Ich nehme einen aktuellen Spiegel-Artikel zum Anlass um einen einfachen Lösungsansatz für die Reduzierung von Tabaktoten darzulegen.
Ich beziehe mich auf diesen Artikel vom SPIEGEL hier
Der Autor bedauert zu recht, dass die vielen Tabaktoten kaum gezählt, betrauert und bedauert werden. Die Öffentlichkeit ist momentan anderweitig beschäftigt, ihr Leben irgendwie in dem ganzen Chaos zu ordnen und neu auszurichten, so dass da keine Zeit bleibt über eine Todesfolge nachzudenken, die fast 350 Menschen das Leben kostet. Jeden einzelnen Tag im Jahr!
Angeblich sterben 127.000 Menschen an Tabakkonsum jedes Jahr in Deutschland. Kaum zu glauben. Aber von diesen Menschen spricht niemand. Man hat sich daran gewöhnt. Gestorben wird immer.
Die Zigarette ist eine Massenvernichtungswaffe.
Und nun endet auch schon meine Übereinstimmung mit dem Autor. Was jetzt folgt ist die Auslebung des üblichen Ich-bin-ein-Intellektueller-Bessermensch-und-weiß-wie-es-geht-Reflex.
Doch wir haben uns an dieses millionenfache Leiden und Sterben über Jahrzehnte hinweg gewöhnt. Und tun deshalb nichts dagegen.
Dagegen was tun! Ja wenn es dabei bliebe, die Menschen aufzuklären. Aber "dagegen was tun" ist ernst gemeint und wird mitunter sehr übergriffig.
Eine Prohibition wäre wohl nicht mehrheitsfähig, vielleicht auch überzogen. Aber der Staat würde schon viele Leben retten, wenn er das Produkt Zigarette unattraktiver machen würde.
Genau, der Staat, der mit Tabak gutes Geld verdient.
Laut der »Tobacco Control Scale« wird die Zigarettenindustrie von keinem EU-Staat so lax reguliert wie hierzulande. Deutschland ist der Paria in der Tabakkontrolle.
Es wird natürlich wieder viel zu lax reguliert. Also ich weiß nicht: Es darf kaum noch geworben werden. Kinder und Jugendliche bekommen keine Zigaretten. In den Supermärkten sind sie verschlossen und dürfen nur nach Aufforderung des Kunden entriegelt werden. Auf den Packungen befinden sich Ekelbilder die jedem Horrorfilm das Wasser reichen können (vielleicht müssen sie deshlab weggeschlossen werden?).
Also wenn das keine Regulierung ist, was dann?
Aber das reicht nicht, meint der Autor. In Großbritannien ging die Regierung noch weiter. Dort wurden die Zigaretten so hoch besteuert, dass sich der Preis verdoppelte. Und die Packungen wurden einem sog. Plain Packaging unterzogen. D.h., weil der Kunde zu blöd ist, sich nicht mit einer Marke zu indentifizieren, haben sich die Tabakblockwarte gedacht, dass jede Packung gleich hässlich aussehen sollte, denn nur so ließe sich das Verhalten der Spezies Raucher lenken und maßregeln.
Die Uniformschachteln sollen es Rauchern schwer machen, sich mit einer Marke zu identifizieren. Sie sind zu hässlich, um sie vor sich auf dem Bartisch zu legen.
Alles im Namen der Menschlichkeit natürlich.
All das scheint Wirkung zu zeigen: In Australien, das als Erstes eine umfassende Anti-Tabak-Politik startete, wie auch in Großbritannien sind die Raucherquoten über die Jahre drastisch zurückgegangen. Millionen Jugendliche haben gar nicht erst angefangen.
Und natürlich darf die Erfolgsmeldung nicht fehlen. Weil wir diese Maßnahmen eingeführt haben, passierte dieses und jenes...
Der Autor verschwendet keinen Gedanken daran, dass die Maßnahmen genau zu dem Zeitpunkt umgesetzt wurden, als die Menschen ohnehin schon seit Jahren dem Fitness- und Gesundheitstrend Folge leisten und entsprechend auch weniger rauchen. Ganz freiwillig!
In Deutschland hingegen diskutieren die verantwortlichen Politiker nicht einmal ernsthaft über Plain Packaging. Woran liegt es?
Vielleicht an einer weiteren deutschen Besonderheit: Selbst nach dem Ende der Plakatwerbung im übernächsten Jahr soll Sponsoring erlaubt bleiben – etwa von Parteitagen. Die lassen sich CDU und SPD noch immer von der Zigarettenlobby mitfinanzieren.
Der Grund ist natürlich schnell ausgemacht. Die Politik läßt sich schmieren von den Konzernen! Unterste Schublade!
Aber Schwamm drüber, das Geheule ist niemandem verborgen geblieben. Ich will nicht nur meckern, sondern meinen Vorschlag gleich hier feilbieten.
Um uns das ganze Theater des Katz-und Mausspieles und unzählige Stellen im Apparat zu ersparen, die uns nur Wohlstandverluste einbringen, liegt die Verantwortung natürlich bei den Versicherern. Jeder Mensch hat eine Geundheitsversicherung (heute: Krankenversicherung). Gefährliche Hobbys, wie auch krankmachende Süchte müssen sich entspechend in den Prämien widerspiegeln. Im Moment zahlt ein Raucher genauso viel in die Kasse ein, wie ein Nichtraucher (wenn sie beide das gleiche verdienen).
Das jedoch ist sozial ungerecht. Da Raucher in ihrem Leben ein vielfaches an Kosten im Gesundheitssystem verursachen, müssen sie selbstverständlich zur Kasse gebeten werden. Dafür fehlt es dann aber auch an anmaßender Maßregelung und Besteuerung der Glimmstengel.
Die Folge: Das Rauchen wird dermaßen teuer (teurer als der Staat es je über Steuern bewirken könnte ohne Ausweichbewegungen zu provozieren), dass sich Rauchen für meisten nicht mehr lohnen würde. Nichtraucher könnten entlastet werden, weil ihre Kosten ja entsprechend geringer sind. Im Moment zahlen sie die Kosten der Raucher mit.
Das Leben könnte so einfach sein, dafür müsste jedoch die Politik das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung aufgeben und jeden Versicherten individuell einstufen.
Ob wir das noch erleben dürfen?