Schließlich waren es die westlichen Länder, die über die Ressourcen und die Netzwerke verfügten, die der globalen Nachrichtenbeschaffung ihren hohen Stellenwert einräumten, zumindest damals. Das bedeutete, dass Unternehmen wie CNN und BBC von ihrer kulturellen Warte aus bestimmen konnten, was berichtenswert war und was nicht.
Bis dahin verfügten die asiatischen und viele nicht-westliche Länder weder über vergleichbare finanzielle Mittel, noch hatten wir die Möglichkeit, unsere Gedanken in den Fokus zu rücken. Es hatte keinen Grund gegeben, eine globale Bühne zu suchen. Nun aber mussten wir das. Ich war der Ansicht, dass wir unsere Botschaft entsprechend differenzierter formulieren und unser Weltbild erweitern müssten.
Als wir das CNN-Büro in Jakarta eröffneten, gab es in Indonesien fünf Fernsehsender, von denen die meisten in Verbindung mit dem langjährigen Diktator Suharto standen. Die relativ unterentwickelte – sprich: gering qualifizierte – kommerzielle Fernsehindustrie war eines meiner Hauptargumente, als ich mich dafür aussprach, das Manila-Team nach Indonesien zu verlegen – was wir 1995 auch taten.
Wir feierten unseren Einstand im Shangri-La Jakarta. Unter den Gästen war einer der größten Stars von CNN: Peter Arnett, der während des Golfkriegs 1991 zu einem der bekanntesten Gesichter im Fernsehen geworden war. Im Jahr 1966 hatte er für seine Arbeit für Associated Press während des Vietnamkriegs von 1962 bis 1965 den Pulitzer-Preis für internationale Berichterstattung verliehen bekommen. Bevor er nach Vietnam versetzt worden war, hatte er aus Jakarta berichtet – bis man ihn dort hinausgeworfen hatte.
Ich lud Peter zum Mittagessen in mein indonesisches Lieblingsrestaurant ein und löcherte ihn mit Fragen. Mit seinen einundsechzig Jahren war er fast doppelt so alt wie ich. Ich erläuterte, welche Rolle ich dem Journalismus auf den Philippinen und in den Ländern, aus denen ich berichtete, beimaß.
»Sie müssen wissen und verstehen, welche Rolle der Journalismus in unserer Demokratie spielt«, sagte er, »dass die Arbeit so wichtig ist, dass Sie alles riskieren, um die Story zu bekommen.«
Während des Golfkriegs war CNN der einzige Sender, der über eine sogenannte Vier-Draht-Leitung verfügte – zwei direkte Telefonleitungspaare (ein Paar in jede Richtung), die über den irakischen Wüstenboden verliefen und mit einer Richtfunkanlage in Amman, Jordanien, verbunden waren. Diese schickte die Telefonsignale per Satellit direkt an die CNN-Zentrale in Atlanta und ermöglichte es gleichzeitig den Produzenten, mit denjenigen in Bagdad zu sprechen, die dort live auf Sendung waren. Die Augen der Welt waren auf CNN und insbesondere auf Peter gerichtet.
Das bedeutete auch, dass er von der heftigen Kritik seitens der US-Regierung und des Militärs am stärksten betroffen war. Diese begann, als Peter über zivile Opfer in einer Fabrik für Babymilch berichtete, die ihm von den Irakern genannt worden war. Um sicherzustellen, dass die Zuschauer die Einschränkungen der Berichterstattung verstünden, erklärte CNN damals ausdrücklich, dass Peter seine Berichte während »geführter Touren« mit der irakischen Regierung erstellt habe und sie »von irakischen Zensoren genehmigt« worden seien.
Das hielt den damaligen Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff, General Colin Powell, nicht von der Behauptung ab, die »Babymilchfabrik« sei eine Fassade für ein geheimes Labor, das biologische Stoffe wie Toxine, Bakterien und Viren für den Einsatz als Massenvernichtungswaffen herstelle. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, bezeichnete Peter als »Verbindungsmann für irakische Desinformation«.
Machthaber versuchen seit jeher, die Berichterstattung zu kontrollieren, insbesondere in Kriegszeiten. Das war vor der Zeit der sozialen Medien nicht anders. Peter machte später Fehler (unter anderem »warf er sein Team den Wölfen zum Fraß vor«, so ein Insider), doch die Lektion, die er mir an jenem Tag mit auf den Weg gab, lautete, dass man die Macht immer zur Rechenschaft ziehen muss, auch wenn man dadurch Gefahr läuft, seine Karriere zu ruinieren. Dranbleiben, das ist die Pflicht der Journalisten.
Gleichzeitig änderte sich die Art und Weise, wie Journalisten Informationen sammelten und darüber berichteten. Das lag an der Technik: Als ich 1988 das Büro in Manila eröffnete, dauerte es zwei Wochen, um ein Band nach Atlanta zu schicken. Als wir 1989 ein Büro in Hongkong eröffneten, wurde es über Nacht zugestellt. Dann bekam ich ein großes, sperriges Mobiltelefon, das so schwer war wie ein Koffer. Ich musste es mir über die Schulter hängen, und wenn ich rannte, fiel es oft auf den Boden.
Als wir Mitte der 1990er nach Jakarta umzogen, wurden wir zu einem CNN-Testzentrum für eine andere neue Technologie: Satellitentelefone der ersten Generation, die es uns ermöglichten, eine Verbindung nach Atlanta herzustellen, um Sprachbeiträge auf Sendung zu bringen. Außerdem erhielten wir eine große weiße Toko-Box, die Bildmaterial komprimierte und über eine ISDN-Telefonleitung (terrestrische Daten) an eine andere Toko-Box im Studio übertrug. Bei einer Reportage verbrachte ich Stunden damit, das Video in schlechter Qualität zu übertragen, und brauchte dann noch länger, bis die Tonübertragung abgeschlossen war.
Das waren die frühen Jahre von »live per Videotelefon«. Es machte Spaß, war relativ einfach und billig.