Songs. die man so schnell nicht vergisst.
Dieser Beitrag ist das Ergebnis inspirierender Beiträge von und
, die rückblickend einen Blick auf die Musik warfen, die in einer gewissen Zeit ihres Lebens eine Rolle spielte.
Ich konzentriere mich auf die Zeit, als ich der festen Meinung war, dass das wahre Leben nur auf mich gewartet hat.
Die Zeit zwischen 68 und 76
Während Rudi Dutschke das Mikrofon im Audimax der FU-Berlin oder das Megafon auf der Straße nutzte, Dany le Rouge (Daniel Cohn-Bendit) die Studenten aus der Sorbonne raus auf die Champs-Élysées führte, saß ich in meiner Bank des Knabenrealgymnasiums und freute mich wie Bolle über die erstmals eingeführte Oberstufenreform. Physik und Chemie gehörten ab sofort der Vergangenheit an und wurden als Hauptfächer von Sport und Musik ersetzt. Ungewollt hatten die Kultusminister für mich das maßgeschneiderte Abi auf den Weg gebracht.
Die Planung für die Zukunft konnte also beginnen. Ganz weit oben auf dieser Liste war das Vorhaben verankert, endlich eine Freundin zu finden, die nicht so viele Fragen auf Lager und keinen Hang zum Klammern hat. Denn die mit den Fragen und dem UHU an den Händen kannte ich bereits.
Dass es solche Exemplare live und in Farbe gibt, wusste ich genau, da die Fernsehreportagen über die Studentendemonstrationen in Berlin oder Frankfurt voll davon waren. Das Problem war lediglich, dass ich frustriert an der Saar und die Objekte meiner Begierde an der Spree saßen. Doppelt kompliziert machte es der Umstand, dass ich körperliche Schmerzen eigentlich gar nicht leiden kann. Die Aussicht, mir vor dem Axel-Springer-Haus einen harten Stock von einem Polizisten auf meinen Kopf schlagen zu lassen, fand ich jetzt wirklich überhaupt nicht sonderlich prickelnd. Da konnte meine sexuelle Begierde auch noch so hohe Wellen schlagen.
Außerdem hatte ich mich gerade erst daran gewöhnt nicht mehr mit Franc, sondern mit der Deutschen Mark den Mohrenkopf bei Feinkost Herrmann zu kaufen. Für zehn Pfennig gab es den Kaugummi aus dem Automaten. Darüber hinaus hatte es sich herumgesprochen, dass es außer Französisch, Latein und Altgriechisch auch noch eine andere Fremdsprache gibt. Und die ertönte immer lauter aus den Transistorradios. Radio Luxembourg war gestern.
Die Nähe zu K-Town (Kaiserslautern), Baumholder und Ramstein machte sich bemerkbar. AFN war ganz schwer angesagt. Während Wolfman Jack uns den Nachhilfeunterricht in Sachen Musik erteilte, begriff ich, dass ich bei der Auswahl meiner Musikinstrumente den Griff ins Klo getätigt hatte. Keine Sau spielte mehr Saxophon und Klarinette. Außer den Jazzern – aber die Musik öffnete zu der Zeit keinen einzigen BH-Verschluss. Also noch ein Problem mehr. Keine Lust auf Schmerzen und keine Gitarre zur Hand.
Kaum hatte sich das mit der Schule erledigt, hielt der Staat die nächste Überraschung für mich bereit. Ich sollte mich umziehen. Und zwar komplett in olivgrün. Einen Hut aus Stahl wurde mir ebenso versprochen. Außerdem sei für Unterkunft und Verpflegung bestens gesorgt.
Die Sache war nur die, dass ich schon als Kind ziemlich bockig war, was meine Mutter in die Nähe der Verzweiflung und meinen Vater vergessen ließ, dass Gewalt auch keine Lösung ist. Aber und da war ich mir ganz sicher, olivgrün steht mir überhaupt nicht. An der Farbe fehlte es mir an der Heiterkeit, etwas, was man auf seinem Weg durch den Tag eigentlich immer dabei haben sollte.
Mir boten sich drei Möglichkeiten. Der Umzug nach Berlin (inklusive Transit und Schlagstock), der damals gleichbedeutend mit einer Wehrdienstbefreiung war, ab ins Ausland verschwinden oder die unsägliche Gewissensprüfung. Während in Prag die Menschen erkennen mussten, dass nach dem Frühling auch die Eiszeit kommen kann, die Amerikaner der Welt bewiesen, wie man Menschen bei lebendigem Leib grillen kann, sollte ich mich den Fragen alter Männer stellen, die sich vielleicht mit Uniformen, aber nicht mit heiterer Kleidung auskannten. - Hallo Basel. Ich wäre dann auch mal da.
Von Basel ging es dann nach London, wo mir augenblicklich bewusst wurde, dass ich in der Schule eigentlich gar kein Englisch gelernt hatte. Wäre mein Lehrer nicht ein solcher Versager gewesen, ich hätte den Portier bei Harrods höchstwahrscheinlich verstanden. Den musste ich nämlich um Hilfe bitten, das Gebäude zu finden, an dessen Tür ich klopfen wollte, um an einen Job zu gelangen. Dass ich auch mit einem besseren Englisch den freundlichen Herrn nicht verstanden hätte, fand ich erst später heraus. Der hatte sich nämlich mit Haut und Haaren dem Cockney verschrieben.
Soweit der erste Teil meines Rückblickes. Mit was man so sein Geld verdienen kann und welche Musik sich dazu eignet, könnt ihr dann beim nächsten Blick zurück in die Jahre 68 bis 76 lesen und hören.