heilendes Gewürzkraut der "armen Leute"
Hey,
Heute stelle ich euch ein Kraut vor, welches schon fast komplett in Vergessenheit geraten ist. Es wurde fast vergessen, da ihre Wirkungskraft schwächer sein soll als andere Wildkräuter. Dementsprechend werden stärker heilbringende Kräuter bevorzugt. Doch auch die "schwachere" Heilkraft, kann ihre Wirkungen im Körper entfalten.
Jeder Körper ist individuell und braucht unterschiedliche Inhaltsstoffe. Außerdem wirkt jede Pflanze durch minimale "Werte" anders. (materialistisch gesehen)
Sie kann vielseitig in der Küche verwendet werden und ist daher noch von Kräuterliebhabern geschätzt. Ihr unscheinbares Aussehen birgt genug Qualitäten, das Kraut mal auszuprobieren :)
Vor allem von "ärmeren Leuten" der Gesellschaft wurde das Kraut gerne verwendet, da er eine gesunde, schmackhafte und kostengünstige Alternative zum teuren Salz oder Pfeffer darstellt.
Doch vielleicht kommt euch das Kraut ja ein wenig bekannt vor? Denn es kann auch schnell wuchern, sodass es als konkurrenzfähiges "Unkraut" gesehen wird, welches andere Blumen "fern"hält. Es könnte möglich sein, dass es an den Abbaubprodukten (Salze der Blausäure) der Substanzen wie Senföle und Knoblauchöle liegt, die aus den Wurzeln der Rauke ausgeschieden wird und giftig für manche Pflanzen sein könnte.
Systematik
- Familie: Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)
Volksnamen
- Knoblauchkraut
- Knoblauchsenf
- Lauchkraut
- Knoblauchhederich
- Wilde Chnoblech
- Falscher Waldmeister
- Truglauch
- Knofelkraut
- Bärentatze
- Sommerknoblauch
Namenherskunft
Bezeichnung des Heilkrauts: Alliariae herba
wissenschaftliche Bezeichnung: Allaria petiolata auch bekannt als Allaria officinialis; führt darauf zurück, dass es einen festen Bestandteil in der Apotheke hatte.
Alliaria -> Allium (lat.) = Lauch(Geruch)
petiolata -> petalon (griech.) = Blatt
Mythologie
Über dieses Kraut gibt es fast keine überliefernden Geschichten mehr, daher ist dieser Teil leider etwas kurz :(
Auf einer Seite steht, dass archäologische Befunde beweisen, dass das Kraut schon seit mehr als 5.000 Jahren gerne in der Küche angewandt wird. In Gräbern an der norddeutschen und dänischen Ostseeküste fand man Restbestandteile von Kochstätten mit der Knoblauchsrauke. Es waren versteinerte Knoblauchsrauke Reste an Scherben von Tontöpfen.
Wer kennt dieses wilde Kraut, das da aus dem Laub rausschaut, wenn es erscheint im frühen Jahr. Die Sonn geht auf, was ist denn das, verflixt noch mal da riecht doch was. Die Knoblauchrauke ist`s, oh toll, die Essigflasche mach schnell voll. Mit Wurzeln, Blüten, Blätter, Stiel, mach Tee und iß sie frisch recht viel.
~Melodie Dracularock, Text Ingeborg Sponsel
Knoblauchsrauke ist in der Gründonnerstagsuppe enthalten! (mit Gundermann, Brennessel, Girsch, Schafgarbe, Bärlauch, Spitzweggerich, Sauerampfer)
Als Ersatz für das teure Salz angewandt
Samen und Schoten als Pfeffer Ersatz
Blätter als Knoblauch Ersatz
daher kultivierte man ihn auch gern im Garten
Knoblauchsrauke als Tropfen hilft die Welt von sich "fern" zu halten und gelassener zu werden.
magische Eigenschaften:
helfend, aufmunternd, beschützend
Der Volksglaube besagt, dass ein Bündel Knoblauchsrauke mit sich getragen vor den Teufel schützen soll.
magische Sammelzeit:
bei zunehmenden Mond
Nochmal: Diese Posts dienen nicht als Heilversprechen. Ich berichte darüber, was ich im Internet über die Pflanze gefunden habe und teile es euch mit, sodass sie nicht vergessen wird.
Inhaltsstoffe
- Ätherische Öle
- Fermente
- Karotin
- Knoblauchöl
- Mineralstoffe
- Senfölglykoside
- Sinigrin
- Saponine
- Vitamin A, B1, C
- Zuckerstoffe
Wirkungen
- antibakteriell
- antiasmathisch
- auswurffördernd
- anregend
- antiseptisch
- blutreinigend
- cholesterinsenkend
- entschlackend
- entgiftend
- desinfizierend
- harntreibend
- heilungsfördernd
- schleimlösend
- verdauungsfördernd
- wundheilend
- Zahnfleisch stärkend
Anwendungsgebiete
- Atemwegserkrankungen
- eitrige Wunden (gequetsche Knoblauchsrauken Blätter auf die Wunde)
- Entzündungen im Mund-Rachenraum (Gurgelmittel)
- Entschlackungs- und Entgiftungskuren (im Frühjahr)
- Frauenkraut
- Fallsucht (Epilepsie)
- Gelenkbeschwerden, Hüftschmerzen
- Gicht
- Husten
- Insektenstiche (Blätterbrei auf den Stich schmieren)
- Kurzatmigkeit
- Milchschorf
- Nesselsucht
- Rheuma
- Schlafsucht
- Seitenstechen
- Verdauungsprobleme
- Würmer (Wurmmittel; auch äußerlich an Wunden)
Anwendungsbeispiele
- Frischsaft
- Tinktur
- Pesto
- Tee
- Kosmetik: Knoblauchsrauke in Wein oder Essig ausgezogen, abgefiltert, und stark verdünnt ist pflegend für die Haut
- Knoblauchranken-Essig
- Gerichte passend zu Lamm und gesalzenen Fisch (wegen Knoblauch Geschmack)
- Salatbeilage; zu Gurkensorbets
- Sandwichfüllung
- Buttermischungen, Kräuterquark
- Saucen
- Käsegerichte, Auflauf
- Senfpulver-Ersatz
- frischen Blätter können auch eingefroren werden (hab ich gelesen; bisher nicht ausprobiert)
- Falsche Kapern: Blütenknospen und frische Samenschoten in einem Glas mit heißem Essig übergießen (selbst Rezept nachlesen)
Verwendete Pflanzenteile
- Blätter
- Blüten
- Samen
- Triebe
- Wurzeln
Merkmale
- Wuchseigenschaften: winterhart, zweijährige Pflanze: im 1. Jahr bildet sie Blätter und Wurzeln aus im 2. Jahr die regenerative Phase, wo sie Blüten und Fruchtbildung bildet
- Boden: feucht, frisch, stickstoffreich, lehmig
- häufig im (Halb)Schatten
- Blätter: eine Mischung aus Brennessel und Gundermann, allerdings jucken sie nicht wie Brennessel
Blattrand deutlich gezackt, unbehaart
ähnlich wie beim Gundermann:
die unteren Blätter sind nierenförmig
die oberen Blätter sind herzförmig-zugespitzt;
Blätter aber viel größer als beim Gundermann
- Stängel behaart, leicht vierkantig, aufrecht
- Blüten: weiß, 5-8 mm groß
1 Blüte besteht aus 4 Kelchblättern, 4 Kronblättern und 6 gelben Staubblättern (falls ich blütende Knoblauchsrauke finde, dann werde ich ein Bild nachträglich einfügen) - Frucht: Schoten 3 bis 7 cm lang, 2 Fächer mit jeweils 6 bis 8 Samen, Farbe zu Beginn grün, später hellbraun (später bei Trocknung nicht zum Verzehr geeignet)
- Wuchshöhe: 20 bis zu 100 cm
- Geschmack: Knoblauchartig, doch milder als Knoblauch und Bärlauch, kresseähnlich, pfeffrig, Pfahlwurzel meerrettichähnlich
Vorkommen
Heimat:
- Europa
- Mittelmeergebiet
- Vorderasien
- Zentralasien bis China
- INdien
- Nordafrika
- Norden und Süden der Alpenreginen selten
desweiteren in:
- Nordamerika (dort in 19. Jhd eingeschleppt und verbreitet)
- Neuseeland
Nun habe ich gelesen, dass es in Amerika viele Studien gibt über dieses eingeschleppte Massenunkraut. Die Knoblauchsrauke soll invasiv flächendeckend sich in nicht-heimatlichen Orten verbreiten.
Da sie, wie oben schon genannt, giftig für andere Pflanzen sein kann, könnte sie viele dort heimatliche Pflanzen verdrängen. Außerdem ist sie sehr flexibel und kann sich Wetterveränderungen schnell anpassen.
So viel dazu. Mehr könnt ihr selber nach recherchieren :)
Fundorte
- Schädlinge: Schnecken lassen sie in Ruhe.
- Gefährdet?: Nein, kommt reichlich vor (trotzdem achten, nicht alles mitzunehmen)
- Büschen
- Gärten
- Hecken
- Laubwäldern
- Mauern
- Schuttflächen
- Wegrainen
oft auch in Gesellschaft mit Brennessel (kann auch mit Brennessel verwechselt werden)
sie kann sich umweltbedingten Faktoren flexibel anpassen (z.B. Überschwemmungen, Temperaturschwankungen)
Sammelhinweise
- Blütezeit: April- August
Samen machen eine Ruhephase von 20 Monaten durch, welche durch die Kälteeinwirkung des Winters gebrochen wird. Im Spätherbst/Winter oder zeitigen Frühjahr keimt sie aus. - Fruchtreife ab Juni bis Herbst
- Sammelzeit: April bis Juni/Juli/September; am besten vor Blütezeit, also im 1. Jahr
Ich denke, pflückt dann, wenn es euch am Besten schmeckt :) und so viel, wie ihr in 1 bis 2 Tagen frisch essen könnt.
- Trocknung: Trocknung und Kochen geht Geschmack und Wirkung verloren, lieber frisch essen!
extra Wissen: Bestäubung
Sie ist eine wichtige Nahrungsquelle für Raupen, Schmetterlinge und Bienen, Schwebfliegen, Fliegen; Käfer als bestäubende Insekten. Die Blüten enthalten Honigsdrüsen, die Nektar absondern.
Bei der Knoblauchsrauke findet Fremdbestäubung durch kleinere Insekten und (hauptsächlich) Selbstbestäubung zugleich statt. Die Samen der Pflanze fallen in einem Umkreis von 1m auf den Boden.
Bevorzugt verteilen sich die Poren der Knoblauchsrauke durch Semachorie. Also Tier- und Menschenbewegungen, die an dem Kraut vorbeigehen, aber auch Windbewegungen; allg. die Kraft der Stoßbewegung. Dagegen ist die Epchiroie, wenn die Samen sich bei Regen verschleimen und im Fell des Tieres haften bleiben. Durch die Epochorie (Anhaftung an Körperoberfläche eines Tieres) haben sie eine höhere Distanzausbreitung.
Verwechslungsgefahr
- Brennnessel (nicht schlimm)
- Gundermann (nicht schlimm)
- Gundermann
- Hederich
- Veilchen
- Glockenblume
- Echtes Nelkenwurz
-> Geruchstest durch Zerreiben der Blätter; sollte nach Knoblauch riechen.
Quelle:
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