Lange nicht gelesen! Vor wenigen Jahren, als steemit.com noch der letzte Schrei war, schrieb ich mal ein verwirrendes aber (hoffentlich) erfrischendes Potpourri unter dem Alias . Seit dem habe ich mich viel verändert. Ich bin ein bisschen älter, deshalb nicht reifer, und wesentlich radikaler geworden. Wer will, kann ja mitlesen. Ich bin hier, weil ich meinen emotionalen Ausbrüchen ein Ventil geben will. Also Glück auf und mal schaun' was daraus wird.
Als ersten Text habe ich etwas aus meinem Archiv hervor gegraben. Meine Rezeption zu einem Text von Heidegger, meinem liebsten seiner Texte, dem Feldweg.
(Fotograf ist mir leider nicht bekannt.)
„Immer noch sagt es die Eiche dem Feldweg, der seines Pfades sicher bei ihr vorbeikommt. Was um den Weg sein Wesen hat, sammelt er ein und trägt jedem, der auf ihm geht, das Seine zu. Dieselben Äcker und Wiesenhänge begleiten den Feldweg zu jeder Jahreszeit mit einer stets anderen Nähe. Ob das Alpengebirge über den Wäldern in die Abenddämmerung weg sinkt, ob dort, wo der Feldweg sich über eine Hügelwelle schwingt, die Lerche in den Sommermorgen steigt, ob aus der Gegend, wo das Heimatdorf der Mutter liegt, der Ostluft herüberstürmt, ob ein Holzhauer beim Zunachten sein Reisigbündel zum Herd schleppt, ob ein Erntewagen in den Fuhren des Feldwegs heimwärts schwankt, ob Kinder die ersten Schlüsselblumen am Wiesenrain pflücken, ob der Nebel tagelang seine Düsternis und Last über die Fluren schiebt, immer und von überall her steht um den Feldweg der Zuspruch des Selben: Das Einfache verwahrt das Rätsel des Bleibenden und des Großen.“
– Martin Heidegger
Ein Text der Ruhe ausstrahlt, die Natur in ihrer Einfachheit.
„Was um den Weg sein Wesen hat, sammelt er ein, und trägt jedem, der auf ihm geht, das Seine zu.“
Spätestens jetzt wird man erkennen, dass der Feldweg eine Metapher ist. Der Mensch wurzelt in der Erde und kann sich in die Weite des Himmels und der Ideen, öffnen.
"Wenn die Rätsel einander drängten und kein Ausweg sich bot, half der Feldweg." Wenn der suchende Mensch, der nach Lebensfragen giert, in eine Sackgasse gerät, dann hilft der Feldweg.
Mir ist es oft schwergefallen Heidegger ganz zu verstehen. Ich sehe den Feldweg als den Schlüssel zur Lektüre Heideggers, wie eine philosophische Formelsammlung, die einem den Weg weist.
Der Feldweg warnt uns auch.
„Aber der Zuspruch des Feldweges spricht nur so lange, als Menschen sind, die, in seiner Luft geboren, ihn hören können. (…) Die Gefahr droht, dass die Heutigen schwerhörig für seine Sprache bleiben. Ihnen fällt nur noch der Lärm der Apparate, die sie fast für die Stimme Gottes halten, ins Ohr.“
Ich denke, es ist klar, was Heidegger hier meint.
Heideggers Feldweg gibt es wirklich, er befindet sich in Meßkirch.