Die Frau in ihrer zugewiesenen Rolle.
Vorwort zu dem folgenden Beitrag:
Was im vergangenen Jahr erstmals praktiziert wurde, setze ich in diesem Jahr fort. Es deuten also alle Zeichen darauf hin, dass sich hier so etwas wie ein traditionelles Verhalten anbahnt, denn der Beitrag zum Frauentag stammt nicht von , sondern von mir, Seka, der Frau an Wolframs Seite. Hier findet ihr übrigens den Beitrag vom letztjährigen 08. März.
Eine winzig kleine Schwindelei will ich gleich eingestehen, denn mein Mann ist doch nicht ganz unbeteiligt beim Umsetzen meiner Ideen und Gedanken. Das hat einen ganz bestimmten Grund, der sogar in unmittelbarem Zusammenhang zum heutigen Thema steht. Warum habe ich ihn also nicht raus in die Natur geschickt, damit ich mit der Tastatur meinen Kampf ausfechten kann? Ganz einfach. Wenn Wolfram auch vieles kann, manches davon auch sehr gut - aber schreiben kann er mit Abstand am besten. Warum sollte ich mir das nicht zunutze machen? Dafür lebt und arbeitet man doch zusammen. Das neidlose Anerkennen besonderer Fähigkeiten beim Partner sollte dabei eine Selbstverständlichkeit sein. Sollte - wohlgemerkt! Dass dies nicht immer so ist und wohl auch früher vonseiten der Männer nur widerwillig anschaulich praktiziert wurde, beweisen die Beispiele, denen ich mich heute widmen möchte.
Beginnen möchte ich mit
Camille Claudel
Camille Claudels herausragendes Talent zur Bildhauerei zeigte sich bereits sehr früh. Entgegen vieler in der damaligen Zeit üblichen Vorbehalte ermöglichten ihr die Eltern eine Ausbildung in Paris, u. a. an der Académie Colarossi. Bereits mit sage und schreibe 18 Jahren hatte sie ihre erste Ausstellung. Im Jahr darauf wird sie Schülerin des egozentrischen Bildhauers Auguste Rodin.
1913 wird Camille Claudel von ihrer Mutter und ihrem Bruder in die Irrenanstalt von Montdevergues gebracht, wo sie bis zu ihrem Tod, 30 Jahre später, eingesperrt blieb.
Wie konnte der Lebensweg einer jungen, talentierten Frau so eine dramatische Wendung nehmen?
Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, lohnt sich ein Blick zurück in die Jahre 1883 bis 1892. Das Zusammentreffen und die gemeinsamen Arbeiten mit Auguste Rodin sollten ihr Schicksal prägen, denn der hell leuchtende Stern Rodins am Bildhauerhimmel bekam durch seine neue Inspiration (die Camille zweifelsohne war) noch mehr Glanz. Rodin wusste ganz genau, was Claudel für seine Arbeiten bedeutete. In seinem Bestreben die begabte Frau als Muse langfristig an sich zu binden, kam ihm zweifelsohne sehr entgegen, dass sich Camille in ihn verliebt hatte und sogar seine Geliebte wurde.
Es war nie Rodins Absicht dem Können von Camille Claudel eine ganz eigenständige Bühne zu verschaffen, um von ihren eigenen Arbeiten auch eigenständiges Leben führen zu können. Als der Meister den Saft aus seiner Frucht gepresst hatte, entsorgte er sie.
Kritiker lobten Camille Claudels Werke, die nach 1892 entstanden - doch die Käufer standen bei Rodin vor dem Atelier.
Mileva Marić
Die Lebensgeschichte von Mileva Marić, die 1948 vereinsamt in Zürich gestorben ist, bewegt die Gemüter schon seit längerem: Als vor 22 Jahren Einsteins private Korrespondenz veröffentlicht wurde, entbrannte unter Wissenschaftshistoriker ein Streit über den Einfluss von Mileva Marić auf Einsteins 1905 erschienene spezielle Relativitätstheorie. Feministinnen betrachten Mileva Marić als Mitautorin, ja mitunter gar als Autorin von Einsteins Arbeit mit dem Titel «Zur Elektrodynamik bewegter Körper». Sie berufen sich dabei insbesondere auf folgende, 1901 von Einstein verfasste Briefstelle: «Wie stolz und glücklich werde ich sein, wenn wir beide zusammen unsere Arbeit über die Relativbewegung siegreich zu Ende geführt haben. Wenn ich so andre Leute sehe, da kommt mir's so recht, was an Dir ist!»
So schwierig die Beweislage ist, so unbestritten ist die Tatsache, dass Mileva Marić und den dreieinhalb Jahre jüngeren Albert Einstein während der gemeinsamen Studienzeit an der ETH Zürich eine innige Liebe verband, die auch der rege Austausch in mathematischen Fragen nährte.
Fakt ist jedoch, dass Einstein von den mathematischen Fähigkeiten Frau Marićs so begeistert war, dass er sie ohne große Umschweife schwängerte. Das verbindet und hält zusammen, obwohl der Erzeuger sich weder sonderlich um das Kind, bzw. eine Legalisierung der Beziehung bemühte. Einstein war bekannt dafür jeder Frau hinterher zusteigen, die nicht schnell genug auf dem Baum war. Dass dann doch geheiratet wurde, hatte wohl damit zu tun, dass die Familie von Mileva Marić verhältnismäßig wohlhabend war und er seine Theorie fertigstellen wollte. Mileva war quasi plötzlich unverzichtbar.
Am Ende stand die Formel, eine gescheiterte Ehe und noch zwei weitere Kinder, um die sich der Vater auch nicht kümmerte, da er sich mit seiner Cousine in die USA verzog. Das Geld für den Nobelpreis wurde an Mileva Marić überwiesen. Sie hatte ihre Schuldigkeit getan.
Rosa Parks
Als der Busfahrer ihren Platz forderte, blieb sie sitzen.
Das kostete Rosa Parks Job und Heim, doch sie inspirierte Martin Luther King und wurde zur Mutter der Bürgerrechtsbewegung. Parks war nicht die erste Frau, die im Bus protestierte - aber die erste, die das Zeug zur Ikone hatte.
I Have a Dream ist der Titel einer berühmten Rede von Martin Luther King, die er am 28. August 1963 beim Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit vor mehr als 250.000 Menschen vor dem Lincoln Memorial in Washington, D.C. hielt. Doch kaum einer weiß, dass dies überhaupt nicht der geplante Titel Rede war. Mahalia Jackson war es, die lautstark die eher langweilige Rede des Bürgerrechtlers unterbrach und ihn mit der Frage in Redelaune brachte: “Didn't you have a dream?”
Hier stellt sich daher mir die Frage, wo sie waren, die Männer im schwarzen Anzug und schwarzer Krawatte, Männer wie Malcom X, Martin Luther King oder wie immer sie sich genannt haben mögen, als es galt einfach nur im Bus sitzenzubleiben?
Die Geschichte dazu;
Es war ein ganz normaler Nachmittag. Rosa Parks kam wie immer von der Arbeit im Kaufhaus "Montgomery Fair" und stieg in den nächsten Bus. In Gedanken war sie schon beim Abendessen, als der Busfahrer sie und ihre Sitznachbarn plötzlich anschnauzte: "Bewegt euch, ich brauche eure Sitze."
Genau das geschah Rosa Parks und ihren drei Sitznachbarn an diesem 1. Dezember 1955 in Montgomery, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Alabama. Doch statt sich wie die anderen klaglos nach hinten zu verziehen, blieb sie sitzen. Der Fahrer hieß James Blake, ein Name, der sich für immer in ihr Gedächtnis einprägen sollte. "Stehst du wohl auf?", verlangte er. Doch Parks schaute ihm direkt in die Augen und antwortete: "Nein." "Dann lasse ich dich verhaften", blaffte Blake. Parks antwortete würdevoll: "Das dürfen Sie gern machen." Wenige Minuten später führte die Polizei die Näherin ab.