*diese Reihe ist nicht finanzwissenschaftlich, sondern inter- und trans-disziplinär und soll niemanden kritisieren außer unseren Denkapparat. Harte negative, fakten-basierte Kritik am Inhalt ist hier sehr willkommen!
Warum wir ohne Prüfen naturgemäß falsch liegen
Wenn ihr in einem Prospekt ein Angebot seht:
>>Der Schläger ist einen Euro teurer als der Ball. Wie teuer ist dann der Ball?...<< falls du es noch nicht weist, sag was dir einfällt.
Wir Menschen haben System I Denken = schnelles Denken, bei dem wir unsere Aussagen nicht logisch oder mathematisch prüfen. Wir verlassen uns auf unseren gesunden Menschenverstand, der ab Werk übrigens mit weit über 100 bekannten kognitiven Verzerrungen daher kommt... https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_cognitive_biases
[By Brian Morrissette - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65981083]
und wir haben System 2 = das langsame Denken welches logischer operiert und weniger spontan ist. Es sind 5 Cent. Nun wenn selbst so einfache Dinge nichts für unseren Verstand sind, sind die meisten Antworten/Entscheidungen zu komplexen Sachverhalten die jemand offensichtlich ohne logische oder mathematische Prüfung (weil er dies vielleicht auch nicht gelernt hat oder dank Schule verstört wurde, so wie ich) trifft, sehr wahrscheinlich keine guten! Sie können per Zufall richtig erscheinen und die Entscheidung wird dann im Nachhinein (ex post) für "gut" befunden (eine der vielen kognitiven Verzerrungen). Klar wir können es einfach drauf ankommen lassen und eine neue GMO-Art einführen. Geht es per Zufall gut aus, heißt das jedoch nicht, dass unsere Entscheidung gut war! Menschen tendieren jedoch dazu ihre Fähigkeiten maßlos zu überschätzen
und wenn es gut geht (wie letztes Jahr im Kryptomarkt) führt das zu gefährlichem Verhalten.
[Kahneman und Tversky 1974 Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases https://web.archive.org/web/20120318172022/http://psiexp.ss.uci.edu/research/teaching/Tversky_Kahneman_1974.pdf]
[Kahneman und Tversky 1979 Prospect Theory https://www.princeton.edu/~kahneman/docs/Publications/prospect_theory.pdf]
Time Probability vs. Ensemble Probability - Einführung des Wolfes vs. GMO
wenn wir alle nen Tausender in die Hand bekommen und diesen Verzocken dürfen, dann werden einige gewinnen andere verlieren und je nach dem wie viele nach einem Durchgang überbleiben, können wir auf die Fairnes des Spiels schließen, wenn niemand übrig ist und das Sample ausreichend groß war, wars wohl kein faires Spiel (so wie "Investment"). Bei einer "Chance" von 50:50 wären von 100 Spielern 50 Gewinner.
Wenn wir nun aber alles zusammenlegen und eine Person entscheidet bzw. Lebewesen in einem Ökosystem oder auch andere Systeme in einem Globalensystem zusammenhängen, dann geht die Person die uns repräsentiert (oder das Ökosystem, das einen neuen globalen Eingriff bekommt) einmal ins Casino, vielleicht ein zweites mal, vielleicht 100 mal aber mit 100% Sicherheit kommt das Ausscheiden, was man mathematisch und auch umgangssprachlich Ruin nennt.
Wenn durch Handynutzung am Steuer, Millionen von Menschen sterben, sterben sie nur einzeln (oder in begrenzten Gruppen) und das Ausscheiden des einen hat keinen Effekt auf den anderen. So kann der Wolf, selbst wenn er Menschen angreift, nicht zum Aussterben der Menschheit führen. Es gibt keine Interdependenz. (beim Wolf wird aber rumgejammert)
Eine GMO-Art die ohne Erfahrungswerte in ein komplexes System im Globalen Maßstab integriert wird, kann jedoch zum Aussterben einer anderen Art führen. Hier liegt keine Ensemble Probabilität vor, sondern eine Zeitreihen/Time Probabilität wo der Ruin nach ausreichend langer Zeit zu 100% sicher ist.
[Taleb et al. 2014]
[Gell-Mann und Peters 2014. Evaluating gambles using dynamics https://www.researchgate.net/publication/262071148_Evaluating_gambles_using_dynamics]
[Taleb et al. 2014 The Precautionary Principle (with Application to the Genetic Modification of Organisms)https://arxiv.org/pdf/1410.5787.pdf]
[Bettis et al. 2016 http://www.lse.ac.uk/GranthamInstitute/wp-content/uploads/2015/11/Working-Paper-217-Bettis-et-al-2016.pdf]
"Es geht die meiste Zeit gut" eine prima Rechtfertigung
Es liegt in der Natur der Sache dass es die meiste Zeit gut geht. Sonst wäre unser Alltag von Katastrophen dominiert und eine Katastrophe wäre somit kein Extremereignis :) Anders als biologische Eigenschaften wie Körpergröße wo die meisten 1,70m sind, viele auch 1,60 oder 1,80, einige 1,55 oder 1,85, manche 1,50 oder 190, wenige 140 oder 2m gibt es bei Extrem Ereignissen, sogenante Fat tails(blau) (der dicke Ausläufer der Kurve der noch weit raus geht)
Ich denke wir sind uns einig dass jemand ausgewachsenes mit 4 oder 6m Körpergröße niemals vorkommt, jemand mit 2,80 ist schon ein einmal alle 200 Jahre Event, jeder Millimeter macht es um ein vielfaches unwahrscheinlicher bis man recht schnell in den Bereich des praktisch unmöglichen kommt. Mathematisch ist ein 30m Riese nicht = 0 also nicht unmöglich aber praktisch halt doch...die Verteilung ist gausian und thin tailed (rot)
In der Praxis sind Katastrophen mit 3,4,5 Sigma jedoch einmal alle 10 Jahre zu beobachten (selbst sogenannte Jahrhundert Hochwasser bei uns an der Elbe :D) Börsencrashes, die Hyperinflation der Mark auf viele Milliarden pro Dollar, so dass man sich mit ner Milliarde nicht mal mehr den Hintern wischt.
"100m Riesen" kommen hier also vor, sind nicht alltäglich aber kommen vor!
Sigma?
*danke an den Hinweis von User @Sco
Für Ereignisse weg von der Mitte der Verteilung, also dem "nicht-altäglichen", gibts verschiedene Größen, eine davon ist Sigma. Je höher das Sigma, desto weniger alltäglich das Ereignis. Die Anwesenheit hoher Sigma-Ereignisse bedeuten hohe Volatilität. Ein Erdbeben ist ein "high-Sigma-Event", ein Börsencrash, eine Hyperinflation, ein Autounfall aber auch ein Influencer jemand der 60 Millionen Abonnenten hat oder Bill Gates, jemand unwahrscheinliches, ein 100m Riese...
Kleine Abweichungen können viele Systeme gut verkraften, große Abweichungen = Schocks oder Katastrophen (können auch mathematische Begriffe sein) , können ein System, wie euer Portfolio oder uns als Lebewesen oder ein Ökosystem vernichten...aber dazu im nächsten Artikel
sei einfach kein Truthahn
Sich auf ein ungenügendes Sample bzw. Unsicherheit zu verlassen (logischer Widerspruch) und munter zu extrapolieren ("Wird schon gut gehn, weils schon öfter gut ging" nennt man in der Verhaltensökonomy Truthahn-Illusion/ Turkey Fallacy bzw. wissenschaftlicher "die Illusion von Sicherheit". Der Truthahn bekommt jeden Tag sein Futter und geht davon aus, dass es ewig so weiter geht, bis einige Wochen später Thanksgiving kommt (nicht im Erfahrungsschatz/Sample des genährten Vogels enthalten ;) ).
[Gigerenzer 2004 Mindless Statistics http://library.mpib-berlin.mpg.de/ft/gg/GG_Mindless_2004.pdf]
Risiko ist nicht Unsicherheit, scheiß mal auf was?
da draußen existieren keine Verteilungen, es sind nur Wahrscheinlichkeitstheoretische Modelle (Probabilistik). Mit der Statistik schaun wir wie es sich scheinbar verhält. Aber wenn mit CRISPR-GEN Editing, Menschen mit Pottwal-Genen erzeugt werden, erkennt man das Verteilungen kein festgeschriebenes Gesetz sind, sondern das CRISPR-Ereignis in unserem Sample, welches wir seit Lucy haben, einfach nur nicht eingepreist war. (Da es in der Zukunft lag und die Zukungt "unknowable" ist). Normalisiert man also ein Verteilung und schneidet Extrem Events als "Outlayer" raus, dann ist das Modell logischerweise nicht mehr geeignet um die Unsicherheit einzuschätzen die von den meisten fälschlicherweise als "Risiko" bezeichnet wird.
[Mandelbrot 1997 Discontinuity, Concentration, Risk http://users.math.yale.edu/~bbm3/web_pdfs/threeFractalModels.pdf]
[Mandelbrot 1963 THE VARIATION OF CERTAIN SPECULATIVE PRICES
http://www.rybn.org/ANTI/ADMXI/documentation/ADMXI/III._FINANCE/1963/1963%20The%20Variation%20of%20Certain%20Speculative%20Prices.pdf]
Fazit
Statistik und Risiko kommt aus dem Bereich des Glückspiels wo die Verteilung der Ereignisse bekannt ist. Wirft man eine Münze kommt Kopf oder Zahl aber niemals Bein oder abgehacktes...ok lassen wir das. Es gibt dort einfach keine 20 Sigma Hyperinflation außer sie ist im Sample enthalten. Aber selbst wenn ein Jahrhundert Ereignis mit modelliert wird, können sich die Bedingungen ändern und wir hier im Bereich der Elbe sehen 3 >>Jahrhundert<<fluten in 20 Jahren.... Wenns Lokal bleibt, no Problemo die Magdeburger sagen sicher "wir sind ersetzbar" aber wenn es global wird oder im Investmentbereich das Gesamtportfolio/ Kapital gefährdet, (was für uns Ruin bedeutet aber vor allem auch zu einer nie dagewesenen Finanzkriese und der Zerstörung von Millionen von Existenzen führen kann *und dann gehts auch Anti-materialistischen Hippies in ihren warmen technologisierten Wohnungen an den Kragen), dann sollte man auf passen.
>>Somit sollte man nichts zu komplexen Sachverhalten sagen (und dabei falsche Sicherheit ausstrahlen), was man nicht mit System 2 Denken durchkalkuliert hat, nicht wenn einen schon ein Sonderangebot überfordert ;) insbesondere für Investmententscheidungen nicht<<