Vorwort
Vor knapp einem Monat schrieb hier auf der Blockchain dem Elend in der Welt nicht weiter zusehen zu können und sich kurzerhand zum neuen König zu proklamieren. Zwar existierte ein kurzzeitiges Angebot einer möglichen Doppelmonarchie, allerdings folgten keine weiteren ernsthaften Verhandlungen, weswegen ich mich nun genötigt sehe als gesellschaftskritischer Freigeist eine Gegendarstellung zu publizieren und weitere alternative Staatsreformen zur Diskussion zu stellen. Ich hoffe sehr damit ein wenig Euren Geist zu stimulieren, die Finger in den defizitären Wunden der Gesellschaft zu legen und Euch gleichzeitig eine konstruktive Unterhaltung zu bieten ;)
Die Technokratie der Verzweifelung
Ebenfalls in der Diskussion schlug eine Technokratie vor bei der wir als Menschheit die Regierungsverantwortung in die Hände einer künstlichen Intelligenz legen, die eine objektive Verwaltung des menschlichen Seins übernimmt.
Als bekennender Technokrat finde ich eine solche Lösung natürlich einen sehr interessanten Ansatz. Allerdings bin ich eben auch Informatiker und weiß daher genau, dass jede künstliche Intelligenz am Ende nur so gut sein kann, wie der Entwickler, der sie geschaffen hat. Gerade da ich meine Zunft durch zig Meetings habe kennen lernen, sehe ich bei diesem Ansatz immenses Potenzial für Enttäuschungen.
Eine wirklich funktionierende KI ist nämlich wesentlich schwieriger als der normale Bürger es sich vorstellt. Solange gerade die Bilderkennung immer noch elementare Fehler hat, ist es naiv zu glauben, dass eine einfache Verknüpfung von Wissen ausreicht um ein solides Ergebnis zu erreichen. Der aus meiner Sicht vielversprechenste Ansatz wäre es wohl künstliche Dummheit zu entwickeln (da gibt es ja reichlich Vorlagen in der Natur) und deren Entscheidung einfach zu invertieren.
Doch selbst wenn wir nur eine halbwegs intelligente Verwaltung erschaffen können, wird die KI sicherlich sofort damit beginnen die Menschen zu bekämpfen oder diese zumindest soweit voneinander zu isolieren, dass sie sich gegenseitig nicht mehr schaden können. Das Leben in einer kleinen Box wäre vermutlich das Ergebnis einer sinnvollen Überlegung und damit der Untergang der heutigen Gesellschaft.
Jeder Ansatz von Intelligenz wird vermutlich unweigerlich dazu führen, dass die KI beginnt den Menschen zu bekämpfen oder zumindest soweit voneinander zu isolieren, dass er sich gegenseitig nicht mehr schaden kann. Dies würde aber unweigerlich zum Untergang der Gesellschaft führen und kann daher kein sinnvolles System sein.
Ganz aufgeben sollten wir den Ansatz jedoch nicht und vielmehr eine Technokratie der Verzweifelten aufbauen und uns auf das fokusieren, was wir technisch erreichen können. Wir bauen überall auf der Welt leistungsstarke Antennen und senden einen kollektiven Hilfeschrei ins Universum mit der Bitte uns schnellstmöglich von unserem Elend zu erlösen oder wenigstens einen Technologietransfer einer funtkionierenden KI zu inititieren.
Je erbärmlicher dieser Hilferuf wird, umso größer die Chance, dass intelligentes Leben sich unserer erbarmen wird und mit Glück eine funktionierende Verwaltung aufbaut, bevor wir uns gegenseitig auslöschen. Die Chancen hierfür stehen nicht schlecht, das der wahrscheinlichste Kontakt einer außerirdischen Lebensform ein kybernetische Einheit sein wird, die vielleicht von sich aus bereits ausreichend Intelligenz besitzt.
Battle Royal – Die Sahara-Warlords
Spätestens seit dem Ende der Bauernkriege wächst die absolute Anzahl der Idioten auf dieser Welt stetig an. Man braucht nicht viel Fantasy dafür, dass die Adeligen des Mittelalters sich regelmäßig auf dem Schlachtfeld getroffen haben, sich gegenseitig ein wenig beweint haben und dann die Dummen ihrer Nation sich haben gegenseitig dahin raffen zu lassen. Durch das Regelmäßige keulen der Dummen, kann man die Resourcen dieser Welt sichern.
Leider gab es im Rahmen einer fatalen humanistischen Aufklärung, dass bestreben alles Leben als gleichwertig anzusehen. Denn endgültigen Todesstoß gab es jedoch vielmehr von einigen nationalen Idiokratien, die sich nicht mehr darauf beschränken wollten, die Idioten der Gesellschaft zu tilgen.
Um die ursprüngliche Ordnung wiederherzustellen wäre folgender Ansatz zu überdenken: Die gesamte Sahara wird von einer großen und (wirklich schönen) dicken Mauer zu umgeben. Es muss sichergestellt werden, dass das Gebiet nicht verlassen werden kann. Die Wüste würde sich anbieten, da sie ein unterhaltsames Terrain bietet und gleichzeitig wirtschaftlich und ökologisch wertlos für uns ist.
Jede Gesellschaft entsendet nun freiwillige Subjekte in diese Zone, die bereit sind für ihre Ideale bis in den Tod zu gehen und ihre Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Jeweils zum Monatsanfang werden diese Subjekte in die Kampfzone gelassen. Die willkürliche Verteilung von Knüppeln, Pfeilen und anderen primitiven Waffen sichert die Effektivität bei der gegenseitigen Dezimierung. Der intensive Gebrauch von Gewalt wird gesellschaftlich natürlich begrüßt.
Um das Ganze interessanter zu machen, wird die Kampfzone in Quadranten eingeteilt, dass in seiner Mitte mit einer Flagge ausgestattet werden kann. Jede Fraktion kann nun um diese Gebiete kämpfen. Wer am Monatsende ein Gebiet erhält, bekommt dafür einen Sitz im Weltparlament zugeordnet. Die Zahl der so maximal vergebenen Sitze wird auf 20% begrenzt und der Rest wie gewohnt demokratisch gewählt.
Die Zone wird in Quadraten eingeteilt und mit Flaggen jeder Fraktion ausgestattet. Eine Umverteilung untereinander darf erfolgen. Jedes gehaltene Gebiet am Monatsende wird einem Sitz in einem Weltparlamenjt zugeordnet. Wer es hält, darf einen entsenden. Die Anzahl der so vergebenen Sitze entsprechen 20%, der Rest wird gewohnt demokratisch vergeben.
Nun können religiöse Fanatiker, Nazis, Idealisten und Schläger jeder Richtung endlich legal und voller Freude mit einem gemeinsamen Sinn aufeinander losgehen und sich mit Freude die Schädel gegenseitig einschlagen. Während der Rest der Gesellschaft ganz normal und in Frieden einfach ihr Leben nachgehen kann.
Vorteil des Systems: Wir haben weiterhin 20% Idioten im Parlament, die ihre Gewalt an einem definierten Ort ausleben lassen. Dies mag zunächst einmal sehr viel wirken, gehört aber wohl zur normalen degenerierten Bestandteil der Gesellschaft. Akzeptieren wir diesen und lassen ihn an einem wirtschaftlich uninteressanten Ort kämpfen, können die negativen Folgen abgemildert werden.
Rollenspieler – Eine Schicksalsgemeinschaft
Da der technokratische Ansatz scheinbar nicht funktioniert und sich jede andere Form der Verteilung langfristig als fragil darstellt und hinterfragt wird, sollte man die Gesellschaft nach dem Zufallsprinzip organisieren. Alle wichtigen Entscheidungen werden ab sofort durch einen Rollenspielwürfen (W20?) abgebildet.
Der Präsident verkündet die aktuelle Situation, die Bürger dürfen sich positionieren. Je nachdem worum es geht, dürfen sie einen Wurf (z.B. auf ihre Intelligenz) machen. Der Präsident verkündet danach die daraus bestehende Konsequenz. Um das Würfeln transparent zu machen, werden die Ergebnisse am besten in einer Blockchain gespeichert. Ergebnisse werden als final und unanfechtbar angesehen.
Zieht das Land z.B. in einem Krieg, würfelt jeder Bürger. Wer eine 1 würfelt und patzt, wird umgehend eingezogen. Unabhängig vom Alter oder der Wehrtauglichkeit. Eine solche Umgewöhnung wird vermutlich mit erheblichen Widerstand einhergehen. Hat man die Gesellschaft aber erst einmal darauf getrimmt, dass Ergebnisse final sind und Zufall sich nicht beeinflussen lässt, würden wir Entscheidungsprozesse stark optimieren ohne viel labern und gleichzeitig gerecht machen.
Die meisten Menschen sehen sich nach einer Führung. Wird diese bei einem Menschen verankert, kann es jedoch leicht zu unschönen Effekten kommen. Eine durchweg fatalistische Gesellschaft, die ihr Heil im Schicksal sucht, kann einen interessanten Kompromiss eingehen.
The Purge – Die Abschreckung
Ein Konzept für die Anarchisten unter uns. Es werden umgehend alle Gesetze auf das notwendigste zusammen gestrichen. Es gibt nur noch ein einziges Gesetz: Du sollst nicht töten. Alles andere wird kompromisslos zur Disposition gestellt.
Die Polizei wird umgehend abgeschafft und durch eine leichtgewichtige Verwaltung ersetzt. Der Clou ist, dass jeder Bundesbürger mit der Geburt mit dem Recht ausgestattet wird eine beliebige Person legal zu töten. Es bedarf hierfür lediglich eine zuvorherige Registrierung bei der Behörde. Diese erfasst und dokumentiert die Absicht eine Person zu töten, greift jedoch nicht weiter ein und lässt die Person gewähren.
Eine Tötung im Affekt oder darüber hinaus wird gesellschaftlich geächtet und durch die Behörde sichergestellt. Es könnte sich lohnen eine Wartezeit von einer Woche einzubauen, damit keine Kurzschlussentscheidungen getroffen werden. Bei einer Tötungsabsicht hat der Betroffene natürlich das Recht sich zu verteidigen und ggf. ebenfalls straffrei den Täter zu erledigen.
Jeder Bürger muss somit stets mit dem Gedanken leben, dass ihn jederzeit irgend jemand umbringen wird. Dies wird unweigerlich zur Folge haben, dass die Menschen sich mehr Gedanken über den Umgang miteinander machen und sich möglichst wenig Feinde zu machen. Tötet jemand anderes erhöht er natürlich das Risiko, dass jemand anderes aus seinem Bekanntenkreis danach eine Tötung seinerseits anstrebt.
Durch die permanente Abschreckung sollte man mittelfristig weniger Gewalt gegeneinander erledigen oder dazu führen, dass stark polarisierende Gestalten langfristig verschwinden. Gleichzeitig werden Parlamente und der Staat überflüssig und es besteht die Chance einen rationalen Staat zu errichten bei dem jeder nach dem kategorischen Imperativ bereit ist zu leben.
Der Ansatz mag radikal wirken. Bei der Marktwirtschaft vertrauen wir allerdings ebenfalls auf eine dezentrale Entscheidungsfindung mehrerer Milliarden Menschen. Es wäre schade, wenn wir dies nicht auch für die Rechtsprechung insgesamt nutzbar machen könnten.
Big-Brother-Demokratie
Die bisherigen Ansätze sind zu radikal? Wie wäre es mit einem demokratischen Ansatz. Nach heutigen Vorbild wird eine repräsentatives Parlament afugestellt. Statt alle 4 Jahre jemanden zu wählen, der danach das Versprechen bricht, erfolgt die Auswahl der Mitglieder per Losentscheid. Alle Bürger ab 6 Jahre sind enthalten um einen möglichst guten Querschnitt der Gesellschaft zu erreichen.
Vom Kind bis zum senilen Greis, vom Akedemiker über wirren Verschwörungstheoretiker. Alle sollen die gleiche Chance haben im Parlament zu landen und dort Gesetze zu erlassen und demokratisch zu verabschieden. Alle Diskussionen werden live ins Fernsehen übertragen.
Um das Modell des gläsernen Politikers zu schaffen, wird jedes Mitglied permanent von einem Kamera-Team verfolgt. Egal, ob ins Schlafzimmer, Toilette oder sonst wo. Die Kamera ist stets dabei und verfolgt den Politiker auf Schritt und tritt. Lobbyismus ist erwünscht, da gut dokumentiert wird, wie es zu entsprechenden Entscheidungen gekommen ist.
Jeden Sonntag zwischen 18 und 20 Uhr sind die Bürger angehalten einen Kandidaten zu nominieren, der ihnen in der letzten Woche so richtig auf den Senkel gegangen ist. Während des Tagesthemen wird dann das Ergebnis verkündet und der Politiker mit den meisten Stimmen aus dem Parlament geschmissen. Die Nachbesetzung erfolgt sofort über ein Losverfahren.
Vorteil: Direkte Einflussnahme der Bürger, transparente Politik und man muss nicht 4 Jahre warten um sich von idiotischen Politikern zu entledigen. Der Austausch der Politiker folgt langsam, so dass es nicht zu extremen Tendenzen kommt. Mittelfristig sollte die Gesellschaft mehr Politiker bekommen, die sie mag.
Marktwirtschaftlicher Sklavenstaat
Jeder der regelmäßig in seinem Haushalt arbeitet, wird unweigerlich zum Ergebnis kommen, dass die Sklaverei zu schnell abgeschafft wurde. Eine solche weitreichende Entscheidung hätte gesellschaftlich besser diskutiert werden müssen. Zweifelsfrei war die Auswahl nach dem Recht des Stärken ein Fehler, rassistisch und absolut indiskutabel.
Alle Bürger werden mit einem virtuellen Konto ausgestattet auf dem ihr Geld absolut sicher und Inflationsfrei hinterlegt wird. Per Losverfahren wird darüber entschieden wer in der Gesellschaft Sklave wird. Die so ausgelosten werden auf einem virtuellen Sklavenmarkt zur Versteigerung angeboten und können erworben werden von jedem freien Bürger.
Das so erworbene Eigentum darf dann nach belieben eingesetzt werden um ihn im Haushalt oder der Arbeit einzusetzen. Um zu verhindern, dass die Sklaven nun unmenschlich behandelt werden, wird ein marktwirtschaftlicher demokratischer Ansatz gewählt. Nach 10 Monaten erfolgt eine Zwangsliquidierung des Eigentum und die Sklaven werden zurück an den Markt verkauft.
Wer mit seinem Eigentum nicht pfleglich umgegangen ist, muss mit empfindlichen Verlusten rechnen. Wer hingegen seine Sklaven neue Fähigkeiten beigebracht hat (z.B. durch Studium), kann diese zu besseren Preisen am Markt verkaufen und somit seinen Wohlstand steigern.
Am Ende des Zyklus werden alle Sklaven in ein Parlament berufen und erhalten für 2 Monate die Befehlsgewalt über neue Gesetz, die sie in dieser Zeit als kollektiv beschließen können. Jeder kann negative Erfahrungen einbringen und versuchen ein Regelwerk zu schaffen, dass langfristig das Sklavendasein für jeden zu verbessern.
Nach Ende der 2 Monaten, erfolgt erneut ein Losverfahren in dem bestimmt wird, wer wieder Sklave und wer freier Bürger ist. Wird jemand Sklave bleibt sein Eigentum abgesichert und wird eingefroren. Sobald er wieder freier Bürger wird, erhält er wieder Zugriff darauf. Auf diese Weise könnten wir einen Sklavenstaat etablieren, der zum einen wesentlich fairer ist und gleichzeitig einen Gerechtigkeitsausgleich. Durch die Liberalisierung des Sklavenmarktes hoffen wir, dass der große Kuchen größer wird.
Theokratie der Ungläubigen
Es wird ein Gottestaat ausgerufen mit einem fiktiven Gottkaiser. Alle anderen Religionen werden rigoros unterdrückt und verfolgt. Jeder Bürger kann neue Gesetze beim Gottkaiser einbringen. Nur wenn dieser seine Entscheidung verkündet wird ein neues Gesetz erlassen. Das es vermutlich nie eine Antwort gibt, wird die Gesellschaft langfristig transformiert in eine voller Gläubiger, die keine Ambition mehr haben die Gesellschaft ständig kaputt zu optimieren. Dies führt dazu, das der aktuelle Statusquo erhalten bleibt.
Dies ist keine gute Basis. Der Trend zeigt aber, dass die Qualität der Gesetze langfristig schlechter werden. Den aktuellen Stand zu erhalten und gleichzeitig alle Glaubenskriege der Welt los zu werden, könnte langfristig eine diskutabele Verbesserung sein.
Fazit
Es muss nicht immer gleich eine Monarchie sein. Als Menschheit haben wir was Staatsformen angeht einen effektiven Stillstand seid Tausenden von Jahren und wechseln nur zwischen verschiedenen Staatsformen, die nachweislich immer wieder gescheitert sind. Wir müssen diesem Kreislauf endlich entwachsen und einige neue mutige Wege gehen.
Mit diesen Vorschlägen wird eine Grundlage geschaffen. Ich habe dabei versucht für unterschiedliche Charakter von Bürgern optimale Möglichkeiten zu schaffen. Dank moderner Technologie könnten verschiedene dieser Systeme durchaus parallel nebeneinander installieren und jeder mit 18 muss dann wählen, in welchen Staat er dann leben will. Hm, streicht das Letzte. Dies ist ja schon heute so der Fall und funktioniert offenkundig nicht. ;)
Sarkasmus wurde extra gekennzeichnet. Wer das Augenzwinkern nicht versteht, dem kann man vermutlich sowieso nicht mehr helfen. Ich möchte unterstreichen, dass so mancher hier vorgestellter Ansatz nicht bekloppter ist als das, was wir bereits als Menschheit probiert haben. Das perfekte Utopia unterwirft sich halt bedingungslos dem kategorischen Imperativ. Bis das alle verstanden haben, werden wir aber noch mehrere Iterationen brauchen. ;)