Bisher beschränkte sich mein physisch gehaltenes Gold auf die Leiterbahnen der alten Platinen im Schrank. Allerdings habe ich die letzten Tage über meine erste Feinunze per Wertlieferung erhalten und werde diese nun physisch einlagern. Übrigens für alle Interessierten: Nicht daheim und auch nicht in der Bank.
Bereits Anfang des Jahres habe ich ja bereits verkündet, dass ich neuerdings auch per Sparplan in Gold reingehe. Dies ist bestimmt für den einen oder anderen bereits eine Überraschung gewesen, da ich im Gegensatz zu den meisten hier auf Steem mich nicht gerade zu den Goldbugs zählen würde. Ganz im Gegenteil! Aus meiner Sicht handelt es sich eben um ein totes Stück Metal, dass irgendwo im Safe vor sich hin „oxidiert“ und ansonsten eigentlich eher totales Kapital ist.
Ich bevorzuge meine Geldanlage eben lieber in Wertpapiere oder andere Wertanlagen, die dazu führen, dass das Geld in der Zwischenzeit für mich arbeitet. Die Statistik gibt mir recht. Wertpapiere gehören zu den profitabelsten Anlagen, die man im Laufe der Zeit so besitzen kann. Gold arbeitet nicht im Safe für einen. Es wirft weder Dividende, noch Zinsen ab und die einzige Möglichkeit daran zu partizipieren ist über Kursgewinne. Blickt man dann allerdings auf die Kosten und den Spread, muss sich da eine ganze Menge bewegen bevor es dann wirklich profitabel wird.
Bittet mich jemand einen Blick auf seine Finanzen zu werfen oder fragt ganz konkret nach Gold, so ist meine Antwort üblicherweise recht eindeutig: Lass die Finger davon! Umso mehr mag es überraschen, dass ich nun plötzlich selbst Gold erwerbe.
Der einzige echte Nutzen für Gold ist aus meiner Sicht eine Wertspeicherung für den Fall, dass etwas in unserem Wirtschaftssystem ganz mächtig aus den Fugen gerät. Der Euro zusammenbricht oder eben eine langanhaltende Rezession in der Wirtschaft wütet. Dabei möchte ich ganz klar sagen, dass ich mich definitiv zu den Marktoptimisten zähle, die langfristig an eine funktionierende und sich adaptierende Wirtschaft glaubt.
Aber wie auch bereits in anderen Artikeln beschrieben, plane ich stets auch mein eigenes Scheitern ein und wette immer auch ein wenig gegen meine Intuition. Gerade mit Blick auf die Finanzpolitik der letzten Jahre, bereitet sie mir einiges an Unbehagen. Das fröhliche Spiel mit der Inflation bei gleichzeitigen Investitionsstopp innerhalb der Wirtschaft ist ein eher ungünstiges Szenario und man wäre ein Narr zu denken, dass dies aus Ewig so weiter geht ohne gleichzeitig das Vertrauen in eine Währung zu erschüttern.
Ich sehe allerdings eine vollkommen handlungsunfähige Politik auf der einen Seite und eine völlig idokratische Regierung jenseits des Meeres, die fröhlich so tun als wäre dies das normalste der Welt. Da bekomme ich schon ein wenig Bauchschmerzen dabei und eben das Verlangen mich ein wenig dagegen zu versichern.
Somit bleibe ich meinem Ideal durchaus treu. Wer kein Geld hat, braucht sich auch nicht abzusichern. Wer allerdings bereits ein wenig Vermögen erworben hat, sollte sich vielleicht doch ein wenig absichern. In meinem Fall ist das Ziel langfristig mein Portfolio mit 5% physischen Gold abzusichern. Für einen echten Goldbug eine eher homöopathische Dosis, die er sicherlich in Form von Blattgold in der Geschenkpapierecke hält.
Aber eben genau dies soll es für mich sein. Eine Versicherung und keinerlei Absicht damit überhaupt Geld zu verdienen. Dabei gehöre ich keineswegs zu den Träumern, die den Untergang der Welt vorstellen, wie sie mit ihren Goldbaren zum nächsten Supermarkt fahren um sich dort weiter zu versorgen.
Das Gold ist nicht für die Krise gedacht, sondern um die Werte durch eine Krise zu kriegen und danach ggf. einen Neuanfang starten zu können. Sollte diese Ausbleiben, so habe ich mich wenigstens durch eine ausufernde Inflation einer pervertierten Zinspolitik abgesichert.
Kein anderes handelbares Gut, erfüllt diesen Zweck dabei so gut wie Gold. Unternehmen werden vermutlich auch solche Ereignisse überleben, können aber eben auch in Mitleidenschaft gezogen werden. Cryptos sind gerade wenn man auf der Flucht wäre eine wesentlich bessere Option als Gold, erfüllen aber leider ihren Zweck des Werterhaltes eher mäßig zuverlässig. Die einzige noch tragbare Alternative wäre wohl der Whisky-Schrank mit dem man sicherlich auch eine gute Absicherung fahren kann, allerdings wohl ein nicht unerhebliches Risiko birgt, dass man sich irgendwann doch daran versündigt. Dies ist bei Gold eben auch eher nicht gegeben.
Ja, die Goldbugs werden mir wiedersprechen und sagen, dass Gold die beste Anlage überhaupt sei. Ich denke aber weiterhin, dass es nur eine Versicherung ist und auch nur für jene, die bereits ein wenig Vermögen haben. Wer keines hat, sollte sich mehr damit befassen dieses aufzubauen und nicht es zu erhalten. Am Ende sollte allerdings immer eine gesunde Diversifikation gehören und ab heute habe ich ein weiteres Standbein im Portfolio.