Liebe Hivianer,
wir haben hier auf dem Blog schon viel über Geld, Geldarten und Wirtschaftsformen geschrieben und uns Begriffe und Meinungen um die Ohren gehauen.
Mein heutiger Anlass für diesen kurzen Text ist der neueste Podcast von Leroy und Stephan
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Kann man hier anhören:
@stehaller/stephan-and-leroy-folge-5-stephan-und-leroy-sprechen-ueber-geld
Erst mal im Voraus wieder Glückwunsch zur gelungenen Ausgabe. Leroy ganz hervorragend als Moderator und Stephan kenntnisreich und belesen wie eh und je.
Aber es gibt eben auch andere Ansichten.
Hier: Thema Kreditgeld.
Es wird oft behauptet, Kredit sei Geld. Aber das ist nicht wahr.
Kredit ist Kredit. Geld ist Geld.
Das können wir zweifelsfrei daran erkennen, dass Kredit immer auf Geld lautet. Also auf die Herausgabe von Geld.
Der Großmeister Alan Greenspan soll einmal gesagt haben:
Gold ist Geld, alles andere ist Kredit.
Und hier liegt der Hase im Pfeffer.
Kreditgeld (wenn es als Umlaufsmittel verwendet wird) erfüllt zweifellos die Prinzipien des freien Marktes. Zwei Parteien schließen einen Handel ab, der nicht sofort zur Zahlung fällig ist. Das Schuldpapier läuft in der Wirtschaft um und dient weiterhin als Zahlungsmittel. So weit so gut.
Die Frage die hier für die Historiker bleibt, ist, ob sich so ein Kreditgeld langfristig in einem freien Markt halten kann, wenn wir annehmen dürfen, dass die Durchschnittsverbraucher eher zu den greifbaren Sicherheiten eines Warengeldes (z.B. Gold etc.) tendieren.
Warum ist das so? nun, der Grund liegt auf der Hand. Gemäß dem Sprichwort „eher den Spatzen in der Hand, als die Taube auf dem Dach“ besitzen zu wollen, greifen Menschen zu handfesten Dingen und eher weniger zu Schuldversprechen.
In früheren Zeiten sind reihenweise Schuldner durch Hungersnöte, Kriege, durch Invalidität, Seuchen etc. ausgefallen. Die Gläubiger blieben auf ihren Schuldversprechen sitzen. Was liegt es da näher, sich eher früher als später bezahlen zu lassen und zwar in dem Geld, was andere Wirtschaftsteilnehmer ebenso als Geld anerkennen?
Das natürliche Geld muss zwei Eigenschaften besitzen. Vor seiner monetären Verwendung muss es als wertvoll erachtet werden. Und es muss sich als Umlaufsmittel physisch eignen.
Bei Kreditgeld ist das eben fraglich. Es entsteht aus dem freien Tausch heraus. Das haben wir oben schon festgestellt. Und dieser indirekte Tausch erzeugt ein Finanzinstrument; den Kredit.
Wenn der Schuldschein der einen Partei nun vom Gläubiger weitergegeben wird, so gehen einige Ökonomen davon aus, dass es sich um Geld handeln müsse. Aber es erfüllt nur eine Funktion des Geldes. Es ist lediglich physisch für den Umlauf geeignet (weil leicht transportabel), aber nicht wertvoll, denn wer kennt schon den Schuldner, sobald der Schuldschein durch die dritte oder vierte Hand gegangen ist? Niemand mehr! Eventuell kann die Verwendungsfähigkeit durch ein Bonitätsinstitut verlängert werden, aber das grundsätzliche Problem bleibt. Der Schuldner aus Birma, kann in Paris nur schwerlich beurteilt werden.
In so einem Fall wird der Zettel mit immer höheren Abschlägen in Zahlung genommen. Der gute Ruf des Schuldners ist entscheidend bei der Verbreitung, der eben nur einer kleinen Menge von Menschen bekannt sein kann. Natürlich gibt es größere Schuldner, wie bedeutende Konzerne, aber es ändert nichts am grundsätzlichen Problem.
Sollte der Schuldschein nun in der Wirtschaft umlaufen, so wird aus dem Kredit, Kreditgeld. Die Verbreitung des Kreditgeldes kann jedoch niemals der Verbreitung natürlicher Geldarten gleichkommen. Der Grund hierfür ist das in ihm innewohnende Risiko der Nichterfüllung. Bei Zahlungen mit Bargeld (auch digitales!) gibt es unmittelbare Verfügungsgewalt über physisches Geld. Im Fall der Zahlungsunfähigkeit eines Schuldscheinemittenten wäre der betroffene Schuldschein dagegen lediglich ein Stück Papier und damit wertlos.
Es darf daher nicht weiter überraschen, dass Kreditgeld sich oftmals nur dann verbreiten konnte, wenn der betreffende Kredit in Einheiten eines Warengeldes ausgedrückt wurde und wenn die Bonität des Emittenten über jeden Zweifel erhaben war. Und oftmals auch nur dann, wenn es die Möglichkeit bot, einer Regierung schnell mit der zum Führen eines Krieges benötigten Summe auszustatten.
So geschehen bei der Gründung der Bank von Stockholm 1656, zur Finanzierung des Russisch-Schwedischen-Krieges (1656-1658), der Bank von England 1694, zur Finanzierung diverser Seekriege gegen die Holländer und Spanier, im amerikanischen Bürgerkrieg, bei den französischen Assignaten zur Führung eines Großkrieges gegen den Rest Europas usw. Die Liste ist lang. Kreditgeld ist Kriegsgeld. Warengeld ist das Geld des kleinen Mannes.
Kreditgeld ist nur eine abgeleitete Geldart. Seinen Wert erhält es aufgrund einer erwarteten zukünftigen Einlösung gegen eine Ware/Dienstleistung.
Warum beziehen sich sonst fast alle Gelder dieser Welt auf Münzen aus Metall oder aufgrund einer Gewichtseinheit?
Schon mal darüber nachgedacht?
Hier eine unvollständige Liste:
Dollar – leitet sich von Taler ab, einer Silbermünze
Mark – ursprünglich eine germanische Gewichtseinheit
Pfennig – Silberpfennig
Groschen - Silbermünze
Schilling – Herleitung aus dem germanischen „Schilding“, etwa etwas schildartiges
Schekel – vorderasiatisches Gewichtsmaß
Solidus – römische Gold-Standardmünze, fast eintausend Jahre im Umlauf!
Franc – auch Franken, eine Gold- und Silbermünze
Livre – Vorgänger des Francs und Silbermünze, Pendant zu engl. Pfund
Pfund – eine Gewichtseinheit
Lira – ursprünglich an den Franc gebunden, einer Münze
Dinar – islamische Goldmünze
Denar – römische Silbermünze
Drachme - ist eine antike Gewichts- und Münzeinheit.
Rubel - das Wort Rubl bedeutet ursprünglich so viel wie ‚abgehauenes (Stück)‘ eines edlen Metalls, Hacksilber
Rupie - der Begriff „Rupie“ leitet sich von dem altindischen Wort rūp oder rūpā mit der Bedeutung „Silber“ her
Yen – japanisch für „runder Gegenstand“
Schweizer Franken - Ein Franken entsprach 10 bernischen Batzen oder 6,614 Gramm reinem Silber oder 1,4597 französischen Franken
Peso – spanisch für „Gewicht“
Dukat – spätmittelalterliche Goldmünze
Immer ging es um Feingehalte oder Gewichtsbestimmungen. Niemals um Schuldbeziehungen.
Was nicht heißen soll, das nicht beides nebeneinander existieren kann oder soll. Wir sehen historisch betrachtet die lange Tradition beider Geldarten und beide haben bis heute überlebt. Aber eine davon nur, durch tatkräftige Mithilfe elitärer Kreise, die Staaten lenken und von Kreditgeld massiv profitieren. Aus diesem Grunde darf es wieder nicht verwundern, dass der Großteil unseres heutigen kreditierten Geldes auf Staatsanleihen beruht. Und das sollte uns zu denken geben.
Das nur soviel zum Thema Kredit(geld).