Ich möchte mal ein paar der Gedanken von
aufgreifen, die er in seinem Beitrag zum Thema Vermüllung angesprochen hat.
Im Gegensatz zu „Musterstadt“ finde ich nämlich hat sich Berlin dagegen nicht unbedingt verändert. Berlin war schon früher kein Beispiel für Sauberkeit und hat an vielen Ecken und Enden mit Müll und Abfall zu kämpfen gehabt, welcher nicht in den dafür vorhandenen, oder manchmal auch auf mysteriöse Art und Weise abhanden gekommenen, Containern oder Behältnissen gelandet ist.
Ganz subjektiv würde ich jetzt sagen, die Stadt ist genauso dreckig wie früher. Da ich ja nur noch gelegentlich vorbei schaue, habe ich natürlich keinen umfassenden Überblick, aber ich kann mich beim Zurückdenken gut erinnern, dass immer schon Müll rumlag. Großstadt halt mit ganz besonderem Charme, dass kann man vielleicht mit anderen Orten dann auch nicht so gut vergleichen.
Aber generell würde ich sagen, dass besonders dort wo nicht unbedingt eine reiche oder halbwegs gut betuchte Klientel wohnt (also dort wo ich mich meist aufgehalten habe), das Problem um einiges größer war.
Um es vorweg zu nehmen, ich bin aus dem Teil Berlins, der früher zum Arbeiter- und Bauernstaat gehört hat. Dieser wird ja entweder verklärt oder verteufelt, wobei bei Ersterem oft Aussagen fallen, dass ja im Vergleich zu heute wenigstens Ordnung geherrscht und es doch eigentlich einen ganz besonderen Zusammenhalt gegeben habe, der ja in der jetzigen Zeit abhanden gekommen sei.
Natürlich, den Müll habe viele gerne bei sich bietenden Gelegenheiten gemeinschaftlich in die Büsche, Hecken und Wälder geworfen. Aber beim späteren Anschmieren, war dann jeder wieder der Größte, auf seine ganz eigene und persönliche Art.
Ich kann mich noch sehr gut an die Drecksecken bei uns in der Gegend erinnern. Was mir besonders im Gedächtnis geblieben sind, sind Glasflaschen und Farbkübel. Zum Glück gibt es diese Stellen heute nicht mehr, generell würde ich sogar behaupten, dass es in dem Vorstadtbezirk, in dem meine Eltern wohnen, sogar sauberer geworden ist.
Persönlich kann ich auch gar nicht sagen, ob es wirklich einen Trend dahin gibt, dass vielen Menschen vieles egal geworden ist, und Hilfsbereitschaft und der „gesunde Menschenverstand“ abhanden gekommen zu sein scheinen.
Auch als ich noch jünger war, konnte ich viele der Dinge, über die wir uns heute überall und jederzeit beschweren, bereits beobachten. Das gab es alles damals auch schon. Berlin, und alles was dazu gehört, hat man auch früher schon gehasst oder geliebt. Für dazwischen liegende Nuancen und Töne bleibt und blieb da oft nicht viel Platz.
Natürlich heißt das alles auch nicht, dass man sich damit abfinden oder zufrieden geben muss. Die Frage ist halt nur, wo setzt man an.
Verordnungen und Gesetze haben wenig gebracht und werden da auch weiter wenig bringen. Wichtiger scheint es doch, bei den Menschen schon früh ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man seine eigene Umwelt und auch die anderer Menschen nicht einfach so zumüllt. Und diese Aufgabe sollte unsere Gesellschaft dann auch nicht wieder auf die Schule und damit die eh schon überlasteten Lehrer abwälzen, sondern damit sollte man bereits im Elternhaus anfangen. Da sind wir Erwachsenen gefragt, um mit guten Beispiel voranzugehen.
Das klingt wohl mal wieder wie eine dieser ausgelatschten Phrasen, aber eigentlich trifft das doch voll den Kern. Der Großteil unseres Charakters und Wesens wird bereits in den Kindheitsjahren ausgebildet, wer als Teenager keinen Respekt vor der Natur und der Umwelt hat, wird ihn oft auch Erwachsener nicht mehr entwickeln.
Hier in Japan ist das mit dem Müll auch so eine Sache.
Zum einen gibt es sehr wenige öffentliche Mülleimer und Papierkörbe, und wenn man das berücksichtigt, fällt einem doch schnell auf, dass es im Straßenbild erstaunlich sauber ist. Verursachter Müll wird in den meisten Fällen klaglos mitgenommen, und oft erst zu Hause fachgerecht entsorgt. Was Verpackungen angeht, lässt sich das Land der aufgehenden Sonne ja auch nicht gerade bitten, alles wird doppelt und dreifach vertütet und eingewickelt. Trotzdem liegt im Vergleich zu Berlin in Tokyo weniger Abfall auf den Straßen und Bürgersteigen.
Das heißt aber noch lange nicht, dass es überall so ist. Dazu muss man nur mal ans Meer kommen. Zum einen wird man bemerken, dass an der Küste überall Überbleibsel unserer hochentwickelten Zivilisationsgesellschaft angeschwemmt werden. Und nicht nur Fischernetze und Bojen, sondern eine Menge an Plastikmüll, besonders Plastikflaschen. Hier habe ich dann schon einige Male die Ausrede gehört, dass stamme doch alles aus Korea und China, die japanischen Schriftzeichen auf dem angeschwemmten Treibgut haben mich dann aber eines besseren belehrt.
Solche Überraschungen kann man hier am Sonntagmorgen am Strand vorfinden
Und dann scheint der Strand auch noch Auswirkungen auf die Psyche zu haben. Generell scheinen sich viele Japaner hier anderes zu verhalten, als sie es im täglichen Straßenbild tun würden. Strand ist oft das Synonym für Party, besonders Grillen und Trinken. Und da kommt es leider sehr oft vor, dass die Überreste dieses Treibens auch am nächsten Tag noch für alle sichtbar herumliegen. Abgebrannte Grillkohle, Bierdosen und vieles mehr kann man am Sonntagmorgen oft an den Stränden entdecken und bestaunen, und das sind leider keine Einzelfälle.
Genauso ist das oft bei den Abfahrten und Einfahrten für die Schnellstraßen. Hier entdecke ich immer wieder von neuem Abfall auf den Straßen und im Graben. Die kurvigen Einfahrten scheinen geradezu einzuladen, hier seine Mc Donalds Abfalltüte ganz elegant mit Schwung aus dem Fenster zu entsorgen. Man ist ja an diesen Stellen oft ungesehen, was das Risko des Entdecktwerdens gering werden lässt
Japan ist halt ein Land mit einer ganz speziellen „Schamkultur“. Solange man in der Öffentlichkeit ist, möchte man so wenig wie möglich auffallen, geschweige denn natürlich irgendwie negativ. Man will halt unter allen Umständen vermeiden sein Gesicht zu verlieren, was ja öffentliches Fehlverhalten hier unausweichlich zur Folge haben würde.
Dieses Bestreben des Gesicht Wahrens scheint ja in mehreren ostasiatischen Kulturen ein starker gesellschaftlicher Kit zu sein, ich glaube China und Korea sind da ziemlich ähnlich.
Jedenfalls scheint der Hang und Drang zur öffentlichen Sauberkeit hier in Japan manchmal nur oberflächlich und nicht wirklich bewusst verankerter gesellschaftlicher Konsens zu sei. Als Besucher bekommt man zwar erst einmal einen sehr positiven Eindruck, was Sauberkeit und Müllentsorgung angeht. Besonders in den großen Städten wird mal als europäischer Großstädter angenehm überrascht sein. Aber anders kann ich mir die Ausfälle an den Straßen oder am Strand einfach nicht erklären.