Hallo zusammen,
meine Hühner sind/waren mit die glücklichsten, die es auf der Welt gibt. Sie durften im hinteren Teil unseres großen Gartens scharren umd umherlaufen. Sie werden jeden morgen von mir mit Futter und frischen Holzstreu versorgt. Abends checke ich ob alles gut ist und kontrolliere die Türen. 99% der Hühner dieser Welt geht es schlechter.
In einer Ecke unseres Gartens steht ein Komposthaufen. Das ist der Lieblingsplatz meiner Hühner.
Allerdings steht er im freien und nicht geschützt unter den Bäumen, wie der Rest des "Hühner-Bereichs". Und das wurde zwei meiner Hühner gestern zum Verhängnis.
(Gestern war für mich ein harter Arbeitstag. Ich bin mit dem Fahrrad 18 km ins Büro gefahren, hatte eine anstrengende Schulung, in der Mittagspause eine Verabschidung eines Kollgen und hatte ausser einem Müsli und drei Möhren nichts gegessen. Auf dem Rückweg bin ich dann kurz vor unserem Haus in eine Unterzuckerung gekommen, mit Schweißausbrüchen und Zittern. Zu Hause zog ich dann mein nassgeschwitzes Hemd aus und aß erst mal was.
Mit freiem Oberkörper ging ich (bei 5 °C aber es sollte ja auch nur für zwei Minuten sein) in den Garten um nach meinen Hühner zu schauen.)
Als erstes bemerkte ich den Bussard, der aus der Kompost-Ecke in die Höhe flog, als er mich sah. Ich dachte schon "oh oh".
Dann merkte ich, dass meine Hühner weder im Gehege, noch im Häusschen waren. Also ging ich zum Komposter. Und dann sah ich es: Zwei tote Hühner und eins, das völlig verheddert im Zaun hing.
Ich brauchte mehr als fünf Minuten um es zu befreien.
Ich brachte das völlig verstörte Huhn ins Häusschen.
Ein zweites Huhn konnte ich im Efeugestrüpp an unserm Pizzaofen entdecken. Es guckten nur noch die Schwanzfedern raus.
Die anderen beiden Hühner fand meine Frau am Abend mit der Taschenlampe auch irgendwo im tiefsten Dickicht.
Freiheit ist ein schönes Gut. Aber sie birgt auch immer Risiken. Manchmal auch tödliche. Die Alternative wäre, dass meine Hühner nur noch im Gehege bleiben dürfen. Das ist immer noch mehr Platz als bei Legehennen, aber trotzdem nicht frei.
Ich beobachte, gerade derzeit, viele Menschen, die auf ihr Recht auf Freiheit pochen. Solange sie sich selber damit in Gefahr bringen, ist es mir auch egal. Aber die meisten Systeme sind komplexer als Hühner im Stall oder im Garten zu halten. D.h. wir Menschen bringen mit riskantem Verhalten nicht nur uns, sondern auch andere Menschen in Gefahr. Oftmals sogar so versteckt, dass wir es nicht mitbekommen (Stichwort: Externalisierung (also wir erhalten das Produkt, die anderen den Müll)). Und wenn man die Gefahr nicht sieht, vergisst/verdrängt man sie sehr schnell.
Ich möchte mit diesem Blog darauf hinweisen, dass es den Tod gibt und er verhinderbar gewesen wäre, wenn wir dafür etwas Freiheit geopfert hätten. Man muss es ja nicht übertreiben, aber sollte sich zumindest seiner Verantwortung bewusst sein.
Meine Hühner bleiben vorerst (bis die Bäume wieder dichter sind oder ich im Garten bin) im Gehege.
Und übrigens wollen sie das jetzt auch. Normalerweise werde ich spätestens gegen 9:00 Uhr mit lautem Getöse aus dem hinteren Garten geweckt, da sie draußen scharren wollen.
Heute Morgen wollten sie noch nicht mal das Häuschen verlassen. Der Schock sitzt tief.
Zum Thema Freiheit, bzw. Sklaverei habe ich auch einen Comic gezeichnet:
https://greensniper.wordpress.com/greensniper-viii-sklaverei/
Der ist natürlich auch in meinem Buch Greensniper - Ein Ritter der auszog die Welt zu retten.
Gruß, Achim