Dann erst einmal Glückwunsch zur Beendigung der Ausbildung. Das in der Tasche zu haben und sich gleichzeitig bereits mit der Thematik auseinander zu setzen, gibt Dir schon einen enormen Vorsprung gegenüber anderen deiner Generation :)
Eine Beratung kann ich nicht wirklich geben, weil ich eben nicht ein "Berater" bin und zum anderen eben auch fest einkalkuliere. Ich kann aber meine Meinung dazu geben. Alleine, dass die Empfehlung von einer Bank kommt, löst in mir bereits unbehagen aus. Richtige Beratung beginnt aber 180k€ und ist dann meist eine Gewinnbeteiligung. Alles andere geht immer über Provision und das geht in jedem Fall weg von deinem Geld. Meist ist es eben nur gut kaschiert.
Wenn ich es richtig finde, handelt es sich wohl um diesen Fond hier:
https://www.lbbw-am.de/fonds/DE000A2DHTQ9/
https://www.finanzen.net/fonds/lbbw_multi_global_plus_nachhaltigkeit
Dies ist ein Mischfond, der sich aus Anleihen und Aktien auseinander setzt. Es gibt durchaus Marktphasen in denen so etwas recht nett sein kann und ich persönlich habe eine Aversion gegenüber Anleihen (die ich selbst erst noch verstehen muss). Ich finde aber solche Mischkonstrukte immer etwas schwierig, weil eine Erfolgskontrolle schwieriger ist. Verstehe ich ein Produkt nicht, bin ich normalerweise immer schon weg.
Der Fond selbst scheint recht neu zu sein. 17 Millionen ist verhältnismäßig klein und das Ding arbeitet erst seit 2018. Vom Kurs hätte man als von Anfang an momentan ca. -3% gehabt. Die Ausschüttung betrug 2018 19¢, womit wir ca. bei 0,3% wären. Wirklich vom Hocker reicht mich das nicht. Immerhin war 2019 bisher (bis auf Mai) ein echtes Boomgeschäft. Das Verkaufsprospekt spricht von weltweiten Investitionen in Aktien, sagt aber nicht konkreter worin. Das fände ich auch ein wenig mau und möchte schon wissen an welchen Märkten man so unterwegs ist. Positiv ist vielleicht, dass eine Vola von 4 tatsächlich noch geht. Aber unterm Strich doch ein recht defensives Papier mit dem man bisher die Inflation nicht schlagen würde. Dafür, dass das Management dann knapp 1,3% in die eigene Tasche zieht, wäre mir die Performance zu wenig. Immerhin bezahlt man sie dafür, dass sie Leistung erbringen und die sehe ich nicht. Dies nur einmal als meine Gedanken zum Fond selbst bei schnellen screenen.
Die Krux liegt aber zumeist woanders. Die Bank vermittelt oft solche Fonds und kassiert dafür einen "Ausgabeaufschlag". Dieser ist mit 3,5% noch recht human, aber nicht unerheblich. Du kaufst das Papier also quasi vom Unternehmen mit einem Aufschlag von 3,5% auf den regulären Preis. Verkaufst Du es an sieh zurück, gibt es üblicherweise einen ähnlichen Aufschlag. Gerade anfangs erschien mir so etwas fair, die Bank soll ja auch etwas verdienen. Was man mir aber nicht sagt ist, dass ich die gleichen Fonds auch direkt an der Börse zum normalen Kurs handeln kann. Wieso sollte ich also nicht direkt an der Börse kaufen, sondern über die Beratung? Die Frage konnte mir bisher noch kein Berater aufrichtig erklären. Genau dies würde ich in jedem Fall auch empfehlen, wenn Du wirklich diesen Fond willst.
Empfiehlst du mir die Empfehlungen von der Bank nachzugehen oder wie genau würdest du nun vorgehen?
Es kommt immer ein wenig auf die eigene Risikoneigung und auch das Budget an. Grundsätzlich würde ich nicht mehr in Fonds investieren, sondern ETFs nehmen. (habe ein paar Mal hier schon darüber geschrieben). Im Kern sind ETFs zumeist passive Index-Fonds. Das Augenmerk sollte auf den Begriff "Fond" liegen, den es sind auch welche. Allerdings eben keine mit einem großen Management, dass irgend eine Auswahl trifft, sondern eben "passiv". D.h. es werden vorher Richtlinien definiert nach denen agiert wird. Der Klassiker ist eben ein Index in dem man sagt: Wir bilden immer den Index XYZ 1:1 ab.
Auf lange Sicht schlagen die meisten Manager nicht den Markt. Ein paar Jahre schaffen sie es und lassen sich als Finanzhelden feiern und spätesten nach 12 Jahren stehen sie meist ähnlich gut da wie der Markt. Wieso sollte man sie also dafür bezahlen? Einige der einfachen ETFs haben ca. 0,2% Kosten pro Jahr im Gegensatz zu den 1,3% dieses Fonds (ohne die Aufschläge). Alleine das finde ich schon respektabel.
Wer 100€ jeden Monat zunächst zurücklegen will und dauerhaft auf diese Verzichten kann, dem würde ich wohl raten 2 der großen Indizes zu nehmen. Der World Index (https://www.finanzen.net/index/msci-world) gilt als recht defensiv und ich selbst würde momentan einen Teil auf die Amerikaner setzen und den S&P500 (https://www.finanzen.net/index/s&p_500) rein nehmen. Jeweils 50€ auf jeden Sparplan.
Natürlich heißt die Vergangenheit nie, dass es in Zukunft auch so weitergeht. Aber ich denke, dass die Amerikaner technologisch nicht sofort gegen etwas ausgetauscht werden. Knapp 727% in den letzten 20 Jahren. Sehr deutlich auch zu sehen der Crash der neuen Märkte und die Krise 2008. Sitzt man in dem Loch, ist man natürlich in seiner Anlage gefangen und bläst auch Trübsal und hat Angst (oh gott, habe ich das richtige Pferd). Aber langfristig stimmt der Trend doch absolut und übertrifft sogar meine Beispielrechnung.
Für einen ETF braucht man keine Gesellschaft, sondern nur ein solides Depot. Einsteigern empfehle ich momentan vorwiegend Consorsbank, weil diese auch Aktiensparpläne mit drin haben und diese vielleicht interessant sein könnten. Dafür sind sie mit ca. 2% Gebühren bei Sparplänen nicht ganz so billig wie die Konkurrenz. Am Ende muss man die Depots eben doch einmal vergleichen und ausrechnen, wieviel Gebühren man zaht, wenn man seinen Betrag anlegt. (Onvista war bis vor kurzem bei ETF-Sparplänen umsonst, nehmen inzwischen aber 1€ pro Order). Langfristig spielen diese Gebühren aber eine geringe Rolle, so dass man nicht unendlich daran abarbeiten sollte.
Auch für Anleihen gibt es übrigens ETFs, allerdings bin ich dafür wohl der falsche Ansprechpartner. Ich fahre aber sehr progressive Strategien, weil ich eben immer sage: Ich bin zu arm als das ich mir leisten kann, nicht zu wachsen! Gerade bei den heutigen Zinsen finde ich die meisten Anleihen eher unattraktiv und nicht so sicher, wie sie manchmal dargestellt werden.
Natürlich hat auch der Aktienmarkt ein Risiko (aufgebläht durch Zinspolitik, auch hier wird es irgendwann zu Korrekturen komme). Durch den monatlichen Kauf nimmt man aber das Timing Risiko raus. Auch ETFs werden oft als Risiko eingestuft, da man eben einen breiten Markt einkauft (also auch Schrottunternehmen) und man sagt, dass in einer Krise diese durch den passiven Ansatz besonders leiden werden. Aber ernsthaft mir ist ein definierter Algorithmus wesentlich lieber als ein schleimiger Krawattenträger, der dann in Panik verfällt, weil er in einem halben Jahr erklären muss, wieso er nicht performt hat.
Eine gute Planform um ETFs zu suchen ist übrigens JustETF (https://www.justetf.com/de/find-etf.html), wo man leicht existierende ETFs finden kann. Aktien, dem gewünschten Index, ausschüttend und am besten ein Europaansässig... das würde ich für den Anfang nehmen.
Die Emmitenden wirken anfangs etwas unbekannt... Aber hinter Comstage (Commerzbank), Amundi, Vanguard, IShare (Blackrock) stecken am Ende meist größere bekanntere Namen. Untereinander ist es eher kosmetisch, siehe z.B. S&P 500 (https://www.justetf.com/de/find-etf.html?assetClass=class-equity&groupField=index&distributionPolicy=distributionPolicy-distributing&index=S%2526P%2B500%25C2%25AE). Das Schema sieht bei allen in der Grafik nahezu gleich aus. Tendenziell sind größere Fonds meist besser. Ich habe z.B. den von Lyxor, weil ich die halbjährliche Ausschüttung attraktiv finde (https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?assetClass=class-equity&groupField=index&distributionPolicy=distributionPolicy-distributing&index=S%2526P%2B500%25C2%25AE&from=search&isin=LU0496786574).
Am Ende reden wir hier immer über ein Basisinvest, dass über 20-30 Jahre laufen sollte. Natürlich kann man in dieser Zeit auch immer seine Strategie wechseln und neuen gegebenheiten Anpassen. Vielleicht gewinnt ja China langfristig gegen Amerika, wer weiß das schon. Aber man sollte sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen und von Marktnachrichten verunsichern lassen. Einfach mal 5 Jahre laufen lassen und dann ggf. wechseln und trotzdem behalten. Je mehr man sich in dem Bereich anliest und sich damit befasst, umso mehr entstehen irgendwann neue Ideen, wie man sich positionieren könnte um ein wenig mehr rauszuholen.
Ja, auch Zertifikate, Optionen, P2P können interessant sein. Aber das sind eher Dinge, die man nicht über mehrere Jahrzehnte laufen hat, sondern dann eher einstreut. Wichtiger ist es erstmals aber an dem Punkt zu kommen an dem man versteht, dass die Bankberater keine Finanzprofis sind, sondern Verkäufer. Die Börse ist ein Markt der uns allen offen steht und wir selbstständig dort unsere Ideen umsetzen können.
Außerdem spar ich monatlich etwas auf ein tagesgeldkonto.
Auch das ist sinnvoll. In jedem Fall sollte man mindestens 3 Monatsgehälter als "Notgroschen" haben, falls man irgendwo unerwartet Geld benötigt wird. Wieviel man darüber hinaus an Cash braucht, da wirst Du unterschiedliche Meinungen hören. Kommt es zu einem Crash (in ein paar Monaten oder Jahren) und Du hast bis dahin ein paar Aktien, kannst Du die mit gutem Discount einkaufen. Wer dann voll investiert ist und kein Crash hat, schaut natürlich in die Röhre und kann nur aussitzen. Wer aber eben nur Cash hat, verliert eine Menge Geld, wenn der Crash nicht kommt. Daher eben ein Basisinvest, was immer läuft und vielleicht auf einige Aktien einen Blick werfen und dann rein, wenn es mal crasht. Die Mehrheit scheint momentan ja durchaus zu glauben, dass wir im Herbst des aktuellen Zyklus angekommen sind ;)
In jedem Fall auch meine Meinung nur als eben solche Wahrnehmen und in jedem Fall weiterführend darüber informieren. Meinungen gibt es im Netz wie Sand am Meer. Wichtig ist eben am Anfang auch sich selbst einordnen zu können und zu verstehen wieviel man selbst aushält und ob man wirklich progressiv oder defensiv ist. Ich habe mich sehr lange für einen defensiven Anleger gehalten, komme aber mit -60% noch recht gut klar (siehe mein Beitrag über RIB). Bin wohl damit wesentlich progressiver als so manch anderer. (Wobei es am Ende nicht darum geht, wer den meisten Schmerz aushält ;D)
Hoffe, dass ich ein wenig deine Fragen beantworten konnte und nicht nur zur Verunsicherung beigetragen habe ;)
RE: Was ich den jungen Menschen empfehle...