Worüber denkst du nach?
Ist der Tag angefüllt und alles dient einem Zweck? Wer so den Tag verbringt, für den verfliegt die Zeit schnell. Wie ewig ist dagegen die Zeit in einem Kerker?
Wir unterhalten uns über die Mitte, wo es für jeden am angenehmsten ist und wenn wir Raum und Zeit teilen. Wer an diesem Prozess teilnimmt, formt den Zeitgeist mit und verschwimmt nicht nur mit dem Äther. Jeder und jede Einzelne und wir alle im Gefüge bilden ein Komplex sich ergänzender und widerstreitender Kräfte. Man kann sich treiben lassen, darf sich hinterher jedoch nicht beschweren.
Wir blicken zurück
Wer nicht begreift, wie groß dieser Planet ist und wie viel größer das Nichts drumherum, den sollte vielleicht trotzdem interessieren, wie viele Generationen der Mensch bereits hinter sich hat, also Vater/Mutter, Großvater, Großmutter, Urgroßvater und vielleicht noch Ur-Urgroßmutter. Viel weiter kann kaum jemand von uns schauen.
Seit 170 Generationen gibt der Mensch Wissen durch Schrift weiter. Das ist eine überraschend überschaubare Zahl: 30 Jahre pro Generation mal 170 Generationen = ungefähr 5000 Jahre bis zur ersten Keilschrift. Was wurde seitdem immer wieder gesagt? Welche Lebensstrategien wurden erprobt und sind heute noch erfolgreich oder werden vielleicht bald überholt?
Die Notwendigkeit der Philosophie
Was ist also der Mensch? Wie soll er sich selbst sehen, dass es richtig ist für ihn und andere? Die Beantwortung dieser Frage kann man anderen überlassen, darf sich hinterher jedoch nicht beschweren. Dadurch nämlich schon, dass ich mich mit der Frage des Seins befasse, ändere ich bereits aktiv, wie ich auf die Realität reagiere. Wenn ich mich mit den Dingen anderer befasse, reagiere ich möglicherweise so, dass es anderen nützt.
Die Notwendigkeit des Ich-Strebens
Wie kann ich wissen, was jemand anderes will, wenn dieser es nicht einmal selbst weiß? Die Selbstkenntnis ist Grundvoraussetzung für ein gesundes Miteinander. Man sollte sich dafür extra Zeit nehmen. Unsere Vorfahren konnten kaum etwas anderes tun, als nachzudenken. Es gab keine Smartphones, keine Videos oder sonstige Unterhaltung. Wenn die Musikertruppe durch das Dorf kam und 'die Jugend verdorben hatte', war wieder Stille, unterbrochen nur durch die Geräusche der Natur, ein Hämmern oder Klopfen. Dazwischen viel Zeit zum Nachdenken. Wie viele einzigartige Gedanken hat man an einem Tag? Wie oft hatte man schon genau denselben Gedanken? Welche Gedanken sind kaum hörbar oder haben kein Wort, aber sind deutlich in einem Gefühl?
Egoismus ist verpönt, ist es doch aber die eigene Position, der individuelle Standpunkt, der uns alle voneinander unterscheidet. Zuerst muss ich nicht nur wollen, sondern auch wissen was und das möglichst ganz genau. Das heißt, in erster Linie muss ich eine egoistische Position vertreten, bis ich zu dem Schluss komme, dass es eine gerechte Verteilung gibt. Bis dahin aber ist "die altruistische Empfehlung" ein Werkzeug, um zur Verbesserung des Gemeinsinns notwendige Änderungen zu erschweren. Das bedeutet, die Opferbereitschaft einzelner für die Gemeinschaft kann in einen beliebigen Zweck umgeleitet werden. "Du bist verloren, wenn du den Befehlen eines Narren gehorchst!", lautet da der gutgemeinte Rat.
Keine Alternative
Es führt also kein Weg an der Selbsterkenntnis vorbei. Jeder muss sich damit auseinandersetzen, sonst setzen andere die eigenen, unbekannten Motive für die eigenen Zwecke ein. Es gilt zwar, dass es "mehr braucht, um heute mit einem Menschen zurechtzukommen, als früher mit einem ganzen Volke", aber der Mensch wird immer wieder Opfer seiner eigenen Müßigkeit sein. So in Öl eingelegt, löst das geringste Kratzen sofort Unmut aus - egal, was das Thema ist - und man tut alles, um dem Unbehagen schnell zu entgehen.
Die Gegner greifen an, denn der Westen ist schwach. Und das liegt an der politischen Labilität der Bürger. Leicht lassen sie sich von schnellen Lösungen verführen, weil sie unfähig sind, selbstständig gemeinnützige Ziele zu verfolgen. Man mag uns am liebsten als Kühe, die man nur von Weide zu Weide zu treiben braucht. Dass man (im Westen) einfach rausspazieren kann und was anderes denken und tun, interessiert fast schon nicht mehr, weil von jedem Futter reichlich da ist. Man schaut auf den Pappwolf, den der König aufgestellt hat und geht dann eben dort drüben hin. Ist doch alles gut, oder?