Der Lorscher Bienensegen (wir würden heute vielleicht eher von einer Bienenbeschwörung sprechen) gehört zu den ältesten gereimten Dichtungen in deutscher Sprache. Der althochdeutsche Segen wurde im 10. Jahrhundert kopfüber an den unteren Rand einer Seite der apokryphen Visio St. Pauli aus dem frühen 9. Jahrhundert geschrieben. Das Manuskript entstand im mittel- oder oberrheinischen Raum und wurde ab etwa 900 im Kloster Lorsch aufbewahrt; dort dürfte der Eintrag des Bienensegens im 10. Jahrhundert erfolgt sein. Im 16. Jahrhundert gelangte die Handschrift in die Bibliotheca Palatina in Heidelberg.
Der Spruch sollte vermutlich ein schwärmendes Bienenvolk an einen Bienenstock zurückrufen. Im Zeidel-Museum in Feucht haben wir diesen Spruch an der Wand hängen und stellt eines der ältesten Zeugnisse auf Imkerei in unserem Raum dar.
| althochdeutsch | Übersetzung |
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| Kirst, imbi ist hûcze Nû fliuc dû, vihu mînaz, hera Fridu frôno in munt godes gisunt heim zi comonne Sizi, sizi, bîna Inbôt dir sancte Maria Hurolob ni habe dû Zi holce ni flûc dû Noh dû mir nindrinnês Noh dû mir nintuuinnêst Sizi vilu stillo Uuirki godes uuillon | Christ, der Bienenschwarm ist hier draußen! Nun fliegt, ihr meine Bienen, kommt. Im Frieden des Herren, unter dem Schutz Gottes kommt gesund zurück. Sitzt, sitzt, Bienen. (Brumm, brumm…) Der Befehl kommt von der Jungfrau Maria. Ihr habt keinen Urlaub. Fliegt nicht in den Wald. Weder sollt ihr von mir entgleiten. Oder vor mir flüchten. Sitzt im absolut Stillen und erfüllt Gottes Willen. |