Was bisher geschah: Der Absprung aus dem Schachtlift rettete die Biestjaeger vor einem ungewissen Schicksal. Doch wie schaffen sie es durch die Kaverne in die sie dadurch gefallen sind?
Ramloc ging in den letzten und die anderen folgten ihm hinein. Sie gingen an Nischen vorbei, die von verstaubten Spinnweben bespannt waren und sprangen über tiefe Spalten im Boden.
Der Gang schlängelte sich abwechselnd, insgesamt führte er sie aber immer weiter zum Ufer wie ihnen Ramloc versicherte. Für eine Weile gingen sie aufwärts und kamen in eine zwanzig Meter breite Klamm im Gestein. Lange, dürre Mineralnadeln ragten aus dem Boden empor, entstanden aus tausenden von Jahren der Ablagerungen, so bildeten sie die Gegenstücke zu den Stalakfelsen, die von der Decke hingen.
Auf der glänzenden Oberfläche funkelten kleine Sterne auf wenn sie das Licht der Lapis streifte. Die Luft war kühle und feucht und hatte einen angenehmen Geruch, der durch das Filtern im porösen Gestein entstand. Die Klamm führte zu einer Schlucht in der ein meterbreiter Bach klares Wasser aus dem Felsen führte. Die Wände waren mit Streifen von einem Material durchzogen, das gelb und blau schimmerte. Dort wo sie sich überlagerten vermischten sie sich zu einem reinen aber geheimnisvollen Grün, das von innen her zu strahlen schien.
»Wir müss´n rasch weiter«, forderte Ramloc seine Gefährten auf.
»Wovor hast du denn auf einmal Angst?«, fragte Grayden.
»Angst? Ich un´ Angst? das ich nich´ lache. Aber dies´ Mineral dort, das so grün leuchtet is´ verdamm´ tödlich.«
»Wie soll denn so ein bißchen Licht tödlich sein?«, fragte Rabana.
»Das weiß ich auch nich´ aber ich weiß, das deswegen viele Zwerge gestorben sind. Es is ´ das Pestlicht, das nur in Nähe von Vulkanen zu find´n is´. Los weiter.«
Shana zog es zu diesem Mineral und sie beobachtete das Leuchten aus nächster Nähe. Sie fragte sich, wie kann so etwas schönes nur so gefährlich sein. Ramloc muss sich irren. Sie streckte die Hand aus und fuhr mit den Fingern über die glasglatte Oberfläche. Sie schien keinerlei Unebenheiten zu haben und die Alkemistin bewunderte diese wunderschöne Arbeit der Natur. Kein Mensch hätte so etwas schmelzen können, selbst die Glaswüstenschmieden hatten immer wenigstens ein oder zwei Einschlüsse in ihrer Arbeit aber hier war nicht der kleinste Makel zu spüren. Ramloc trat neben sie und riss sie aus ihren Gedanken. Er packte ihre Hand und zog sie mit übertriebener Härte von dem Mineral.
»He, was soll denn das?«
»Wills´ du unbedingt sterben?«
»Gehen wir doch einfach weiter«, sagte Grayden.
»Los! Los!«, trieb Ramloc sie wieder an und schob Shana von sich.
Grayden sah zu Magnus rüber, der den Zwerg am längsten kannte aber er zuckte als Antwort nur mit den Schultern. Nach einigen Metern wies Ramloc auf den Boden.
»Seht ihr?«
Vor ihnen bog sich die Felswand nach innen und in der Einbuchtung lagen mehrere Tierkadaver, die einmal die Größe von Huks gehabt hatten. Jetzt waren ihre Körper zerfallen und das Fleisch faulte von den Knochen. Eitrige Geschwüre wucherten auf der Haut, das eine grünlich kranke Färbung angenommen hatte. Unter den toten Tieren hatte sich eine grün-gelbliche Lache gebildet, die zäh in den Steinspalten verrsickerte. Ein Schwarm von Insekten saß auf den Kadavern und die Abenteurer beeilten sich aus der Schlucht zu kommen.
Etwa zwanzig Meter weiter wurde es wieder enger und die Wände bestanden wieder aus purem Fels. Shana blieb stehen um einen letzten Blick auf das unheimliche Leuchten zu werfen aber Ramloc packte sie am Arm und zog sie weiter. Gerne hätte sie dieses Phänomen erforscht aber es war keine Zeit dafür. Die Hand mit der sie das Mineral berührt hatte, juckte ein wenig und sie kratzte sich beiläufig. Der Gang am Ende der Schlucht hatte eine spitze Decke, von der kleinere Mineralnadeln hingen und wieder auf einem Sims in der Kaverne endete. Grayden versuchte heraus zu finden wo sie sich befanden und suchte die Felswand ab.
Dimitrion stand neben ihm und wies nach links.
»Dort ist ein weiterer Sims, keine fünfzehn Meter von uns.«
Der Schildmeister konnte nicht erkennen wo sein Waffenbruder den Sims erkannte. Seine Augen hatten sich zwar an die unterirdische Dunkelheit gewöhnt aber sie waren nicht zur Dunkelsicht befähigt wie die vom Halbelfen. Nach kurzer Überlegung hielt er seinen Schildarm quer vor seinen Körper. Auf den gedanklichen Befehl hin schaltete er sich an. Die Energie fächerte sich auf und bildete einen ovalen Schild. Unhörbar und einen hellen weißen Lichtschein emittierend hielt er den Schild über den Kopf und versuchte den Sims zu erkennen. Sekunden später sah er die Felskante und nickte Dimitrion zu, dann schaltete er den Schild wieder ab.
»Der berühmte Mondschild als Laterne«, lächelte Rabana.
»Man muß sich halt zu helfen wissen.«
»Nützlich aber weithin sichtbar«, sagte Dimitrion.
»Hier unten sieht uns keiner ausser ein paar Fledermäusen und Insekten«, sagte Grayden.
»Mir ist eben noch etwas aufgefallen«, sagte Shana. »Vessna hat doch gesagt, das der Zugang zu der Ebene versperrt sei.«
»Und?«
»Naja, seht ihr hier irgendwo einen Zugang in die Kaverne? Dieser Schacht in dem die Plattform runter gefahren ist, muß schon vor langer Zeit eingestürzt sein. Sonst gäbe es doch sicherlich irgendein Schott oder ähnliches. Bei der Größe der Plattform dürfte man den doch gar nicht übersehen können.«
Beiläufig kratzte Shana sich wieder die Handfläche. Im Halbdunkel konnte sie nicht sehen, das ihre Haut sich bereits rötlich verfärbt hatte.
»Du meinst wir wären ohnehin in einer Sackgasse gelandet wenn die Plattform weiter gefahren wäre?«, fragte Magnus.
»Genau.«
»Bei dem Zustand der Plattform und diesen Schwankungen die das Lichtbild erwähnt hat, wäre das durchaus möglich.«
»Es war also doch eine gute Idee zu springen.«
»Wir müssen weiter«, sagte Dimitrion ungeduldig.
»Und sollen wir da rüber kommen?«, fragte Rabana.
»Zwei Seile ham´ wir noch«, sagte Ramloc.
»Wir sollten jedes davon mit aus der Kaverne nehmen, wer weiß wann wir die wieder brauchen.«
»Ich trenne das Seil mit einem sauberen Schuß einfach ab wenn wir auf dem Sims angekommen sind.«
»Du glaubst, du schaffst das?«, fragte Grayden und erntete einen bösen Blick der Renegatin.
»Kinderspiel«, sagte sie und machte eine hinfällige Handbewegung.
»Wenn du dir sicher bist sollten wir keine Zeit mehr verschwenden«, sagte Dimitrion.
Shana nahm einen Pfeil und band ein Seilende daran fest. Da bemerkte sie die Verfärbung ihrer rechten Hand und zog die Stirn in Furchen. Behutsam strich sie mit der linken über die Handinnenfläche. Sie brannte leicht, wie bei einem Khalsakuss, wenn man sich zu lange während der heißen Monate ungeschützt in der Sonne aufgehalten hatte.
»Was ist?«, fragte Grayden als er Zögern bemerkte.
Sie sah hoch.
»Nichts. Ich muss mich bei dem Sturz verletzt haben, das ist alles.«
»Schaffst du es?«
»Natürlich, kein Problem.«
Shana spann den Bogen und zielte im Schein des Mondschildes auf den Sims. Ein schartiger Vorsprung schien ihr gelegen zu kommen und sie atmete ein, hielt die Luft kurz an und liess den Pfeil fliegen. Er hakte sich hinter dem Gestein fest, sie prüfte den Halt und nickte Grayden zu.
»Wir ham´ kein´n Fels´n an dem wir das Seil hier befestigen könnt´n«, sagte Ramloc, schnappte sich das Ende und wickelte es sich um den Arm und Bauch. »Ich werd´ euch halt´n.«
»Es ist zwar bekannt das ihr Zwerge ungemein kräftig seid aber denkst du, du kannst jeden von uns solange halten?«, fragte Shana zweifelnd.
»Pfft, ihr seid doch Leichtgewichte«
Rabana stütze die Hände in der Hüfte ab und sah den Zwerg mit schief gelegtem Kopf an.
»Sagst du uns auch wie du dann rüber kommst?«
»Stimmt, das würde ich auch nur zu gerne wissen«, sagte Shana.
»Nun, ich ... «, sagte Ramloc stockend. »Ich werde einfach rüber schwingen.«
»Ganz wohl ist selbst mir nicht, obwohl ich ihm vertraue«, flüsterte Magnus dem Schildmeister ins Ohr.
»Du scheinst vergessen zu ham´ das wir Zwerge auch gute Ohr´n ham´«, rief Ramloc von weiter hinten, da er das Seil an der Höhlenwand gespannt hatte um das Gewicht zu verringern.
Magnus verzog das Gesicht wie ein Kind das beim Zuckerklauen erwischt worden war und Grayden grinste.
»Er wird das schon schaffen.«
»Verbindlichst´n Dank«, rief Ramloc aus der Dunkelheit der Höhle.
»Also los.«
Ramloc straffte das Seil und Grayden fing an sich auf den anderen Sims zu hangeln. Der Zwerg hielt das Seil so stramm, das es keinen Zentimeter durchhing. Selbst nicht als Grayden in der Mitte ankam wo das Gewicht ihn am stärksten nach unten zog. Er kletterte weiter bis er auf den Sims springen konnte und winkte ihnen zu.
Fortsetzung folgt in Episode 56-InDie Tiefen- 6 von 10 ...
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