Die ersten Reden schon vom „schwarzen Montag“. Gleich ein Doppelschlag ereignete sich heute an der Börse. Der DAX und viele andere Werte stürzten um über teilweise 10% in den Abgrund hinab. Gleichzeitig führte eine ungünstige Situation am Ölmarkt zu fiesen Zerwürfnissen. Öl unter 35 USD hatten wir bereits eine ganze Weile nicht mehr. Und ja, heute trifft es auch Deutschland, da wir die ersten zwei Todesfälle zu verzeichnen haben. Es macht also durchaus Sinn von einem schwarzen Tag zu reden.
Dabei merkt man schon spürbar, dass die Stimmung bei den meisten Leuten beginnt zu kippen. So mancher privater Anleger scheint nun endgültig am persönlichen Limit angekommen zu sein. Nun zeigt sich, wer die letzten Jahre Wachstum wirklich sinnvoll investiert hat und einen entsprechenden Masterplan zur Seite gelegt hat.
Es hat meiner Meinung nach durchaus System, dass gerade zum Abend hin, die Kurse noch einmal einbrechen. Nicht wenige Privatanleger scheinen nun nach einem desolaten Tag noch einmal schnell verkaufen zu wollen, um noch schlimmeres zu verhindern. Die meisten Profis werden heute bereits tagsüber geblutet haben, da ist es naiv zu denken, dass man Abends noch etwas retten kann.
Eine solche Philosophie ist immer ein wenig vergleichbar mit einer Person, die nun da man mit der Achterbahn nach unten rattert, beginnt den Bügel zu öffnen und auszusteigen. Mag dies vielleicht noch instinktiv sinnvoll sein, ist die Landung dabei meist dann doch sehr hart, weil viele Menschen beginnen das zu verspielen, was sie die Jahre zuvor über eingesammelt haben.
Ja, wir sind an der Börse vom Erfolg verwöhnt! Seit der Finanzkrise 2008/2009 ging es fast nur nach oben. Okay, da war irgendwann dazwischen noch die Griechenlandkrise. Aber Hand aufs Herz: Hat die jemand die letzten Jahre noch gespürt? Wohl kaum, den sie war zwar zunächst schmerzhaft und hat alle in ihren Bann gezogen, aber es taugte nicht als echte Krise.
Was dort aktuell abgeht hat schon eher das Zeug eines echten Crashs. Die Kurse fallen innerhalb kürzester Zeit enorm ab, dass einem da schon ein wenig schwindelig wird. Gerade die recht kurze Zeit und Intensität ist etwas, dass man in den letzten Jahren eben nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Dazu eben eine wunderbare Story: Die Welt kurz vor dem Untergang durch einen bösen Virus! Das ist der Stoff aus dem die Alpträume sind.
Dies führt nun zu einer gefährlichen Kettenreaktion, da die Kursstürze immer wieder erneut Panik anwerfen lassen und sich somit weiter verstärkt. Nicht ohne Grund blicken momentan viele auf die Cashflows der Unternehmen. Und gerade jene mit starken Fremdkapitalhebel, fallen schnell unten durch.
Denn was auch immer dort noch hinter dem Horizont lauern mag, es ist bereits jetzt klar: Cash ist King! Eine Sache, die im Zeitalter der niedrigen Zinsen schon fast ein wenig wie Hohn wirkt und viele Leute nicht verstehen. Solange das Depot gut ist, kann jeder sehr leicht seine Bestände liquidieren und somit zu Cash kommen. Stürzen diese allerdings massiv ab, wird es sehr ungünstig diese zu verkaufen.
Wer nun also zuviel mit Fremdkapital unterwegs ist und ggf. einen Gläubiger bedienen lässt, bekommt nicht ohne Grund langsam große Augen. Und somit beschleunigt sich der Effekt weiterhin. Gelobt sind jene, die ausschließlich mit Eigenkapital unterwegs sind und entsprechend das fetteste Sitzfleisch unter dem Hintern haben.
Gerade in diesen Zeiten kommt oft der Spott und Hohn der finanziellen Unterschicht zu tragen, die dann auf die Börsen anfangen zu schimpfen und die Investoren noch mit Eiern bewerfen, weil diese ja Schuld an der Krise sind. Ein vollkommendes Unverständnis der Lage, wie ich in der letzten Woche versuchte aufzuzeigen. Auch hier wird irgendwann die Erkenntnis kommen, dass dies nicht nur eine Börsenkrise bleiben kann, sondern die Wirtschaft oft Zeit versetzt nachzieht.
Ist weniger Geld da, wird auch weniger konsumiert. Ist die Stimmung schlecht, wird noch weniger konsuminiert und irgendwann guckt der Arbeiter eben in die Röhre, weil er nichts mehr zu tun hat. Gerade im Bereich der Automobilbranche würde ich momentan schon ein wenig bessere Rücklagen bilden. So leid wie es einem tut, es wird vermutlich nicht nur bei einem Blitzcrash an der Börse gehen.
Dabei könnte auch dies natürlich sein. Vielleicht ist die Panik schlichtweg zu groß. Vielleicht klettern die Kurse bereits morgen genauso schnell wieder nach oben wie sie gefallen sind. Macht es Euch wirklich bewusst: Absolut niemand weiß dies! NIEMAND!
Ja, mein Gefühl ist nicht gut und ich wette darauf, dass es noch weiter abwärts gehen wird. Nicht weil die Korrektur nicht bereits hart war, sondern weil die grundlegende Story des Virus weiterhin intakt ist und auch weiterhin als Schreckgespenst taugt. Solange die Anzahl der Infizierten und damit verbundene Nachrichten nicht abreißen, wird es als Schocker taugen.
Genau hier liegt das Dilemma des Buy & Hold-Anlegers. Obwohl man vom Gefühl her denkt, dass alles noch schlimmer wird, ist man doch dazu verdammt die Füsse ruhig zu halten. Weil man es eben nicht besser weiß! Ja und weil einem kurzfristiges Marktgeschehen nicht interessiert. Mögen an der Börse die Kanonen donnern, es wird schon wieder Sonnenschein kommen! Niemand hat gesagt, dass man vor die Tür gehen soll, wenn das Blut in den Straßen fließt. Erst recht dann nicht, wenn die Pest noch die Stadt einheim gefallen ist.
Somit bleibt einem nur übrig die Gefühle in einem sehr genau zu analyisieren und selbst zu reflektieren. Ja, es ist natürlich Angst da! Wer dies leugnet, sollte dringend zum Neurologen gehen. Der Unterschied ist aber eben, dass man nicht in Panik bewegt. Wie ein Polizist oder Soldat der auf Extremsituationen vorbereitet wurde, muss man sich nun auf sein Training verlassen und einen ruhigen Kopf behalten.
Dazu gehört mitunter auch nicht gleich seine ganzen Geldladungen zu verschießen und damit ins fallende Messer zu greifen. Sondern eben an einem schwarzen Montag auch mal eine Niederlage zu akzeptieren und sich einfach einen guten Tropfen in sein Glas fühlen. Einfach einmal auf die Welt, die Kräfte des Bösen oder dem fliegenden Spagetti-Monster prosten! Oder gerne auch einmal in Gedenken an die Opfer des Virus und sich ein wenig in Demut ergeben, dass es vielleicht doch ein wenig arrogant ist zu glauben, dass man gegen alles gepfeilt sei.
Mehr kann man an einem solchen Tag eben nicht machen. Ja, selbst das Suchen nach guten Werten, die man vielleicht nachlegt (wenn man Cash hat), sollte man durchaus einmal vertagen, da man sonst leicht von der Auswahl erschlagen wird und am Ende in blinden Aktionismus verfällt.
In diesem Sinne einen schönen Abend an alle Börsianer. Möget ihr die entsprechende Ruhe und Gelassenheit haben oder zumindest Eure Wetten wie gewünscht aufgehen! ;)