Im Jahr 837 unserer Zeitrechnung hat Papst Gregor IV. angeordnet, die Traditionen der Heiden nicht weiter zu vernichten zu suchen (was nie gelungen ist), sondern zu übernehmen und zu christianisieren.
So gut wie alle unseren paganen Feiertage, von den großen Jahreskreisfesten, Mondfesten zur Fruchtbarkeit und Ernte, Rituale zur Ehre der Natur wie Wiederkehr des Lichtes (Weihnachten) oder Beginn des Sommer- bzw Winterhalbjahres (Beltain und Samhain) wurden einfach umgedeutet und umbenannt, genauso wie persönliche Feste wie Geburt, Namensgebung, Heirat und Tod .. wir könnten und können einfach "so" das Christentum abschaffen und fast alles bliebe vertraut .. nur die Namen würden wieder geändert werden ..
Wie kommt es also zu Krampus und Nikolo ?
Gleich vorweg-- BEIDE sind urpagane Symbole. Sie repräsentieren Ober- und Unterwelt, was im Heidentum aber nichts Negatives bedeutet und nur durch die Zwangschristianisierung umgedeutet wurde ..
Jede uns bekannte Religion und Mythologie beruht auf dem Ur-Schamanismus. Als die ersten denkenden Menschen in der Steppe saßen und zum Himmel hochsahen, als sie ihre Verwandten begruben, das wechselnde Glück und Unglück bei der Jagd und später bei der Ernte überdachten, da haben sie den tieferen - und höheren - Sinn hinter allem gesucht. Besonders begabte Einzelgänger, die den Himmel, die Sterne, den Mond beobachtet haben, die Gespür für Wetter, für Jahreszeiten, für Aussaat und Ernte besaßen, wurden zu Mittlern zwischen den irdischen Kräften und dem, was man sich nicht erklären konnte .. den spirituellen Wesen in der Natur, im Tier, im Wetter und -- später -- im Jenseits.
Was man damals wie heute Regenmacher, Schamanen, Medizinmänner .. nennt, waren die Mittler zwischen den Welten, der Ober- und Unterwelt, den Kräften, die das Wetter, den Regen, Donner und Blitz beherrschten und den Kräften in der Erde, die das Wachstum fördern, die Metalle, die Quellen .. hervorbringen. Sie wurden zu Mittlern zwischen den lebensspendenden Kräften der Sonne und des Regens und der Erde, der Ernte und des Handwerkes .. und sie konnten mit den Tieren sprechen, sich in sie verwandeln, das Jagdglück beinflussen oder Feinde verfluchen .. Höhlenmalereien, wie wir sie kennen, waren wahrlich keine "Wanddekoration", sondern dienten der Gestaltgebung der Tiere, derer, die gejagt wurden und derer, von denen man selbst gejagt wurde .. sie sollten "besprochen" werden für künftiges Jagdglück und Sicherheit der Jäger ..
Was wir heute "Asatru" nennen, also den Glauben an die Asen, an Odin, Thor, Freyr, an Asgard und Midgard, an Ragnarök und die Raben, ist eng vewandt mit dem, was auch die Kelten in Europa über gute 2 Jahrtausende verbreitet haben -- nur daß Odin ein relativ junger Gott ist -- er kam mit den Goten etwa im 2. Jahrhundert über das Schwarze Meer nach Europa und brachte .. den Schamanismus wieder zurück. Odin ist Formenwandler, er ist Wanderer zwischen den Welten und er ist - Schamane.
Der oberte Gott im Norden war lange Zeit Tyr - er war Gott des Kriegs und der Fruchtbarkeit und er war ein guter, treuer Gott. Was sollte man also mit ihm tun, als Odin kam und diesen Platz beanspruchte ? Odin war eine gewaltige Weiterentwicklung . .er hat sein Auge gegeben, um Weisheit zu erfahren, um die Runen zu erlernen und die Schrift den Menschen zu bringen -- das ging weit über einen einfachen Gott des Kriegs und der Fruchtbarkeit hinaus ..und doch war Tyr ein guter und treuer Gott, man konnte ihn nicht einfach ersetzen.
Die Geschichte ist bekannt, der treue Tyr opfert sich, den Fenriswolf zu binden und büßt dabei eine Hand ein. Damit ist er ein Held, aber kein vollwertiger Krieger mehr, denn er kann entweder Schwert oder Schild halten, aber nicht mehr beides .. und kann seinen Platz ohne Gesichtsverlust an Odin abtreten.
Odin kann also darangehen, die neun Welten neu zu ordnen, die Ober- und Unterwelt, die Kräfte der Natur, die er teilweise an seinen Sohn Thor abtritt, der nunmehr für Wetter, Donner, Blitz und Regen zuständig ist und die Unterwelt, die von Trollen und Zwergen bevölkert ist, die das Metall hüten und bearbeiten, die Meister des Handwerkes, der Schmiedekunst, aber auch des Wachstums "von Unten" her, während Thor für Regen von Oben sorgt ... Herr und Gott der Unterwelt wird Freyr, Gott der Fruchtbarkeit und Zwillingsbruder der Göttin Freyja - beide keine Asen, sondern aus Wanheim gekommen ... aber das ist eine andere Geschichte ..
Während man sich im Norden der Wintersonnenwende nähert - eines der beiden Hauptfeste im Heidentum - und der Zeit zwischen den Jahren - den 12 Tagen, die den Unterschied ausmachen zwischen Sonnenjahr und Mondjahr, sammelt Odin die Geister der Ober- und der Unterwelt, die Wilde Jagd, und beginnt, mit Stürmen und Tosen die Dunkelheit zu vertreiben, den Winter auszutreiben ..
Sowohl im keltischen als auch im nordischen Glauben hatte man einen wahrhaften Heidenrespekt vor "Tagen zwischen den Jahren" -- wie zum Beispiel Geburtstagen und darum feiern wir sie heute noch ! Unser Geburtstag gehört strenggenommen nicht zum alten Jahr und auch nicht zum neuen, kommenden Jahr und wann immer so ein Tag zwischen den Jahren auftaucht, wird die Durchlässigkeit zwischen unserer Welt und der Anderswelt sehr, sehr dünn .. um also den Menschen zu schützen, läßt man ihn in dieser Zeit nicht alleine, sondern umgibt ihn mit Familie, Freunden, Nachbarn .. so auch in der Zeit zwischen den Jahren -- darum ist heute noch Weihnachten ein Familienfest, darum geben wir Geburtstagssparties, feiern die Namensgebung im Kreise von Familie und Freunden, denn bevor wir einen Namen erhalten, sind wir unsichtbar, nicht existent, in beiden Welten !
Wenn Odin also in etwa zur Zeit zwischen den Jahren mit seiner Wilden Jagd beginnt, sind wir schutzlos in unseren eingeschneiten Hütten, leben von den Vorräten und hoffen, daß uns der Sturm das Dach nicht wegträgt. Zudem ist man lange Zeit auf engem Raum zusammengesperrt .. es ist oft weit bis zum nächsten Nachbarn und daher haben die beiden Göttinnen, die keltische Göttin des Jahreksreises Breo Saighit und die nordische Göttin Frigga, die Frau Odins und ihrerseits Schamanin, beschlossen, die Menschen in ihren Hütten aufzusuchen .. oft verkleidet als alte Frau, die um Nachtquartier und Suppe bittet, die aber ihren Segen über die Menschen und Wirtschaft ihrer Gastgeber zurücklassen ...
Während also Gemahl Odin mit dunklen Gestalten der Wilden Jagd über den Himmel flitzt, um den Winter auszutreiben, wandert seine Frau Frigga durch Midgard und besucht und beschützt die Menschen in ihren eingeschneiten Hütten ..
Die Christianisierung hat daraus einfach Ober- und Unterwelt in IHREM Sinne gemacht, auch zu Beginn des Dezember, kurz vor der Zeit zwischen den Jahren und die Unterwelt ist böse bei ihnen, bestrafend, keine Handwerker und Fruchtbarkeitsgötter, sondern Teufel .. und als das ""Helle" kann doch bittschön keine Frau und "Zauberin" daherkommen, also wurde ein Bischof draus ... als sie draufgekommen sind, daß sich die "weibliche Magie" nicht so einfach austreiben läßt, hat man begonnen, die Frauen zu verbrennen .. aber auch das ist eine andere Gechichte ..
Aber das mit dem Krampus und dem Nikolo (und den Perchten - die Wilde Jagd) sollte jetzt geklärt sein ..
Und wenn in den nächsten Tagen eine alte Frau an die Türe klopft -- man kann nie wissen !!!