Das Postmortem zu P2P-Krediten liegt ja nun auch schon wieder fast 2 Monate in der Vergangenheit. Gerade am Ende des letzten Jahres sind wir bei Mintos ja in eine Niedrigzinsphase geschlittert und sahen ja durchaus Zeiten bei denen es nicht ausreichend 12 % Zinsen mehr gab und man immer wieder an seinem Autoinvest drehen musst, um überhaupt noch etwas zu holen. Zeit sich einmal die aktuelle Lage etwas näher anzusehen
Stand
Wie bereits angekündigt, werde ich dieses Jahr vermutlich nicht sonderlich viel neues Geld in Mintos stecken, sondern eher einige andere Plattformen dieses Jahr stärken. Dies hat schlichtweg als Grund, dass ich natürlich nicht alle Eier im gleichen Korb haben will. Trotzdem habe ich eben auch überflüssiges Geld noch bei Mintos nachgeschossen, weil die Diversifikation dort bereits nicht schlecht ist.
Bereits bei den Zinsen sieht man sehr schön, dass sich in den letzten Monaten dort einiges getan hat. Insgesamt hänge ich mit meinem Portfolio scheinbar doch recht hoch, da ich immer wieder lese, dass Leute unter 11% halten. Gerade 12% sind doch recht einfach möglich und ich betreibe auch kaum Hexenwerk um diese Überrendite zu bekommen.
Lediglich habe ich einen automatischen Sekundärmarkt, der einige Zinsbereiche abdeckt und nachkauft, wenn ein vernünftiger Discount dran steht. So habe ich beispielsweise im Februar rund 10€ extra eingesammlt. Damit kommen keine Mengen zusammen, allerdings lohnt sich dies eben schon auf Dauer.
Ähnliches eben auch bei den Campaigns, die übrigens größtenteils nicht über Empfehlungen reinkommen (die ich hier ja nur auf Anfrage verteile), sondern eben von den Plattformen selbst. Oftmals sind die Angebote nicht so gut, aber es kommt eben doch vor, dass man einen Anbieter dabei hat, den man sowieso kaufen würde. Da lohnt sich ein neues Autoinvest um gezielt in die Campaign zu gehen dann doch mal.
Investitionen ergibt sich nicht besonders viel. Bei den 60+ sieht man eben meinen Anteil an Aforti und Monegro, die ja ... ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und vermutlich Zeit ist auch innerlich abzuschreiben. Alles was darüber dann noch reinkommt, ist halt „Bonus“.
Pending Payments
Einer der heißen Themen rund um Mintos waren definitiv die Einführung der neuen Funktion „Pending Payments“. Hier werden Geldbeträge zusammengefasst, die zwar gemeldet wurden, dass der Kreditnehmer sie bezahlt hat, allerdings noch im Prozess der Bezahlung sind und nicht auf dem eigenen Konto gutgeschrieben wurden.
Mintos hat in der Vergangenheit wohl oft in Vorleistung getreten und frühzeitig Geld ausgezahlt, dass noch gar nicht bei denen auf dem Konto war. Das birgt natürlich ein nicht ganz unerhebliches Risiko für sie.
Als Kreditgeber finde ich dies aber absolut nicht witzig. Ich verlange vom Kreditnehmer eine pünktliche Begleichung der Zusagen und hole mir Strafzinsen, wenn dieser säumig wird. Leistet dieser die Zahlung, hat die Verarbeitung zügig zu erfolgen. Lagert irgend eine Stelle (sei es Mintos, sei es der Anbahner) das Geld dann noch eine weile Zwischen, verliere ich Geld, da ich es nicht neu anlegen kann.
Nicht ohne Grund fragen viele größere Investoren immer wieder nach, dass man endlich Strafzinsen auch für Anbahner einführt. Mit viel Bewegung rechne ich dort nicht, aber es wäre ein richtiger Schritt. 5 Tage vielleicht noch einmal für weniger entwickelte Länder, damit der Betrag durch die Banken geht... aber das ist das maximal zu akzeptierende.
Ansonsten hat eben irgend eine Stelle geschlampt und dies darf nicht passieren. Der Kreditnehmer ist der Schwachpunkt im System und leistet dieser, muss es danach zügig gehen. Es kann nicht sein, dass man als Geber noch Verzugszinsen der Anbahner auf deren kosten in Rechnung stellt.
Zinsniveau
Erfreuliches gibt es von der Zinsfront zu berichten. Dieses steigt seit Wochen bereits unaufhaltsam nach oben und gerade bei den Kurzläufer kann man mitunter auch mal wieder welche mit bis zu 16% abgreifen. Wer nun nicht gerade in den 8% festhängt, sondern sich dem Markt bei den niedrigen Zinsen auch mal verweigert hat, kann nun natürlich aus dem vollen Schöpfen und sich wieder mit einigen Langläufern und attraktiven Zinsen eindecken.
Dies erklärt es eben auch, wieso ich von einer Überrendite profitiere. Wer also eine Weile nicht angemeldet hat, sollte vielleicht nochmal seine Autoinvests adjustrieren.
Wie man sieht hat sich bei meiner Autoinvest-Strategie nicht viel getan. Ich kaufe momentan in vollen Zügen die höheren Kredite. Der erste Autoinvest greift ab 12% zu, sofern mindestens 1,5% Discount dran stehen. Wer dringend Geld braucht und bereit ist dafür zu zahlen, da greife ich gerne doch auch mal zu.
Der Rest ist keine Überraschung. Ich kaufe momentan durchweg A+B-Kredite und haben die C verbahnt, da eben einige von denen zuletzt ins Staucheln gekommen sind. Ausnahme bildet hier GetBucks, die ich gerne gekauft habe, mir allerdings momentan finanziell viel zu fragil sind als das ich meine ohnehin große Position noch ausbauen möchte.
Behaltet immer im Hinterkopf, dass hohe Zinsen auch immer hohe Risiken bedeuten. Blindlings die Zinsen hochdrehen muss nicht unbedingt die beste Option sein. Ich bin mir bewusst, dass ich hier sehr Risikoreich fahre und mache das eben auch mit Absicht.
Ausblick
Was sagt eigentlich Corona zum P2P-Markt? Dies ist wirklich eine sehr schwere Frage, da es kaum Erfahrungswerte bei so etwas gibt. Grundsätzlich sollte man den Crash und die Krise sehr aufmerksam verfolgen, da sie einen Einfluss auf die Kredite haben wird. Man ist darauf angewiesen, dass es den Kreditnehmern gut geht und sie einen vernünftigen Job haben.
Fangen sie sich etwas ein, sterben oder verlieren ihren Job, dann treibt es einem als Kreditgeber natürlich auch die Tränen in die Auge. Gerade ein massiver Ausbruch von Corona in einigen der Schwellländer, könnte entsprechend böse enden. Wer also jetzt Geld anchschießt, wettet gleichzeitig darauf, dass alles gut werden wird ohne zu großes Tränental.
Traditionell stehen nun einige der besseren Monate an. Ganz saisonal bedingt. Die Sonne kommt mehr raus und die Leute nehmen ihre Projekte in Angriff und brauchen wieder mehr Geld. Mehr Wettbewerb am Markt heißt steigende Zinsen. Von daher wäre ich enttäuscht, wenn das aktuelle Zinsniveau nicht noch eine Weile so bleiben sollte.
Die Zahl des angelegten Geldes steigt momentan nicht mehr so stark an wie früher, sondern ist bereits im letzten Quartal 2019 etwas ins Straucheln gekommen. Gut für jene, die bereits dabei sind. Dies macht sich auch bemerkbar darin, dass die durchschnittlich investierte Summe auf 4370€ abgesunken ist. Lange Zeit war sie über 5500€. Nicht nur ich habe scheinbar also in den letzten Monaten etwas Geld abgezogen und mal die Zinsen mitgenommen.
Bitte behaltet immer im Hinterkopf, dass P2P-Kredite Hochrisikokapital ist. D.h. es kann immer passieren, dass das gesamte Geld plötzlich weg ist. Setzt also stets immer nur das Kapital ein, dass ihr auch bereit seid zu verlieren! Und zwar vollständig!