Schon vor tausenden von Jahren haben dumpfe Trommelschläge und flehende Gesänge die Menschen am Feuer bewegt. Durch eine Symbiose aus Musik und Tanz, entstand ein Rhythmus, ein Gemeinschaftsgefühl, ein Gebet. Musik bewegte die Menschen und beförderte sie behutsam in eine andere Dimension. Musik hatte immer einen Zweck, sei es ein Anruf an die Götter, eine Feierlichkeit oder zum Ausdruck von tiefer Trauer.
Heute in der Zeit des kulturellen Überflusses gibt es ein großes Angebot an Genres, an Richtungen, etwas für jedes Ohr. Die heutige Popularmusik ist ein stumpfer Nachhall von Kultur, eigentlich eher eine Unkultur, die häufig nur von völlig belanglosen Geschichten handelt. Ja - auch der Text spielt eine Rolle.
Ich denke aber, unsere Seelen sehnen sich nach mehr, nach tief ritueller Musik, die unsere Erinnerungen weckt, an eine Zeit, wo Musik noch eine sehr bedeutende Rolle für den Geist spielte.
Ein paar Kassetten, die ich aus einem Nachlass ergattert habe.
Ich sah unlängst ein Interview, dass in den 90er Jahren in Wien stattfand. Befragter war ein junger Johann Gudenus, der sich zum Suizid seines Freundes Christian Böhm-Ermolli äußern sollte. Dabei kam es zur Frage, was die beiden den verband. Gudenus beteuerte, dass die beiden wenige Gemeinsamkeiten hätten, aber das was sie verbinden würde seien Raves. Kunst ist Krieg, sagt Böhm-Ermolli. Musik ist Kunst, also ist Musik Krieg. Er sah den Rave als eine Art Stahlgewitter. Er und Gudenus gingen regelmäßig gemeinsam in militärisch anmutender Bekleidung in die Wiener Diskothekten zum raven. Böhm-Ermolli, ein Esoteriker, beteuerte er habe in den tiefen Bässen die "Weltformel" gehört. Ein sehr interessanter Mensch, finde ich, leider hat er sich umgebracht, wie die meisten interessanten Menschen das tun.
Meine These ist, Menschen gehen raven, weil der dumpfe Techno an genau die Musik erinnert, die wir in unserem Urgedächtnis haben, an genau die Musik, die vor tausend Jahren beim Feuer gespielt wurde.
Im Proberaum
Ich bin eher weniger der Raver, sondern mehr der Metal Hörer. Die verzerrten Instrumente und der schreiende verzweifelte Gesang ist meine Reaktion auf die Schieflage in die diese Welt geraten ist. Die Texte sind nicht belanglos sondern erzählen von tief wirksamen, brutalen Gefühlen wie Liebe, Hass, Trauer oder Schmerz. Ich spiele selber in einer Band, die ein sehr guter Weg ist meine Emotionen freizulassen. Wir spielen aber nicht nur Metal, sondern auch ganz stille Gitarrenklänge und leisen Blues, mit wenig Schlagzeug. Befragungen haben ergeben, dass Menschen, die gerne Metal hören auch Klassik und Jazz hören und umgekehrt. Diese Genres sind sehr vielschichtig, und zeugen von einer gewissen Komplexität, die Klänge sind für sich schon emotional.
Als es noch möglich war, war ich oft im Wiener Konzerthaus und Musikverein. Besonders erinnere ich mich eine Vorstellung von "Ma Vlast" des Komponisten Bedrich Smetana. Als die berühmte "Moldau" vor meinen Augen und Ohren erklang, konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten.
Hier ein Konzert von Drain, einer straight edge Hardcore Punk Band. Ich wäre gerne dabei gewesen. Die wütende Menge ist sehr emotionsgeladen und wird durch die Musik berührt.
Ich denke, dass kritische und nachdenkliche Menschen eher weniger Popularmusik, sondern eher alternative Genres hören. In alternativer Musik und anderen Musikformen werden gängige Gesellschaftsmuster gebrochen, die Seele erhält etwas Nährenderes als die immer gleichen vier Akkorde und belanglosen Texte.
Welche Musik bewegt dich? Verlink für uns etwas in den Kommentaren!