aus der Verwandtschaft etwas zu schulden. :-)
Die Banken sagen: "du nicht!"
Was macht man. Man wendet sich erst einmal an die Banken, die man kennt. Entweder an die Hausbank oder an Sparkassen, auch vor Ort usw.
Obwohl wir etwas mehr als 30% Eigenkapital hatten. Kamen eine Reihe an Absagen. Wer Kinder hat und dabei auch noch selbständig ist, hat sehr schlechte Karten bei den Banken.
"Kinderlose Beamte mit Hund, sind den Bankern am liebsten"... hat mir eine recht resignierte Sachbearbeiterin im Vertrauen gesagt.
Es hat viele Wochen voller Telefonate, Faxe und E-Mails gedauert und als wir dann bei einer Eigenkapitalquote bei mehr als 35% waren konnten wir mit Hilfe der bzw. durch die Vermittlung von netbank einen Kreditgeber finden.
[Garten mit eigenen Kirschbäumen]
Danach ging es recht schnell. Wie immer, wenn man selber zahlen muss. 😉 Ein Notartermin war schnell vereinbart und alles war unter Dach und Fach. Es wurde die Steuer beglichen usw. Und nur wenige Wochen später kam der Umzug. 🚚
Tja, eigentlich habe ich geplant mit diesem teil endgültig fertig zu werden, aber so wie es ausschaut wird es ein Dreiteiler. Naja, der Herr-der-Ringe-Kinofilm war ja auch ein Dreiteiler... und der war gut 😎