Ich glaube, es ist an der Zeit, dass ich jemanden beauftrage, der sich um das Sorgen macht, was mir viele Sorgen bereitet.
(Fragen, Befürchtungen & ungebetene Antworten)
Kann man mich zwingen?
Niemand hatte je die Intention dazu, abgesehen von deinem Hund – aber der bittet dich lediglich, ihm die Aufmerksamkeit zu schenken, die er (seiner Ansicht nach) redlich verdient hat.
Aber ich bin geladen.
Dann beherbergst du ein Problem. Es stellt sich lediglich die Frage: mit was?
Es könnte aber sein, dass ich explodiere.
Diese hinterfragenswerte Vorahnung öffnet Spekulationen jeglicher Art die Bühne zur freien Entfaltung. Doch wer kommt für die Reinigungskosten auf und wo hinterlegst du deinen Abschiedsbrief?
Das sagt man nur so.
Nichts sagt man nur so. Du denkst ja auch nicht – nur so. Und zu was sollst du überhaupt gezwungen werden?
Zum Nachdenken.
Dazu bedarf es doch wohl keiner Aufforderung.
Das vielleicht nicht – aber einer Gebrauchsanleitung.
Ein Beipackzettel für das Nachdenken? Hast du Angst vor den Nebenwirkungen?
Eigentlich weniger – aber ich weiß meist nicht, bis wohin ich denken soll.
Versuche es doch einfach mal bis zum Ende. Dieses Ziel solltest du möglichst nie aus den Augen verlieren.
Und was soll ich dann unter andenken verstehen?
Andenken heißt, weder den Mut noch die Fähigkeit zu besitzen, die Möglichkeiten des Verstandes auszureizen. Anders ausgedrückt – Unausgegorenes als Vision verkaufen.
Geht es auch etwas genauer?
Das könnte schwierig werden, da das Andenken nicht unbedingt für seine Genauigkeit berühmt ist. Der Prozess (vielleicht gerade aus jenem Grund) wird jedoch liebend gerne und dazu in einer auffällig hohen Regelmäßigkeit bei der politischen Entscheidungsfindung genutzt.
Dies würde ja bedeuten, dass unsere Gesetzgebung eine vor sich hin gärende Substanz ist, die noch weit von der Ausreife entfernt ist.
Irgendwie habe ich das Gefühl, als könnte es mit dir und dem Denken doch noch funktionieren. Dein Ansatz zum Andenken gibt jedoch nur teilweise wieder, was ein Politiker unter andenken versteht.
Hier sei mir ein kleines Wortspiel erlaubt. Ein Politiker, der eine Sache andenkt, denkt in der Regel an seine Diäten. - Der musste einfach sein.
Und er sei dir gegönnt! Abgesehen davon, funktioniert das Andenken in Ministerien meist so, dass gar nicht erst mit dem Denken begonnen wird, sondern extern jemand damit beauftragt wird, diese lästige Tätigkeit gegen Bezahlung zu übernehmen. Letztendlich wird dann behauptet, die Angelegenheit bis zum Ende durchdacht zu haben. Ein Vorgang, der zwar mediale Aufmerksamkeit erweckt, sich jedoch meist rasch als leere Hülse erweist.
Wie erkenne ich beim Denken überhaupt das Ende meiner Möglichkeiten?
Meist, wenn du beginnst gedanklich im Kreis zu laufen und das Gefühl in dir aufkommt, besser noch eine andere Meinung einfließen zu lassen.
Dies könnte jedoch das ganze Denken enorm verkomplizieren.
Ja, denken war noch nie einfach – tut aber auch nicht weh. Somit bestens geeignet ganztägig eine Anwendung zu finden.
Was hältst du von der Möglichkeit einfach jemand anderes für sich denken zu lassen? Jemanden, der sich damit besser auskennt.
Woher stammt dein Wissen, dass derjenige dann der geistige Heilsbringer ist? Oder bist du einfach nur zu faul selber Gedanken zu wälzen? Außerdem stünde auf diesem Gebiet erneut der Politik Tür und Tor offen. Ein Umstand, den wir in Erinnerung an das Andenken jedoch unbedingt vermeiden wollten.
Das lag nicht in meiner Absicht. Mit einem Blick auf brachliegende Kapazitäten, die beim Lösen von Problemen durch intensives Nachdenken durchaus behilflich sein könnten, sollte aber auch der letztendlich Anerkennung ernten, der es einfach besser weiß.
Das hört sich zwar gut an, verleitet mich jedoch zu der Frage, ob du dir dann dein Essen auch von jemandem vorkauen lassen würdest?
Das ist doch was ganz anderes.
Zuerst »Das sagt man nur so« und jetzt ».. ist doch was ganz anderes«. Befindest du dich bereits im Kreisverkehr?
Aber niemand kann essen mit denken vergleichen.
Dies lag auch nicht in meiner Absicht. Anregungen für ein erweitertes Denken können auch durch ein genaues Zuhören eingesammelt werden. Doch damit scheint es bei dir zu hapern.
Leck mich!
Über die Einladung muss ich erst nachdenken.
War ja auch nicht so gemeint.
Warum schlüpft dir der kastrierte Satz dann trotzdem über die Lippen.
Schon mal was von Spontanität gehört? Unter diesem Einfluss rutschen dann auch mal solche Sachen raus.
Bedeutet das jetzt, dass die Einladung zum Lecken vom Tisch ist? Wenn ja, erübrigt sich mein Vorhaben zum Nachdenken über das von dir spontan unterbreitete Angebot. Übrigens, je mehr wir über das Denken reden, fällt mir auf, wie oft wir und mit dieser Tätigkeit (falls man sie als solche bezeichnen kann) auf doppeldeutigem Terrain bewegen?
Nicht wirklich. Aber, wie ich dich einschätze, wird sich das gleich ändern.
Beginnt hier gerade jemand mit Spott bestückte Pfeilspitzen in Umlauf zu bringen? Der sarkastische Unterton wurde von mir sehr wohl erkannt. Doch bin ich nicht nachtragend und lasse dich an meinen Überlegungen teilhaben.
Ich weiß deine Großzügigkeit zu schätzen.
Treibe es nicht zu weit!
Tatsache ist doch wohl unbestritten, dass Begriffe wie Andenken, Nachdenken oder Überdenken teilweise doppeldeutig, aber zumindest vielseitig interpretierbar sind. Vielleicht gilt das auch für das Denken an sich. Was den Schluss zuließe, dass das, woran du stets kläglich scheiterst, auch als eine Form des Denkens bezeichnet werden kann.
Verrate mir eines, kann man sich mit dir auch ganz normal unterhalten?
Du meinst jetzt, so ganz ohne nachzudenken?
So ungefähr.
Was nun? Sind wir bereits auf dem Bazar angelangt, auf dem die Antworten über den Daumen gepeilt angeboten werden? Ungefähr oder genau? Du solltest dich spontan entscheiden. Darin hast du doch Erfahrung?
Kann es sein, dass du ein kleines Arschloch bist?
Gegenfrage: Ist es eventuell in Erwägung zu ziehen, dass du dich möglicherweise intuitiv, aber mit Sicherheit gedankenlos, bei der Auswahl des Hilfsverbs vertan hast, indem du dich für sein anstatt haben entschieden hast?
Ich kann dir ja mal ganz kräftig dort hin treten.
Also dann doch haben?! Hatte ich mir beinahe schon gedacht. Die andere Version ergibt auch nach längerem Nachdenken keinen wirklichen Sinn.
Denke einfach was du willst – aber rutsche mir jetzt den Buckel runter. Ich habe nämlich die Nase gestrichen voll von deiner Denkerei.
Genau hier könnte der Ursprung deiner Schwierigkeiten mit dem Denken verborgen sein, da man zwar ein feines Näschen besitzen, die aber dann doch beim Nachdenken eine eher unwesentliche Rolle spielt, obwohl ihr eine Filterfunktion zugeschrieben wird, um unfertige Gedanken auf ihrem Weg vom Hinterkopf auf die Zunge noch schnell in einem Taschentuch entsorgen zu können. Womit wir erneut beim Vorkauen angelangt wären. Ein klares Indiz dafür, diese Form der Gedankenzufuhr in deinem Fall nicht vollkommen unberücksichtigt zu lassen.
Und ich denke, noch ein Wort und du hast morgen einen Termin beim Zahnarzt.
Falsch gedacht. Ähnliches steht nicht an. Morgen mache ich mir ganz entspannt Gedanken über meine Zukunft.
Ps: Wir lagen beide richtig mit unseren Gedanken, was meine nahe Zukunft betraf. Am nächsten Tag riet ein gewisser Dr. med. dent. Schmidt am Beethovenplatz mir zu Implantaten, während ich noch über eine Brücke sinnierte und mit meinen Gedanken dem gestrigen Dialog nachhing.