Wenn es Frühling wird, brechen kleine Sonnen aus den Boden heraus, welche über den Winter hinweg unter der Schneedecke ruhten. Die Pflanze ist ein lebensbejahender Indikator, doch schon morgens kann man Vertreter unserer Spezies beobachten, wie sie mit Giftspritzen, Flammenwerfern und Unkrautstechern Gehwegplattenverfugungen und Nutzgartenflächen lobotomieren.
Er ist einiges: Überlebenskünstler, Widerstandskämpfer, Zauberer - aber gewiss kein UNKraut. Es ist praktisch UNmöglich den Löwenzahn zu vernichten, denn seine Vermehrungsstrategien sind UNschlagbar.
Familie
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Gattung: Taraxacum
- Arten: mehrere 1000
Volkstümliche Namen
bis zu 500 Volksnamen werden gezählt!
- Augenblume
- Ackerzichorie
- Augenmilch
- Augenwurz
- Bärenzahnkraut
- Bayrischer Enzian
- Butterblume
- Bettseicher
- Bettpisser
- Beddschissa
- Blindblume
- Brunzblume
- Biselbluam
- Brummer
- Butterstecker
- Chrottepösche
- Echter Löwenzahn
- Eierkraut
- Franzosensalat
- Hahnenspeck
- Häälestock
- Hundeblume
- Judenblume
- Kettenkraut
- Kettepösch
- Kuhblume
- Gebräuchliche Kuhblume
- Gemeine Kuhblume
- Kuhlattich
- Kuhscheiß
- Gemeiner Löwenzahn
- Laternenblume
- Lichterblume
- Lichtbloom
- Märzblume
- Marienzahn
- Maiblume
- Milchstock, Milchstöck
- Melchdistel, Melkdistel
- Milchdistel
- Mönchsblume
- Pappenstiel
- Pfaffenkopf
- Pfaffenplatte
- Pfaffendistel
- Pfaffenöhrlein
- Pferdeblume
- Pissblume
- Pissnelke
- Pusteblume
- Röhrlkraut
- Ringelblume
- Schäfchenblume
- Schweineblume
- Saurüssel
- Sonnenwurtel
- Sonnenwendig
- Söiblueme
- Schmalzbleaml
- Sonnenwirbel
- Schwärenblume
- Wucherblume
- Wiesenlattich
- Wiesen-Löwenzahn
- Teufelsblume
- Wilde Zichorie
Die bisher genannten Pflanzennamen sind gezählt 66.
Namensherkunft
Taraxacum wird aus dem Arabischen tarak und sahha gebildet und heißt übersetzt: „pissen lassen“! oder auch "tarakshaqum" = "bitteres Kraut".
Der lateinische Gattungsname Teraxacum geht etymologisch vermutlich entweder auf griechische Wurzeln zurück, was die entzündungshemmende Wirkung der Pflanze betonen würde, oder er leitet sich aus dem Persischen ab.
Die Pfanze heißt auf Englisch "dandelion" und auf Französisch "dant de lion", was zu Deutsch Löwenzahn ähnelt, und auf die scharfen Zähne der Blätter hinweist.
Drogenname/Medizinische Fachsprache: Taraxaci radix cum herba
Mythologie
Der Löwenzahn wird schon seit dem 16. Jhd verwendet.
Im Französischen heißt der Löwenzahn "pissenlit". Ausdruck eines Hauptanwendungsgebiets der Pflanze: harntreibend
Bei Lebensfrust ein bisschen Löwenzahn.
Wünsche gehen in Erfüllung, reibt man sich den Körper mit Löwenzahn ein.
Der Name Lichtblume kommt daher, dass man die Lichter der Blume nicht auspusten durfte.
Außerdem orakelte man mit dem Löwenzahn:
So viele Fruchtstände an der Kleidung hingen, so viele Sünden habe derjenige
Oder so viele Fruchtstände übrig waren, so viele Jahre dauert es bis man heiratet.
Die nach dem Anpusten stehen gebliebene Früchte sollten angeblich anzeigen wie viel Uhr es sei, wie viele Jahre man noch leben werde, wie viele Kinder man kriegen solle.
Wenn man alle Früchte aufeinmal weggeblasen hatte, bekam man ein neues Kleid oder zu Hause eine gute Suppe.
Wer die ersten 3 Löwenzahnknopsen isst, soll das ganze Jahr gesund bleiben. (Ähnlich wie bei der Schafgarbe)
Auch die Bauern hatten ihre Weisheiten zum Löwenzahn:
So lang der Stengel im Frühjahr ist, so lang wird der Lein
Im Frühjahr soll das Feld aussehen wie ein Postkittel, dann gibt es ein fruchtbares und erntereiches Jahr.
Den Kühen gab man Löwenzahn, gemischt mit Kleie und Salz, zu fressen, damit sollte die Milch wiederkommen. Bestimmt auch eine gute Kombination mit Schafgarbe möglich.
„Der Löwenzahn ist schon seit jeher als höchst kriegerisch verschrien,denn er lässt bei gutem Winde Fallschirmtruppen feindwärts ziehn.
Und ich sitz auf der Veranda und verzehre meine Suppe
und entdecke in der selben
zwei Versprengte dieser Truppe“
~Heinz Erhardt
Signaturenlehre
Der Löwenzahn ist der Sonne zugeordnet.
Anhand ihrer gelben Farbe kann man erkennen, dass sie Flavonoide in sich tragen. Dies hilft bei Gelbsucht und Nierenproblemen.
Er verleiht Tiefe und Leichtigkeit zugleich. Denn es wirkt tief, doch mit einer Einfachheit geschmückt. Er holt aus der Tiefe seine innere Kraft, tief verwurzelt und geerdet.
Im Löwenzahn stecken viele Kräfte: Heilkraft, Sonnenkraft, Widerstandskraft, Durchsetzungskraft, aber auch die Kraft zu Wandlung und Erneuerung.
Es ist eine Universal-Entgiftungspflanze: Ein Kraut, das an den belastetsten Standorten gedeihen kann und offensichtlich resistent gegen die verschiedensten Problemstoffe ist, muss einfach ungeheure Widerstandskräfte haben, die auch dem Menschen nützlich sein können.
Mit Löwenmut und Löwenkraft strotzt er Hindernissen und vermag sich durchzubeißen. Vielleicht möchte er auch gerade diese Fähigkeiten weitergeben und zu mehr Kraft verhelfen. Er fühlt auf den Zahn und hinterfragt. Wie schnell lasse ich mich von Widrigkeiten und Hindernissen einschüchtern? Oder gebe ich auf, wenn meine Ideen und Projekte nicht auf optimalen Boden fallen? Aber auch wie gut bin ich verwurzelt? Habe ich genug Halt? Welche Kraft steckt in meinen Tiefen? Oder schürfe ich nur an der Oberfläche?
Sein Wesen sind desweiteren Fließen, Wärme und Lebenskraft. Er löst Stauungen und Erstarrungen in Geist und Körper. Er ist ständig auf Veränderung ausgerichtet und daher ein Spiegelbild für die sich ständig im Fluss befindlichen Stoffwechselprozesse der Leber.
Manche Textstellen im Internet sind viel zu aussagereich um sie nicht nicht zu verwenden.
Inhaltsstoffe
- Bitterstoffe: Eudesmolide, Sesquiterpene, Triterpene, Tetrahydroiridentin B (Eudesmanolid), Ainsliosid (Germacranolid)
- Cumarine (pharmakologisch bedeutend)
- Carotinoide
- Cholin
- Eisen
- Flavonoide (pharmakologisch bedeutend)
- Fructose
- Glykoside (u.a. das Taraxinsäure-Glykosid) (bitterschmeckend) (pharmakologisch bedeutend)
- Inulin (in der Wurzel)
- Kalzium
- Kalium (hoher Gehalt)
- Kieselsäure (Silizium)
- Kupfer
- Kaffeesäure (pharmakologisch bedeutend)
- Magnesium
- Phenylcarbonsäuren: Glykoside, Cichoriensäure, Chlorogensäure
- Mangan
- Natrium
- Proteine (Eiweiße)
- Phytosterole – Sitosterol
- Provitamin A
- Schleimstoffe
- Schwefel
- Sterole
- Sesquiterpenlactone
- Triterpenoide (Taraxsterol, Sitosterol) (pharmakologisch bedeutend)
- Vitamin A, B1, B2, B6, C, D, E
- Zink
| Inhaltsstoffe | Wirkungen | Anwendungsgebiete |
|---|---|---|
| Altersbeschwerden | ||
| Diabetes | ||
| Landkartenzunge | ||
| Insektenstiche und -bisse | ||
| Juckflechte (Ekzeme), Flechten | ||
| Hauterkrankungen: Ausschläge | ||
| Krampfadern | ||
| Mastopathie | ||
| Warzen: Milchsaft im 3. Tage des abnehmenden Mondes anwenden | ||
| Zahnschmerzen, um Zahnschmelz zu stärken | ||
| Verbesserung des Fettstoffwechsels | ||
| Normalisierung des Blutzuckers | ||
| Hautprobleme, Akne, Schönheitsmittel: Augen und Gesicht | ||
| Milzleiden | ||
| Hepatitis (Gelbsucht) | ||
| Drüsenschwellungen | ||
| Chronische Gelenkerkrankungen: Ghicht, Rheuma, Arthrose | ||
| schmerzlindernd | ||
| beruhigend (sedativ) | ||
| Kalium, Flavonoide | harntreibend (diuretisch) | Harnverhalt, Wassereinlagerungen, Wassersucht (Ödeme) |
| Bitterstoffe | verdauungsfördernd | Verdauungsbeschwerden: Verstopfung, Blähungen, Vollegefühl; Verbesserung und Reinigung der Magensäfte, Darm-Entleerungsprobleme, Förderung der Freisetzung der Verdaaungshormone |
| Kalium | schweißtreibend | |
| belebend | ||
| blutreinigend | Dickblütigkeit | |
| choleretisch | Senkung des Cholesterin-Spiegels | |
| antioxidativ | ||
| antibakteriell | ||
| entzündungshemmend (antiphlogistisch) | chronische Hautentzündungen: Neurodermitis, Hautjucken | |
| stoffwechselanregend | Stoffwechselerkrankungen | |
| krampflösend (spasmolytisch) | ||
| Bitterstoffe | appetitanregend, speichelanregend | Appetitlosigkeit |
| immunstärkend | ||
| Bitterstoffe | gallensekretionsfördernd | Gallenleiden, Gallensteine, Anregung Gallentätigkeit, Störungen des Galleflusses |
| tonisierend | ||
| kräftigend | Vorbeugung von Erkältungen | |
| leberstoffwechselanregend | Lebererkrankungen, chronische Leberentzündung, Anregung der Lebertätigkeit, Fettleber, Leberzirrhose, Leberbeschwerden | |
| lymphanregend | Schwermetalle, auch nach Schwangerschaft gut um Schlacken auszuleiten, generell Entgiftung und Entschlackung | |
| bindegewebsstärkend | ||
| thrombozytenhemmend |
Anwendungsbeispiele
- Tee: in Kombination mit Brennessel als Blasen- und Nierentee, auch Blutreinugungs- und Entschlackungstee
- Löwenzahnhonig
- Salat: aus frischen, rohen Wurzeln und Blätter
- Suppe
- Sirup: (Nach Maria Treben)
"2 gehäufte Doppelhände voll Löwenzahnblüten werden in 1 Liter kalten Wasser zugestellt und langsam zum Sieden gebracht. Man lässt aufwallen, zieht den Topf von der Platte und lässt das Ganze über Nacht stehen. Am nächsten Tag leert man alles in ein Sieb, lässt abtropfen und presst die Blüten mit beiden Händen gut aus. In den Saft wird nun 1 kg Rohzucker eingerührt und eine halbe, in Scheiben geschnittene Zitrone (falls gespritzt - ohne Schale) dazugegeben. Mehr Zitrone macht säuerlich. Der Topf wird ohne Deckel auf die Herdplatte gestellt. Um alle Vitamine zu erhalten, wird nur Stufe 1 eingeschaltet. So verdunstet die Flüssigkeit ohne zu kochen. Man lässt die Masse 1x bis 2x erkalten, um die richtige Substanz des Sirups feststellen zu können. Er darf nicht zu dick werden, da er nach längerer Aufbewahrung kristallisieren würde, aber auch nicht zu dünn; er würde nach einiger Zeit zu säuern beginnen. Es muss ein richtiger, dickflüssiger Sirup werden, der auf die Frühstückssemmel oder auf das Butterbrot gestrichen, ganz herrlich schmeckt."
- Stängel: Täglich 5-10 rohe, gewaschene Blütenstängel gut kauen und essen
- Pflanzensaft; für eine "Blutreinigungskur" wird auch Frischsaft verwendet
- Löwenzahnwurzelextrakt
- Tinktur
- Gelee
- Löwenzahnwein: 1 Eimer frische Löwenzahnblüten, die mit 1 Eimer kochendes Wasser übergossen werden. Dieser Ansatz bleibt 3 Tage lang stehen. Anschließend fügen sie 1,5-2kg Zucker hinzu, Ingwerstückchen, die Schale einer Orange und einer Zitrone.
Daraufhin kochen sie alles zusammen eine halbe Stunde in einem großen Topf und lassen dann die Mischung ein wenig abkühlen. Geben Sie jetzt Hefe hinzu und gießen sie den Weinansatz in ein Mostfass. Nach 2 Gärtagen verschließen Sie das Fass. - Löwenzahnbier
- Blätter auf Brot
- Likör
- In Notzeiten: Wurzeln ernten, in der Pfanne angeröstet, in der Kaffeemühle gemahlen und als Kaffeeersatz getrunken (Muckefuck)
- Frühjahrskur
- Salbe
- Bestandteil homöopathischer Lymphmittel
- jungen grünen Blütenkörbchen als Kapernersatz
- Färbung von Butter (daher auch der Name "Butterblume")
Botanik
verwendete Pflanzenteile
- alles: Blätter, Blüten, Stängel, Wurzeln
Merkmale
- Höhe: bis zu 50cm
- Blätter: dreieckig gezähnten Lappen sind gefaltet
- Blüten: ungeschlechtlich, 100-200 zwittrigen, goldgelben Zungenblüten
- nach Verblühen: federartig umgebildeten Kelch (Pappus)
- Stängel: röhrig, hohl, Milchsaft enthalten
- Wurzeln: reichen tief, im Frühjahr bitterstoffreich; im Herbst bitterstoffarm, aber reich an Inulin; kräftig, rübenartig; Wurzel wird bei zweijährigen Pflanzen verwendet; bis zu 30cm tief; Milchsaft enthalten
- Boden: vorm einpflanzen Boden gut lockern, artenarmer, übersäuerter Böden
- Geruch: schwach, eigenartig
- Geschmack: bitter, würzig-aromatisch (v.a. Blätter), getrocknet: schleimig süß
- allg. robust, anpassungsfähig, anspruchslos
Vorkommen
- weltweit in allen Klimazonen
Fundorte
- Rasenflächen
- Rainen
- Wiesen, Heiden
- Grasflächen
- Müllhalden
Sammelhinweise
- Blütezeit: April - Mai als Hauptzeit, sonst übers ganze Sommerhalbjahr
- Sammelzeit: Frühjahr oder Herbst; Blätter vor der Blüte, Wurzeln Frühjahr oder Herbst, Stängel während Blütezeit
- Nebenwirkungen: Wechselwirkungen sind bisher nicht bekannt.
Quellen:
Quelle: "Gesundheit aus der Apotheke Gottes" von Maria Treben
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