Meine Eltern 2018
Zwei Jahre nach dem Tod meines Vaters haben sich die Wogen etwas geglättet. Gegen meinen und dem Willen meiner Mutter war er dem Rat seines Arztes gefolgt, hatte sich in aller Frühe aus dem Haus geschlichen und sich Anfang März mit Moderna impfen gelassen. Nach kurzer Zeit ging es ihm sehr schlecht und er wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Im ersten Telefongespräch nach der Injektion beklagte er sich über allgemeines, extremes Unwohlsein. Das war eine Woche nach der Spritze. Er bereute es gemacht haben zu lassen, verwies aber auch auf den Umstand, daß sein Arzt ihn dazu überredet hatte - mit den Worten, das dies "der neueste Stand der Medizin" sei. Bis heute konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich Strafanzeige gegen diesen Arzt erstatten sollte, oder nicht. Das ist wahrscheinlich gar nicht möglich, weil ich ja nach der Kette unglücklicher Umstände im Exil gelandet bin. Da gibt es mit Sicherheit Einschränkungen darüber, wo man zu sein hat. Ausserdem weiss man ja heute auch wie das Corona Verbrechen an der Menschheit aufgearbeitet wird. Eher gar nicht. Aber darum geht es hier auch nicht. Es geht hier darum etwas über meinen Vater zu erzählen. Den ich trotz aller Widrigkeiten die sein Character innehielt geliebt habe. Das war nicht immer so und ich denke das es vielen so geht, wenn sie letztendlich Abschied von ihrem Vater nehmen müssen. Ich hatte mir natürlich gewünscht, daß es unter akzeptableren Umständen stattgefunden hätte. Es zeigte sich jedoch in aller Deutlichkeit, wie wenig Einfluss man eigentlich hat, wenn es um diese Geschehnisse geht. Auch das war eine wichtige Erfahrung - speziell im Hinblick auf meine eigene Geisterbahnfahrt.
Mein Vater wurde 1932 geboren. Ein Fall von Steinbock/Wassermann - je nachdem was vorteilhafter war. Sein eigener Vater kam nicht aus Stalingrad zurück. Der Meinung meiner Mutter nach, kam er nicht zurück, weil er sich in eine Russische Frau verliebt haben musste - es fehlte jede Spur von ihm, weder gab es Hinweise in den Unterlagen der Wehrmacht und auch die Suche nach einem Kriegsgrab führte nie zu einer Aufklärung. Mein Vater hat mir oft erzählt wie sehr er seinen Vater vermisst hatte. Er wuchs unter Frauen auf und seine Mutter war das, was man als bestes Beispiel einer unangenehmen Schwiegermutter vorzeigen hätte können. Da gab es viele Streitigkeiten und um nur ein Beispiel für diese Charakterschwäche zu geben: unsere Grossmutter würde meinem Bruder erzählen das meine Eltern nur mich lieben und mir erzählen das meine Eltern nur meinen Bruder lieben. Als Erwachsener kann man das gelassen sehen, aber als Kind ist das eine ganz andere Sache. Das führte natürlich zu schweren Verwerfungen - da sowohl mein Bruder, als auch ich, dies meinen Eltern erzählten. Nun ist sie aber schon sehr lange unter der Erde und dieser, wie auch alle anderen Fälle abgeschlossen. Es erklärt jedoch, warum wir drei Kinder eine etwas schwierigere Kindheit verbrachten. In meinem Falle auch noch mit Autismus gewürzt.
Ganz nach Familientradition, sollte mein Vater auch Schreiner werden wie schon sein Grossvater und Vater. Das klappte aber nicht so gut wie erhofft und er kehrte dem Holz den Rücken. Zu dieser Zeit wurde der "Bundesgrenzschutz" ins Leben gerufen und mein Vater fühlte sich dazu berufen diesem beizutreten. Am Anfang war er "Kradmelder", also mit dem Motorrad unterwegs. Zu jeder Jahreszeit, was er oft zum Besten gab. Mit dem Aufstieg beim "BGS" - wie er ihn immer nannte - kamen neue Aufgaben. Er war sehr stolz auf die Zeit in der er Wache stand für Konrad Adenauer, den er immer als "den Alten" betitelte. In dieser Zeit, als er in Bonn Wache stand, wurde die "Bundeswehr" gegründet. Da es bei der Gründung der Bundeswehr Personalmangel gab - man kann sich denken warum - wurden viele die beim BGS waren mit grossartigen Versprechen für eine bessere Karriere bei der Bundeswehr abgeworben. Mein Vater nahm diese Gelegenheit beim Schopf und wechselte zur Bundeswehr, was er aber manchmal sehr bedauerte. Obwohl er durch die Bundeswehr zu einiger Popularität gelangte.
Mein Bruder und ich waren immer sehr an seinen Geschichten interessiert. Er hatte eine talentierte Art Erfahrungen zu vermitteln. Dieses Talent führte auch zu seiner Popularität - die jedoch nicht immer rein positiv war. Was wir am Spannendsten fanden, waren seine Geschichten über die Manöver in Grossbritannien. Mit der "Noratlas" im zugigen Frachtaum nach England. Geschichten über "Tommies" und Panzerfahrten. Als Kinder fanden wir diese Geschichten sehr aufregend. Da mein Vater ein gut aussehender junger Mann war und mit besagtem Talent, landete er auf den Titelseiten der deutschen Magazine in den späten 50'ern. Er stand Modell für die neuen Bundeswehr Uniformen. Ich bedaure den Verlust dieser Photographien und Magazine sehr. Da ich hier feststeckte, konnte ich diese Unterlagen nicht aufheben. Aber es war immer toll seinen Vater in Zeitungen und auf Titelseiten zu sehen. Dem folgte dann auch ein gewisser Bekanntheitsgrad unter der Prominenz Deutschland's. Mein Vater war mit Willi Millowitsch befreundet und kannte Film- und Fernsehperönlichkeiten wie Hans-Joachim Kulenkampff und Hänschen Rosenthal. Wie das Leben so spielt, entschied sich mein Vater gegen eine Offizierslaufbahn, die ständiges Umziehen mit sich gebracht hätte. Nachdem mein schweres Asthma erforderte das die Familie von Nordrhein-Westfalen nach Bayern umsiedelte, wollte er nicht ständig den Standort wechseln, sondern in Bayern bleiben. Wir Kinder fanden das sehr gut. Geschichten von Offizierskindern, die jedesmal wenn sie Freunde gemacht hatten diese wieder verloren, hallten uns in den Ohren.
Wir landeten im Süden Münchens und mein Vater wurde Ausbilder in einer geschichtsträchtigen Kaserne. Es war zu dieser Zeit, das bei uns eine neue Generation von Schauspielern und Sängern vor der Türe standen. Die mussten ihre Wehrplicht absolvieren und mein Vater wurde ihr Ausbilder. Ein "Spiess", wie man sie nennt. Und mein Vater erlangte zum Teil einen zweifelhaften Ruf weil er schreien konnte wie kein anderer. Was im später Schwierigkeiten mit seiner Stimme bereitete. Nun gingen Gus Backus, Thomas Fritsch und Roy Black bei uns ein und aus. Wir Jungs waren ja noch Kinder, also war das nicht so aufregend, aber meine Halbschwester war eher begeistert. Und der Thomas Fritsch, der auch im Süden Münchens wohnte fand sie sehr anziehend. Es war also immer was los zu dieser Zeit. Das Schreien fand leider oft den Weg nach Hause und wir Jungs waren gut für eine Fortsetzung der Schreierei bei der Bundeswehr. Die Jahre vergingen und er wurde befördert und beendete seine Karriere als Schreier. Er wurde ruhiger und endete in einer Schule für Fernmeldewesen. Dort blieb er bis zu seiner Pensionierung. Sein Ruf als Schreihals blieb im allerding treu. Es gab zu viele die am anderen Ende der Schreie waren und bei der Bundeswehr Karriere machten.
Wenige Tage vor seinem Tod konnte ich noch einmal mit ihm sprechen. Es waren bewegende Worte und ich versicherte ihm das ich ihm alles vergeben hatte was uns Schmerzen am Hinterviertel und mangelnde Kommunikation in späteren Jahren brachte. Mein Vater hatte seinen eigenen Sinn für Humor und konnte uns zum schallenden Lachen bringen. Diese Seite war auch die beliebteste bei Familie, Freunden und Bekannten. Mein Vater war ein gern gesehener Mann und das hat mich auch immer gefreut. Sein bevorzugtes Ausflugsziel war Kloster Andechs in dessen Bierhallen es immer hoch her ging. Er erfreute sich der Bekanntschaft mit Bruder Anselm, wenn ich mich recht erinnere.
Ich hoffe das er endlich seinen Vater wiedergefunden hat. Man weiss ja nichts genaues, aber ich wünsche mir es wäre so.