Liebe Leserinnen, liebe Leser
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Tatsächlich sagen Bilder oft sehr viel aus und den Lesern meines kleinen Projekts hier ist vielleicht schon aufgefallen, dass ich gerne versuche, mit schönen Bildern jeweils noch ein paar Akzente zu setzten.
Heute soll das Bild aber mal im Mittelpunkt stehen. Bzw. nicht das Bild selbst, sondern sein Inhalt.
Wir sehen einen Weg, oder einen Pfad darauf, eingebettet in eine Landschaft. Die Symbolsprache dieses Bildes ist in viele Richtungen interpretierbar. Bei Bildern von Wegen drängen sich für mich Metaphern vom Lebensweg geradezu auf, gibt es doch so viele Gemeinsamkeiten. Unser eigenes Leben, oder vielleicht gilt das gesagte sogar für das Leben an und für sich, wie auch ein Weg verlaufen nicht immer schön geradlinig. Es gibt Verzweigungen, Kreuzungen, Kurven oder gar Sackgassen.
Ein interessanter Aspekt so eines Weges ist ja, dass er meistens auf einer Karte verzeichnet ist. Dort findet sich sein Anfang und sein Ende, alle Biegungen und alle Gabelungen. Wir sehen Höhenkurven und können ungefähr abschätzen, an welchen Punkten es kritisch und besonders anstrengend wird. Natürlich nur, wenn wir den Plan lesen können. Für unseren Lebensweg gibt es meiner Ansicht nach keine so präzisen Karten. Vielleicht hat man eine vage Vorstellung davon, in welche Himmelsrichtung der Weg führt, aber so ganz genau kennt man ihn dann doch nicht. Und selbst wenn es so eine Karte gäbe, könnten wir sie dann auch automatisch lesen? Oder wüssten wir, an welchem Punkt wir uns genau befänden? Und noch die viel wichtigere Frage: Würden wir überhaupt so eine Karte wollen?
Klar, manchmal wäre es sicherlich hilfreich zu wissen, wann es anstrengend wird, oder zu wissen, wohin sich die Wege einer Gabelung entwickeln. Das gäbe uns Sicherheit, aber würden wir uns mit einer solchen Karte nicht auch selbst berauben? Ich glaube, wir würden uns um das Geschenk des Erlebnisses bringen. Für mich liegt ein Reiz des Lebens gerade darin nicht genau zu wissen, was noch auf mich zukommen wird.
Es scheint Menschen zu geben, die wissen ganz genau, wohin sie ihr Lebensweg führen soll. Sie verhalten sich so, als hätten sie so eine Karte. Ich frage mich oft, ob den auf dieser Karte auch plötzlich auftauchende Hindernisse verzeichnet sind, oder wie solche Menschen damit umgehen, wenn sich herausstellt, dass der Kartograph geschlampt hat und die Karte schlicht falsch ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass einen das ziemlich aus der Bahn werfen kann.
Es gibt da noch eine andere Gruppe von Menschen, jene für die der Weg bereits vorgezeichnet scheint, sei es vom Partner oder der Familie, oder gar der Gesellschaft an sich. Diese Menschen, sind in einer nochmal anderen Lage. Sie haben nicht nur keine Karte, nein noch dazu haben sie nicht einmal die Freiheit den Weg selbst zu wählen. Für sie sind Hindernisse vermutlich eine noch größere Herausforderung.
Solche Steine im Weg sind selbstverständlich auch für mich eine Herausforderung und ja, ich weiß auch nicht wann sie erscheinen. Aber weil ich eben nicht weiß, wohin die Reise geht, muss ich im Geiste flexibel bleiben und es mir nie zu gemütlich machen. Einen Leben voller Ungewissheiten also?
Ja und Nein!
Ja, weil das Leben immer ungewiss ist und nein, weil ich Vertrauen in das Leben und mich selbst habe. Ich vertraue darauf, dass ich über das Rüstzeug verfüge um mit den Aufgaben, die mir das Leben stellt, umgehen zu können. Und wenn ich mich einmal verlaufe, oder in einer Sackgasse ende, dann zücke ich meinen Kompass und gehe den Weg zurück und versuche mich neu zu orientieren. Das gehört für mich zu dieser großen Reise. Letztlich vertraue ich darauf, dass mich mein Weg, welcher das auch immer sein mag, nie an unüberwindbare Hindernisse führt.
Über die letzten Jahre hat mich der Autor Paulo Coelho immer wieder auf meinem Weg begleitet. Er hat viele, wirklich tolle Bücher geschrieben. Wer es nicht bereits kennt, dem möchte ich «der Alchimist» ans Herz legen, ein großartiges Buch.
In einem seiner Werke ist folgende Passage zu finden:
Wir sind nicht das, was die Leute von uns erwarten, oder so wie sie sich uns wünschen. Wir sind, wer wir zu sein beschlossen haben. Den anderen die Schuld zu geben ist immer einfach. Damit kannst du dein ganzes Leben zubringen, aber letztlich bist du allein für deine Erfolge oder deine Niederlagen verantwortlich.
Paulo Coelho, Aleph
In diesem Sinne wünsche ich euch einen spannenden Weg und ein schönes Wochenende.
Bis bald.
Paulo Coelho - Wikipedia
Der Alchimist - Coelho
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