Das von der Schweizer Regierung geplante Geldspiel- und Zensurgesetz macht für den vorgeheuchtelten Zweck absolut keinen Sinn. Wo es seine eigentliche schädliche Wirkung entfacht, ist als Zensurhebel für unbequeme Informationen. Selbst Glücksspieler, die Computer-Laien sind, können in wenigen Minuten die Sperre (noch) umgehen. Das Vorhaben ist ein weiterer Schritt in Richtung Informations-Totalkontrolle.
Da wundert man sich natürlich in der letzten Demokratie der Welt, wer für so etwas einstehen kann. Ich war zu Besuch bei der Webseite von geldspielgesetz-ja.ch, wo die Strippenzieher, äh das Komitee aufgelistet wird. Neben den üblichen Verdächtigen, wundert die Zusammensetzung der Zensur-Unterstützer dennoch.
Registriert ist die Webseite auf "GOAL AG für Werbung und Public Relations". Angeblich sei diese Firma eine PR-Agentur für rechtspopulistische Parteien in Europa. Bei einer Aufschlüsselung der Parteizugehörigkeit des Präsidiums des Komitees und deren Mitglieder sind zwar Mitglieder der SVP vertreten, jedoch gesamthaft nur zu einem Viertel. Am stärksten gestemmt wird der Angriff auf die Informationsfreiheit durch die "freiheitlich-liberale" FDP, wo jeder Dritte Unterstützer zugehörig ist:
- Fabio Abate (FDP) - Ständerat (Präs.)
- Philippe Bauer (FDP) - Nationalrat (Präs.)
- Damian Müller (FDP) - Ständerat (Präs.)
- Andrea Bettiga (FDP) - Regierungsrat
- Frédéric Borloz (FDP) - Nationalrat
- Maya Büchi-Kaiser (FDP) - Frau Landammann
- Raphaël Comte (FDP) - Ständerat
- Josef Dittli (FDP) - Ständerat
- Joachim Eder (FDP) - Ständerat
- Corina Eichenberger-Walther (FDP) - Nationalrätin
- Frédéric Favre (FDP) - Regierungsrat
- Olivier Feller (FDP) - Nationalrat
- Kurt Fluri (FDP) - Nationalrat
- Olivier Français (FDP) - Ständerat
- Benoît Genecand (FDP) - Nationalrat
- Jacques Gerber (FDP) - Regierungsrat
- Thomas Hefti (FDP) - Ständerat
- Hugues Hiltpold (FDP) - Nationalrat
- Matthias S. Jauslin (FDP) - Nationalrat
- Hans-Jürg Käser (FDP) - Regierungsrat
- Philippe Leuba (FDP) - Regierungsrat
- Francois Longchamp (FDP) - Präsident des Regierungsrats
- Christa Markwalder (FDP, ja kein Druckfehler!) - Nationalrätin
- Isabelle Moret (FDP) - Nationalrätin
- Walter Müller (FDP) - Nationalrat
- Marie-Claude Paillard (FDP) - Lobbyistin (!)
- Bruno Pezzatti (FDP) - Nationalrat
- Maurice Ropraz (FDP) - Regierungsrat
- Peter Schilliger (FDP) - Nationalrat
- Martin Schmid (FDP) - Ständerat
- Paul Signer (FDP) - Landammann
- Albert Vitali (FDP) - Nationalrat
- Laurent Wehrli (FDP) - Nationalrat
- Hans Wicki (FDP) - Ständerat
Nachfolgend die Liste der Unterstützer aus der SVP:
- Céline Amaudruz (SVP) - Nationalrätin (Präs.)
- Adrian Amstutz (SVP) - Nationalrat (Präs.)
- Ernst Stocker (SVP) - Regierungsrat (Präs.)
- Jean-Luc Addor (SVP) - Nationalrat
- Andreas Aebi (SVP) - Nationalrat
- Beat Arnold (SVP) - Nationalrat
- Manfred Bühler (SVP) - Nationalrat
- Marco Chiesa (SVP) - Nationalrat
- Raymond Clottu (SVP) - Nationalrat
- Roland Eberle (SVP) - Ständerat
- Hannes Germann (SVP) - Ständerat
- Ulrich Giezendanner (SVP) - Nationalrat
- Alice Glauser-Zufferey (SVP) - Nationalrätin
- Roger Golay (SVP) - Nationalrat
- Diana Gutjahr (SVP) - Nationalrätin
- Markus Hausammann (SVP) - Nationalrat
- Verena Herzog (SVP) - Nationalrätin
- Werner Hösli (SVP) - Ständerat
- Thomas Hurter (SVP) - Nationalrat
- Alex Hürzeler (SVP) - Landammann
- Monika Knill (SVP) - Regierungsrätin
- Alex Kuprecht (SVP) - Ständerat
- Thomas Müller (SVP) - Nationalrat
- Felix Müri (SVP) - Nationalrat
- Pierre-André Page (SVP) - Nationalrat
- Nadja Pieren (SVP) - Nationalrätin
- Werner Salzmann (SVP) - Nationalrat
- Jürg Stahl (SVP) - Nationalrat
Nach Parteien:
- CSP = 1
- CVP = 32
- EVP = 1
- FDP = 34
- GP = 1
- Lega = 1
- N/A = 1
- SP = 5
- SVP = 28
- parteilos = 3
Weitere Befürworter kommen aus der Verbieter- und Antifreiheitsfraktion wie zum Beispiel Martin Candinas (CVP), das Schlachtross des Schweizer Fernsehens, der in der Arena vom 25.05.2018 für das Zensurgesetz - getarnt als "Geldspielgesetz" getarnt wird, kämpft.
Bei einem Ja verliert die Schweiz den ungehinderten Zugang zu Informationen. Das Argumentarium ist derart hahnebüchen, dass es bereits einen Unterhaltungswert besitzt.
Die Annahme des Gesetzes wäre ein weiterer Sargnagel in die direkte Demokratie und letzte unabhängige Staatsform in Europa. Es ist am 10. Juni 2018 auf ein Nein zu hoffen.
(AS)