Wer verstehen will wie es sich wohl früher mit der Hexenjagd verhalten hat, braucht nur eine Weile auf eine Diskussion rund um das Thema „political correctness“ einen Blick werfen. Bereits in einem anderen Artikel habe ich davor gewarnt, dass man nun einen Feldzug gegen historische Figuren und der Geschichte selbst führt und dabei riskiert die eigentlich richtige Sache zu torpedieren. Dies hindert nun allerdings die BLM-Bewegung nicht davon sich endlich auch an den rassistischen IT-Bereich zu wenden.
Immerhin sind Konzepte beim Controller wie „Master“ und „Slave“ fast jedem Informatiker bekannt und sehr gängig. Und wobei ich hier tatsächlich noch nachvollziehen kann, dass es irgendwie anstößig sein kann, habe ich als Informatiker zu keinem Zeitpunkt hier irgendwelche Menschen vor Augen gehabt. Es ist halt ein Konzept bei dem einer führt und der andere blind gehorchen muss.
Eigentlich eine recht gute Beschreibung des Verfahrens. Das dies nun mit Begriffen wie „Primary“ und „Secondary“ ausgetauscht werden kann, macht es stellenweise eher unpräzise, da es dabei meist um Vertreter geht. Ein Slave wird nie die Rolle seines Masters einnehmen. Dieser kleine, aber feine Unterschied scheint vielen allerdings nicht ins Auge zu fallen. Okay, man kann den Sklavereiursprung allerdings nachvollziehen.
Ein anderes gängiges Konzept von „Whitelists“ und „Blacklist“ stehen nun ebenfalls zur Diskussion. „Allowlist“ und „Blocklist“ seien besser. Hier haben wir auf jeden Fall mindestens zusätzlich noch ein gesellschaftliches Problem, da eine Schwarzliste auch jenseits der Informatik ein Begriff ist. Man denke nur mal an das Schwarzbuch der Steuerverschwendungen.
Kritiker sagen, dass Betroffene jeden Tag dadurch daran erinnert würden, dass schwarz etwas schlechtes und verbotenes sei. Ich habe sehr viel international mit dunkelhäutigen im IT-Bereich zusammengearbeitet und auch sehr oft über solche Themen gesprochen. Nie habe ich den Eindruck gehabt, dass dies für sie irgend ein Problem darstellen würde. Fairerweise muss ich eingestehen, dass ich auch nie danach gefragt habe und mir dabei auch irgendwie merkwürdig vorgekommen wäre.
Als „Weißer“ habe ich mich ja auch nie bei einer „Whitelist“ in irgend einer Form überlegen gefühlt, sondern es beschrieb eben zwei unterschiedliche Ansätze. Entweder eine Streichliste von Dingen, die ignoriert wurden oder eben eine Liste bei der alles verboten war bis auf die Ausnahmen. Da ist kein Rassismus drin. Es ist ein ganz normales technischen Verfahren.
Geht es um Versionsverwaltung spricht der Informatiker vom „Master“-Zweig. Das ist der Zweig auf dem Hauptversion liegt und normalerweise jener Zweig der zuerst da ist. Dieser soll nun in „Main“ umgewandelt werden, was eher den Eindruck erwägt, dass jemand von der Programmierung und dem Eintrittspunkt dabei redet.
Da ich nun auch schon einige Jahre auf dem Buckel habe, erinnere ich mich noch gut an eine Zeit in der dieser Zweig „trunk“ genannt wurde und von dort aus die „branches“ abgingen. Gerade in modernen Projekten gleicht so etwas aber nicht mehr einem Baum, da die Äste zu wild ineinander hängen, womit die Bezeichnung im Laufe der Jahre obsolete wurde.
Den Vogel schießt allerdings die aktuelle Diskussion aus rund um einen Android Sicherheitstechniker, der nun die Begriffe „White hat“ und „Blackhat“ in Frage stellt. Diese werden genutzt um Hacker in zwei Kategorien einzuteilen. „White hats“ sind die Guten, die versuchen Schwachstellen im System aufzuspüren und diese zu veröffentlichen, damit sie dauerhaft geschlossen werden. „Black hats“ sind die Bösen, die diese Schwachstellen auszunutzen um damit z.B. Straftaten zu begehen und zum eigenen Vorteil ausnutzen.
Der Begriff schließt sich auf unterschiedliche Hüte (zumeist ein Fedora), der von den Fraktionen getragen wird und ihre Zugehörigkeit symbolisieren. Wer sich zwischen den Welten bewegt wird oft auch als „Gray Hat“ bezeichnet und ja, auch die Firma „Redhat“ hat ihren Ursprung dort. Gerade die typische Hackerkultur ist eine extrem egalitäre Gesellschaft bei dem jeder nach seinem Können beurteilt wird und nicht seinen sonstigen Eigenschaften.
Wir mich steht außer Frage, dass ein dunkelhäutiger Transgender problemlos auch einen weißen Hut tragen kann. Zwar gibt es durchaus je nach Kreis auch alternative Begriffe und „White Hats“ werden oft auch „ethical hackers“ oder „academic hackers“ bezeichnet. Aber diese Begriffe jemanden außerhalb der IT zu erklären ist schwieriger als die Sache mit den Hüten.
Denn der Idee wohnt etwas eigenes inne. „Schwarz“ ist etwas böses, „weiß“ ist etwas Gutes. Und genau dies wird nun von dem Sicherheitstechniker kritisiert. Viel Spaß bei diesem Feldzug. Natürlich ist ein „Schwarz-/Weißseher“ jemand für den es nur die beiden Extreme gibt. Es entpuppt sich, dass ein Darth Vader stets auf der richtigen Seite gestanden hat, während Meister Joda Ausbilder eines rassistischen Terrorlagers war.
Ernsthaft Leute? Das die „dunkle Seite“ oder die „Nacht“ etwas bedrohliches auf die meisten Menschen hat, steht völlig außer Zweifel und liegt in der Natur des Menschens. Schlichtweg schon, weil man viel weniger sehen kann. Macht dies die Nacht rassistisch?
Für mich grenzt es eher an Rassismus, wenn man beginnt in einem eigentlich aus meiner Erfahrung sehr rassismusfreien Gebiet wie der IT solche Phantom-Diskussionen herein zutragen. Im Laufe der Jahre habe ich real nie Rassismus in der Branche erlebt. Im Netz war dies zumeist auch kein Thema, alleine schon deswegen, weil man dort eigentlich anonym unterwegs war (Grüße an die Leute, die die Klarnamenpflicht aus der Buchse lassen wollen…).
Wer kategorisch darin denkt, dass „schwarz“ etwas negatives sei und dies für dunkelhäutige Menschen ein Problem darstellt, zeigt damit eine für viele Menschen verstörende Denkweise auf. Bereits bei vielen anderen Themen war dies der Fall. Ja, ich kenne auch Transgender und habe manches Mal verstört dort angefragt, wie man eigentlich zu den Diskussionen um das politisch korrekte Gendern und dem Dritten Geschlecht steht. Die Antwort war stets sehr eindeutig: Es interessiert mich nicht.
Und jeder schwarze Informatiker den ich kennen gelernt habe, wird ganz eindeutig genauso auch auf die oben genannten Punkte reagieren. Es verschlechter sein Leben nicht im Geringsten. Ist dies die Ignoranz der Betroffenen? Muss man da nun als Gutmensch ein Fass aufmachen, weil man es selbst sieht? Wieviele Leben werden wir damit nachhaltig verbessern?
Ähnliche Diskussionen konnten wir auch schon beim „Sexismus“ erleben. Das „man“ etwas tun sollte und „frau“ nicht, lässt sich ja noch mit dem Bildungsgrad der Person abtun. Das man stets eine weibliche Form mit angeben soll, führt IMHO nur dazu, dass so manche Rede sehr sperrig wird. Und würde jemand über „Informatikerinnen“ reden und es nicht gerade über Sexismus gehen, fühle ich mich auch als „Informatiker“ angesprochen, da es für mich außer Frage steht, dass dieser Beruf auch von allen Geschlechter ausgeübt werden soll. Das Geschlecht spielt für die Arbeit nämlich keine Rolle. Und genauso wenig die Hautfarbe.
Es sind absolute Schadendiskussionen, die darauf abzielen, dass Leute anecken und die Auslöser die Welt dann in „schwarz“ und „weiß“ unterteilen können. Das Schwarze in Amerika in Gaststätten und Busen ihre eigenen Sitzplätze hatten war zweifelsfrei eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit und zu recht aktiv bekämpft. Da es hier eben um reale Einschränkungen des Lebens geht.
Und blickt man auf die Statistik und sieht, dass man als dunkelhäutiger teilweise ein bis zu 7x so großes Risiko hat unschuldig von der Polizei niedergeschossen zu werden, dann ist dort auch ein ganz klarer Missstand den man abstellen muss. Ganz unabhängig von der Ursache. Vielleicht erschreckt man tatsächlich als Polizist mehr, wenn man ein dunkel Gesicht in der Nacht plötzlich vor einem sieht, selbst dann, wenn man kein Rassist ist. Dann muss aber eben im Training mehr darauf geachtet werden, weil der Ist-Zustand nicht hinnehmbar ist.
Wer dann allerdings beginnt im IT-Bereich wildern zu gehen, zieht die wichtige Diskussion definitiv ins lächerliche und sorgt nur dafür, dass Teile der Bevölkerung eher auf die Barrikaden gehen, wenngleich sie ansonsten entsprechende Änderungen (vielleicht widerwillig) geschluckt hätten. Wer denkt, dass er ihr für eine gerechte Sache kämpfen würde, sollte sich klar vor Augen führen, dass er diese damit eher sabotiert.
Die krampfhafte Jagd nach einer Erklärung für Dinge für die man keine gute Erklärung hatte, endeten eben in den berühmten Hexenjagd. Hätte hier jemand rechtzeitig gesagt, dass man lieber die Symptome bekämpfen würden, wäre anderes Unrecht verhindert gewesen und wir wären vielleicht medizinisch wesentlich weiter.
Rassismus bekommt man nicht dadurch bekämpft, dass man die Unzugänglichkeiten des weißen Mannes aufzeigt. Rassismus kann man nur dadurch bekämpfen in dem man ihn dauerhaft aus den Köpfen kriegt. Wer denkt, dass er diesen Weg beschreitet in dem er solche Diskussionen anstößt, wird damit nur längst verheilte Wunden aufreißen und Menschen Ausgrenzung sehen lassen, wo absolut keine mehr ist...