Wir hätten dich sonst sehr vermisst, wie schön dass wir beisammen sind! Wir gratulieren dir Geburtstagskind…
Alle deine Freunde freuen sich mit dir…
So schallt es energisch durch unsere Kindertagesstätte.
Doch wer nun denkt „Ach wie nett, da wird wohl ein kleines Geburtstagskind 4!“ der irrt sich gewaltig.
Denn in der Mitte des Sitzungszimmers sitzt zwar (wie sollte es anders sein?) natürlich auf dem „Geburtstagsstuhl“ das mit seinem Lieblingslied besungen und beklatschte Geburtstags-„Kind“, es handelt sich hierbei jedoch um eine 50 jährige Erzieherin.
Das erste Mal bei dieser Runde dabei dachte ich „Oha, dafür reicht ein Glas Sekt nicht aus! Scheiße, dass du mit dem Auto da bist… “
Ich weiß, ich weiß! Ich bin eine elende Spielverderberin, vielleicht gewöhne ich mich auch noch irgendwann an diesen Wahnsinn ABER…
Man bedenke:
Die Person, die mittig sitzend platziert wird und mit den netten Texten ihrer liebsten Kinderlieder besungen wird ist in der Regel nicht gerade gutfreund mit den fröhlich klatschenden Kolleginnen.
Teilweise kann man hier schon von ausgewachsenen Feindseeligkeiten sprechen.
Da muss ich mich doch sehr wundern, dass man freiwillig (teilweise nach Dienstschluss wohlgemerkt) mit Sekt in der Kralle im Kreis ausgelassen (oder aufgesetzt?) gemeinsam singt, wo man sich doch sonst teilweise kaum grüßt oder schlimmer noch: gegenseitig nichts, aber auch absolut nichts gönnt.
Wie ich schon öfter andeutete, war es mir von Anfang an sehr fremd, dass hier über wirklich jede Kollegin, sobald sie abwesend ist versteht sich, übelst hergezogen wird.
Da beschwert sich Kollegin A, dass Kollegin B viel mehr Zeit im Büro verbringen darf. Kollegin C beschwert sich beim Chef, dass Kollegin D sich immer die Reste vom Mittag einpackt. Meine allerliebste Lieblings Kollegin beschwert sich über mich, wie man nur so jemanden, der „nicht mal Erzieherin ist“ einstellen kann und bei Chefin A über Chefin B (da diese mich eingestellt hat) und „alle diesen Fehler jetzt ausbaden müssen“ und so weiter und so fort.
Teilweise hat das üble Geschwätz dann auch Folgen:
so darf Kollegin D die Reste nicht mehr essen oder einpacken: ist doch logisch! Das Essen soll besser weg geschmissen werden, bevor jemand einen Vorteil daraus zieht, denn die andere Kollegin mag das Essen nicht und hat somit keinen Vorteil in Sicht…
Und meinen 6 Vorgängern wurde nach Ablauf der Probezeit die fristlose Kündigung in die Hand gedrückt, da meine liebste Kollegin (wie sie mir ganz offen bereits von Anfang an erzählte) sich über jeden davon (ebenfalls) beschwerte.
Alles schön und gut! Erzieherinnen haben hier ja, nicht ganz zu unrecht, wie sich für mich heraus stellte, einen gewissen Ruf - natürlich nicht alle, das sei hier nochmal betont.
Einige Kolleginnen habe ich bereits nach so kurzer Zeit schon sehr schätzen gelernt!
Dennoch erlebe ich die bösartigsten Kolleginnen, mit den fiesesten Schlappmäulern hier am fröhlichsten und lautesten klatschend beim heiteren Geburtstags-Sekt-Klatsch.
Ich falle hier deutlich aus dem Raster, wie mir schon öfter aufgefallen ist!
So liebe ich ehrliche Ansprachen im korrekten Ton an den jeweiligen Adressaten, muss hier aber auch nicht jeden Furz kommentieren und debattieren und umgekehrt empfinde ich es als vollkommen unauthentisch hier eine Kindergeburtstagsparty für und mit Menschen zu zelebrieren, um die ich lieber einen großen Bogen machen würde!
Ein hartes Los ist meine Abneigung gegen solchen Kitsch, im sozialen Bereich, wie sich bereits in der Ausbildung zeigte.
Für mich persönlich sind es zwei komplett unterschiedliche Paar Schuhe:
- Privat will ich nix basteln,
- ich besitze kein einziges Gesellschaftsspiel,
- keine Plotter-Maschine oder ähnliches und
- wenn ich zum Geburtstag einlade würde ich mich nie in die Mitte eines Stuhlkreises setzen und meine Freunde für mich singen lassen.
Wünscht sich ein Mensch mit Behinderung oder im aktuellen Fall ein Kind:
- kitschige Lieder,
- Bastelei,
- Mensch-Ärger-Dich-Nicht oder Fangen spielen
... ist das definitiv kein Ding!
Kann hier ja auch Spaß machen, sich mal richtig zum Affen zu machen, alles gut…
Aber in meiner Freizeit und im Umgang mit Kolleginnen bin ich da wohl ein absoluter Sonderling in diesem Bereich, mit meinem Charakter.
Nun gut, im neuen „Kindergarten-Jahr“ also ab August (für all jene die, wie ich bis vor kurzem keine Ahnung haben wann dieses beginnt ;-) ) werden wohl die Karten der Geburtstagsfeiern im Rahmen einer kompletten Erneuerung von Öffnungszeiten usw. neu gemischt, mal sehen, ob ich dann Glück habe und dieser Heuchelei entgehen kann…
Ach war es herrlich hier mal richtig schön vom Kerbholz zu ziehen!
Komisch, wie das befreien kann!
Denn während ich diese Zeilen schrieb flog der Frust über dieses seltsame Schauspiel davon, leicht wie eine Feder.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit, falls ihr meinem wirren Geschreibsel bis hierher folgen konntet.
Jetzt interessiert mich natürlich sehr:
- wie in eurer Firma, Einrichtung oder sonst wie beruflich die jeweiligen Geburtstage gefeiert werden?
- Vor allem wäre es mal spannend zu hören, ob jemand aus einer Kita den gleichen "Spaß" erlebt, wie ich zur Zeit?
Vielleicht fühlen einige diese Parties ja auch aus tiefem Herzen und können mich hier dafür abwerben, die Sache anders zu betrachten? Hmm wie sah das denn so bei euch aus? ^^
P.S. Bilder gabs diesmal wieder von Pixabay.com