Eine kurze Episode, die ganz genau so sich an der Kasse des Spar Supermarktes in Zagreb so abgespielt hat.
Diese kleine Geschichte entstand nach diesem Post von
. Ich hatte Lu damals die Antwort versprochen.
Hiermit wird das Versprechen eingelöst.
Die Weintrauben-Lese war vorüber, Helfer, Freunde und Bekannte wieder zurück im Alltagstrubel, während ich das verbliebene Leergut im Auto verstaute, um wieder einigermaßen freie Sicht auf Südtirol, also Ordnung in die Bude zu bekommen. Damit ich jedoch meiner Frau nicht zu sehr bei dem im Weg rumstehe, was sie Reinemachen nennt, unterbreitete ich ihr ganz uneigennützig den Vorschlag, das Auto samt Leergut nach Zagreb zu geleiten, um Leeres gegen Bares einzutauschen und noch die eine oder andere Kleinigkeit zu besorgen. Insbesondere Sachen wie Parmesan oder Avocados, da beides in unserer Nähe ganz schlecht gedeiht.
So schnell, wie ich die Genehmigung zur Exkursion in die Hauptstadt erteilt bekam, könnte der Unwissende den Rückschluss ziehen, meine geliebte Frau wäre froh gewesen, mich endlich aus den Füßen zu haben. Ich weiß es besser: Je schneller er verschwindet, desto schneller habe ich ihn auch wieder in meiner Nähe.
Nur als kleiner Tipp für den nächsten Einkauf, egal wo ihr wohnt oder was auf eurem Einkaufszettel steht. Ein kurzer Abstecher ins Arena Centar Zagreb lohnt sich allemal. 3 Stockwerke überdachte Parkfläche für nullkommanix. Kurz von Bremerhaven runterdüsen, den Cayenne in der Tiefgarage parken, 2 kg Tomaten bei Spar, Zahnpasta im dm-Markt und eine Feinripp-Unterhose bei H&M.
Wie zuhause? Mag sein, ab du parkst umsonst! Nutz die Möglichkeit und schau dir die Stadt an. Wenn du Glück hast, wirst du beim Schwarzfahren nicht erwischt. Nervenkitzel, Einkauf und umsonst geparkt. Den Tipp von würde ich mir an die Windschutzscheibe nageln. (Carglass kümmert sich anschließend um die Holzspähne.)
Aber zurück in den betonierten Tempel der Glückseligkeit.
Einkaufswagen stehen selbstverständlich auf jedem Parkdeck für die Kunden bereit. Mir persönlich wäre es zwar lieber, man hätte von Seiten der Gewerbetreibenden nicht so sehr auf Kostenreduzierung geachtet und stattdessen kleine, handliche Sklaven auf dem freien Markt erstanden, die dir die quietschenden, unhandlichen Dinger immer vornweg schieben und auf Befehl dem Vordermann das Teil auch in die Achillesverse rammen.
Hier denke ich intensiv über eine Eingabe per Einschreiben mit Rückschein nach.
Da alternativlos, hievte ich das Leergut aus meinem T4 in den Karren, knallte die Klappe zu und steuerte schnurstracks dem gierigen Automaten für Leergut entgegen. Die Verabschiedung verlief ohne Tränen. Aber, quasi als Erinnerung an gemeinsam verbrachte Stunden, hinterließ mir die Leiterin der offiziellen Spar-Leeraufnahme einen kleinen Zettel mit den persönlichen Daten der Kästen und Flaschen, die nun außerhalb meines Sichtfeldes einer ungewissen Zukunft entgegen schlitterten.
10 Minuten später hatte ich 2 Kasten Sprudel großzügig in meinem rollenden Gitterwagen Asyl gewährt, ihnen eine ordentliche Portion Parmesan und ein paar Avocados gegen die Einsamkeit zu Seite gelegt und steuerte gut gelaunt auf eine der Schleusen zu, an deren Ende sich, wie zu erwarten, eine Kasse befindet.
Zuerst war Umräumen angesagt. Dazu stellte ich eine Flasche aus den beiden Kästen auf das Laufband. Es folgte der überschaubare Rest. Dabei bemerkte ich noch genügend Zeit zu haben, einen verwunderten Blick auf den Typ vor mir zu werfen, der stolz wie Oskar ein in Cellophan eingewickeltes Sandwich und einen Mars-Schokoriegel in sein Eigentum zu erwerben gedachte und diesem Vorhaben mit der Überreichung einer Kreditkarte auch erheblich näher kam.
Kaum hatte sich der stolze Plastik-Fresser verabschiedet, war ich an der Reihe. Im Gegensatz zu den wirklichen Einkauf-Profis, warf ich keinen Blick auf das Namensschild von Tante Weißkittel Spar, sondern räumte schon mal mein Kleingeld aus dem Portmonnaie. Eine ideale Gelegenheit wenigstens in der Region Gewicht abzubauen.
Plötzlich hatte Tante Weißkittel Spar das Gefühl, mit mir eine Unterhaltung führen zu müssen. Einziges auf der Agenda stehendes Thema: Hier fehlen noch 2 Kasten Sprudel und 2 Kasten Bier.
Ich behielt meinen Geldbeutel weiter in Riechnähe (typisch für Brillenträger) und nahm mir die Zeit der Dame ganz gelassen meine Meinung darzulegen, weshalb sie mir nicht vorzuschreiben habe, was in meinem Haushalt in welcher Menge vorrätig sein müsste.
Tante Weißkittel Spar schien da grundsätzlich anderer Meinung und artikulierte dies auch noch so laut, dass ich dachte, an der Kasse für Schwerhörige gelandet zu sein. Meine Laune verschlechterte sich langsam aber stetig.
Ein flüchtiger Blick in den Verkaufsraum verriet mir, dass sich bereits ein kleiner Stau gebildet hatte. Eben genau diese lästigen Schlangen, die ich stets unbedingt umgehen möchte, aber grundsätzlich in der lande, in der der Blödmann steht, der sein Gemüse nicht abgewogen hat, eine Kreditkarte partout nicht mit der Kasse kommunizieren möchte oder die Oma im letzten Moment feststellt, doch nach dem falschen Toilettenpapier gegriffen zu haben. Jetzt amüsierte es mich. Denn ich bestimmte das Tempo des weiteren Verlaufs.
Da auch mein zweiter Versuch scheiterte, die Dame von meinem Standpunkt zu überzeugen, gab ich ganz weltmännisch den Aufklärer und sprach zum murrende Volk im Wartemodus. "Orientieren Sie sich bitte um, oder verzichten Sie ganz auf einen Einkauf bei Spar. Denn diese Kasse bis auf Weiters besetzt."
Kein Applaus, keine Freudenschreie - aber viel Rückwärts-Verkehr.
Jetzt kapierte auch Tante Weißkittel Spar, dass ihr einstudiertes Kunden-Alphabet an mir ohne chemische Rückstände abperlt. Was folgte war der sehr nervöse Griff zum Telefon.
Es dauerte keine 2 Minuten und Oberchef Spar gesellte sich zu uns. Kein Händeschütteln, keine freundliche Begrüßung des sichtlich genervten Kunden, sondern lediglich eine Flüsterrunde mit Tante Weißkittel Spar. Wahrscheinlich hatte man sich für die Mittagspause zwischen den Kartons verabredet. Hätte ich an seiner Stelle nicht getan, da mir ja genügend Zeit zur Verfügung stand, die Kassen-Tante nach Attributen abzuscannen, die ein solches Techtelmechtel hätten rechtfertigen können. Aber wer weiß, was weiße Kittel alles verbergen können?!
Nachdem auch in dieser Angelegenheit die letzten Hindernissen aus dem Weg geräumt schienen, rückte auch der Kunde wieder in den Blickpunkt des Geschehens. Oberchef Spar versuchte sich mit einem gequälten Lächeln, bewegte sich jedoch keinen Millimeter, weder im Kopf noch mit den Füßen. Und trotzdem stand er plötzlich mit beiden Beinen im Fettnapf. Denn ihm kam folgendes über die Lippen: “Wenn Sie bei uns 4 Kasten Sprudel und 2 Kasten Bier als Leergut abgeben, müssen Sie auch die gleiche Menge wieder bei uns kaufen.”
Damit nicht nur die Füße das Fettbad genießen durften, drehte ich den Hahn bis zum Anschlag auf. Irgendwie hatte ich das Gefühl, Oberkante Unterlippe könne der paarungswillige “Spar-er” gut vertragen.
Ich legte mein Smartphone auf das arbeitslose Laufband und aktivierte die Aufnahmefunktion. Meine Augen hafteten wie Sekundenkleber auf seiner Knollennase. Höchste Zeit für eine Frage:
“Wie Sie sehen, halte ich es für angebracht unseren weiteren Wortwechsel aufzuzeichnen. Wenn es Ihnen jedoch angenehmer scheint, dass ich meine Anwältin direkt in unsere kleine Diskussionsrunde mit einbeziehe, soll mir dies auch recht sein.” Kaum gesagt, näherte sich meine Hand dem Smartphone. Doch bevor ich die Aufnahmetaste überhaupt deaktivieren konnte, klappte die graue Klappe über der Kasse auf.
Knollennase war nicht mehr ansprechbar. Höchstwahrscheinlich höchste Zeit für sein Blutdrucksenker. Tante-Weißkittel-Spar saß vor ihrer Premiere als Pressesprecherin für das Unternehmen: “Heute machen wir mal eine Ausnahme.”