Heute ist mir mal wieder danach ein eher schwieriges Thema anzusprechen. Mir ist einfach aus einer Laune heraus danach. Ganz offen und ehrlich, natürlich versuche ich damit auch etwas aus den letzten Tagen zu verarbeiten, was aber eben hier nichts zur Sache tut. Wenn ich von einem schwierigen Thema rede, meine ich das damit nicht im Sinne von Verständnis oder einer Thematik selbst, der nur die Schlausten von Euch folgen könnten. Im Gegenteil! Ich meine damit nur, dass ein eigentlich sehr einfacher Sachverhalt manchmal sehr schwer zu transportieren ist, damit bei Euch auch wirklich genau jene Information ankommt, die ich beabsichtige mit Euch auszutauschen.
Wir als Spezis Mensch haben nämlich ein ganz enormes Problem, dessen sich die meisten Vertreter überhaupt nicht bewusst sind. Und dabei meine ich noch nicht einmal direkt unseren besonderen Stolz mit dem wir uns als „Spitze der Evolution“ selbst sehen. Sondern vielmehr eine spezielle und besondere Fähigkeit, die wir uns im Laufe der Zeit eigen gemacht haben. Dabei sollte man niemals vergessen, dass es in diesem Universum niemals ein Geschenk gibt, ohne das es auch einen Preis dafür zu zahlen gibt. Leider sind sich die meisten von uns eben genau dieses Preises überhaupt nicht bewusst.
Kaum jemand von Euch wird anzweifeln, dass wir als Mensch eine durchaus eindrucksvolle Form der Kommunikation entwickelt haben, die so im Tierreich einmalig erscheint. Nur durch die Macht einiger Laute und Zeichen sind wir in der Lage selbst komplexe Sachverhalte von unserem Kopf zu jemand anderen zu transportieren. Niemand ist somit nur in seinem eigenen Geist gefangen, sondern kann sich mit anderen Individuen austauschen. Sei es um sich an deren Ideen zu berauschen oder eben diese aufzugreifen und in die eigene Gedankenwelt aufzunehmen.
Dabei vergessen wir leider all zu leicht, dass unsere menschliche Sprache weit weniger perfekt ist als es zunächst scheint. Das wir eben unter dem Fluch einer „verlustbehafteten Sprache“ leiden ohne das wir uns dessen meist bewusst sind. Egal wie sehr wir uns auch bemühen etwas aus unseren Köpfen 1:1 an jemand anderen weiterzugeben, wir werden auf diesem Kommunikationsweg stets einen Teil der eigentlichen Information verlieren.
Wenn ich Euch auffordere einen kurzen Moment Zeit zu nehmen und Euch einmal einen Tisch vor Eurem geistigen Auge vorzustellen, dann ist es sehr beeindruckend, dass ich mit so wenigen Worten einen durchaus komplexen Vorgang bei Euch habe auslösen können. Hurra! Wir sind als Menschen schon eine ganz tolle Familie! Bricht man an dieser Stelle den Gedanken ab, können wir uns allesamt an unserer eigenen Überlegenheit berrauschen und uns gegenseitig voller Stolz auf die Schulter klopfen. Tatsächlich tun wir dies tagtäglich und verlieren keinen Gedanken daran, dass dies in Wahrheit wesentlich komplexer ist und wie desolat die Situation eigentlich ist.
Habt ihr an einem Tisch gedacht? War es auch ein alter Camping Tisch, der schon ein wenig dreckig war und man den Zahn der Zeit daran erkannte? Oder war es ein rustikaler massiver Eichentisch, denn man irgendwo in einem nobel Herrenanwesen erkannt. Vielleicht ja auch nur den eigenen Esstisch oder vielleicht jenen im Wohnzimmer. Vielleicht auch nur einen der schnöden Designer-Tische, die man auf der Arbeit stehen hat, damit wenigstens etwas dort ein wenig zeitlose Professionalität ausstrahlt?
Vielleicht war es ja aber auch nur eine Ikea-Explosionszeichnung eines Tisches, die sich in das eigene Hirn auf Grund einer jüngst erlebten traumatischen Erfahrung gebrannt hat? Vielleicht war es ja auch kein eckiger Tisch, sondern ein runder Tisch? Vielleicht ja auch nur einer mit einem Sockel oder 3 Beinen?
Ist es nicht bezeichnend wie ein eigentlich so primitiver Begriff wie „Tisch“ in jedem unserer geister eine solch unterschiedliche Form annehmen kann. Obwohl wir vielleicht zunächst alle fleißig am Nicken waren, weil wir dachten, dass wir eigentlich alle über das Selbe reden? Eben einen ... Tisch?
Dabei haben wir es eben nur geschafft ein abstraktes Paradigma zu transportieren, eine Idee von etwas, während ein ganz großer Teil der eigentlichen Information auf dem Weg zum jeweiligen Gegenüber verloren ging? Jaja, ich weiß! Es ist ja auch in den meisten Fällen für einen gedanklichen Austausch gar nicht relevant, dass man eine Information vollständig austauscht. Manchmal reicht es ja auch schon aus eine gewisse Trefferquote zu erreichen um etwas zu verstehen.
Wer daheim mit einem dieser primitiven Lebensformen zusammenlebt, die nur in der Lage sind ein „Miau“ oder „Wuff“ von sich zu geben, kennt dies bereits zu genüge. Je nach Situation kann dies „Hunger“, „Langeweile“, „Kraul mich“ oder „Nerv nicht“ heißen. Nur ein Wort, für so viele Dinge. Trotzdem sind wir eben dank unseres intellektuellen Geistes in der Lage das eine genau vom anderen zu trennen. (Auch wenn man vermutlich außer Acht lässt, dass so mancher Vierbeiner regelmäßig die Augen nach oben dreht, weil der Zweibeiner mal wieder etwas ganz anderes macht als man gesagt hat!)
Tatsächlich reicht es normalerweise in unserem alltäglichen Leben absolut aus, wenn ein Teil der Information auf Nimmerwiedersehe im Orkus des Vergessens gerät und wir uns nur einbilden, dass die erhaltenden Fragmente bereits eine erfolgreiche Kommunikation darstellen. Doch wenn es bereits bei solch simplen Dingen fehlschlägt, wie sieht es wohl erst dann aus, wenn wir Versuchen komplexere Dinge wie „Emotionen“ zu übertragen?
Müssten wir nicht dort noch schneller an offensichtliche Grenzen unserer Kommunikation stoßen? Uns ständig missverstanden und ignoriert fühlen? Nur wenn wir uns wirklich darauf einlassen und nicht versuchen die fehlende Information mit einem ganzen Sack an Erfahrungen, Vorurteilen und sonstigen Erwartungen zu interpolieren. Solange eben bis wir am Ende in unserem Geist eine Information haben, die nicht notwendigerweise richtig, aber zumindest plausibel erscheint.
Dann können wir uns wieder glucksend hinsetzen und dank unserer überragenden Gehirnen, die fehlerhafte Informationsverarbeitung kompensieren. Schaffen wir es dann noch uns gegenseitig einzureden, dass wir ja stets schaffen genau das zu sagen, was wir wollen, dann steht dem eigenen Stolz ja nichts mehr im Wege.
Während dies bei guten freunden vielleicht hier und da auch noch klappen mag, so laufen wir gerade bei eher fremden Menschen regelmäßig an den Rande der Belastbarkeit. Es gibt einfach zuviele Unsicherheit, die wir überbrücken müssen, damit die eigentliche Information auch transportiert werden kann. Ist uns jemand fremd, kann auch leicht eine harmlose Information zu schweren Missverständnissen führen. Ja, mich wundert es eigentlich nicht, dass unsere Spezis so oft Konflikte und Kriege miteinander führt. Das ist eben ein Problem von verlustbehafteten Sprachen.
Wenn wir jedes Wort – egal ob gesprochen oder geschrieben – auf eine Goldwaage lege und behaupten, dass dessen Schöpfer stets exakt das sagen wollte, was er niederschrieb und uns selbst lang genug einreden, dass wir in der Lage sind jedes Wort genauso zu verstehen, wie es gemeint war... ja, dann schaffen wir damit den Stoff aus dem Konflikte entstehen. Denn jeder Angriffspunkt wird soweit möglich ausgereizt und provoziert bis es selbst einen eher ruhigen Zeitgenossen zur Weisglut treibt. Nur um am Ende mit einem dümmlichen Gesicht zu Beweisen, dass die eigenen primitiven Vorurteile eben doch die Richtigen gewesen sind.
Kein Wunder also, dass sich viele Menschen in der heutigen Zeit nicht mehr richtig verstanden fühlen. Das es so viele Leute gibt, die sich danach sehnen, dass es jemanden gibt, der sie „vernünftig“ versteht. Ja, seid ehrlich! Jeder von uns hat schon einmal eine Situation gehabt in der man völlig überfahren gewesen ist, weil das Gegenüber etwas von einem wollte, was so abstruse um soviele Ecken gedacht war, dass man es nie hätte erahnen könne. Und einem trotzdem steif und fest vorgeworfen wird, dass man es ja hätte sehen können, wenn man nur aufmerksam sein würde.
Wenn das frustrierte Gegenüber sich nicht erkannt fühlt und im Kopf ein anderes Paradigma folgte als man selbst. Wenn die eigenen Gedanken nicht in der Form erkannt wurden, wie sie im eigenen Kopf gefangen waren. Eigentlich sollte man in so einem Fall einfach ein wenig still seufzen und sich bewusst machen, dass wir mit dem Fluch einer verlustbehafteten Sprache gestraft sind, die es uns erlaubt immer mehr zu sagen und uns immer weniger zu verstehen.
Statt dessen brechen wir meist darüber aber einen Streit vom Zaun und tun so als wäre ja alles absolut eindeutig und es somit unumfänglich die Schuld des Gegenübers, wenn eine Sache nicht vernünftig kommunziert werden konnte. Und trotz unserer angeblich so gelobten Genialität wie ein paar Primaten mit einem lauten Gebrüll darüber echauffieren und so insgeheim unser sprachliches Niveau solange herabsenken bis am Ende wieder eine gemeinsam verständliche Sprache gefunden wird.
In solchen Momenten wünsche ich mir ein einfaches Tier ohne Sprache zu sein. Das nichts vernünftig sagen kann und keine hoch akademischen Reden halten kann. Nicht über das Sein oder irgendwelche Konzepte und Modelle reden kann, sondern einfach nur ein wenig schnurren zu können und durch die Zeit, die man mit jemanden verbringt zu zeigen: Ich fühle mich wohl, ich will hier bleiben.
Immer dann, wenn wir beginnen jemanden zu beschuldigen etwas nicht zu verstehen oder etwas nicht verstehen zu wollen, sollten wir vielleicht einfach einmal einen Schritt nach hinten machen und uns in Erinnerung rufen, dass die Konzepte in unseren Köpfen ganz anders seien könnten und nur darüber reden stets zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Wir vielleicht mit als nur eine einfache Iteration benötigen, um wirklich festzustellen, dass wir das gesagte wirklich sinnvoll übermittelt haben.
Oder uns wenigstens einfach einmal einzugestehen, dass wir nicht notwendigerweise mehr wissen, nur weil wir mehr Worte haben. Sondern uns nur einem Labyrinth an Phrasen und Metaphern hingegeben von denen wir uns nur all zu gerne einlullen lassen um uns gegenüber dem Rest der Welt überlegen zu halten. Gegenüber anderen Menschen, Tieren und erst recht ... anderen Ideen.
Erst wenn man dies akzeptiert und versteht, kann man erkennen, wie primitiv man am Ende eigentlich selbst ist und auch denkt, nur um als Mensch sich hinter einem zumeist übergroßen fiktivem Ego zu verstecken. Und da unsere Köpfe zumeist eben doch nichts anderes sind als ein sehr effektiven Gefängnis aus denen nur sehr wenige Dinge entkommen können.