Liebe Hivianer,
ein Artikel von und
motivierten mich heute mal wieder ein paar Zeilen zum Thema Geld für die Ewigkeit auf die Blockchain zu schreiben.
Die Artikel von den beiden findet Ihr hier:
@obvious/grundlagenforschung-zum-thema-geld
@stehaller/geld-ein-futures-kontrakt-in-contango
Stephan antwortet mit seinem Artikel auf und auf Kommentare von
und
.
Vorab sei gesagt, dass mir das Niederschreiben der Zeilen hier mal wieder guttut. Eine willkommene Abwechslung, zum Mega-Thema Corona.
Lasst uns loslegen!
Warum wird das Thema Geld so emotional diskutiert? Und das schon seit Jahrzehnten, wenn nicht seit Jahrhunderten? Wir haben sicherlich noch anderes zu tun im Leben als uns immer darüber zu unterhalten, wieviel Geld wir erhalten oder ausgegeben haben oder was wir noch ansparen müssen um dieses oder jenes Ziel zu erreichen. Oder, oder...
Alles was man für die Erlangung von Geld tun muss, ist das Aufwenden von Lebenszeit. Zumindest, wenn man kein großes Erbe übertragen bekommen hat.
Und Lebenszeit ist diejenige Ressource, die auf dieser Erde auf jeden Fall begrenzt ist und wir können mit Sicherheit sagen, dass unsere Zeit ablaufen wird und wir alle irgendwann in der Kiste landen werden. Wenn man dann noch bedenkt, dass wir ca. ein Drittel unseres Lebens schlafend verbringen, so bleiben einem 80-Jährigen also "nur" noch 53 Jahre und 4 Monate, die er sinnstiftend verbringen kann. Wenn wir dann noch berücksichtigen, dass ein Arbeitsleben von 40 Jahren ebenfalls nochmal 10.000 Arbeitstage zur Befriedigung der elementaren Bedürfnisse verschlingt, dann sind von den 53,3 Jahren noch ca. 48,6% übrig, oder anders gesagt; 26 Jahre. Von diesen 26 Jahren sind wir noch ca. 16 Jahre auf unsere Eltern (oder andere Erwachsene) angewiesen und in unseren Handlungen stark (Kleinkind) bis mäßig eingeschränkt.
Kurzum, wenn wir bis ins hohe Alter gesund bleiben und nicht bettlägerig werden odgl., dann haben wir noch 10 Jahre zur freien Verfügung.
In diesen 10 Jahren haben wir Zeit für die Familie, für Freizeit, Hobbys, Investieren und Einkaufen.
Wer gibt schon gern zu, er habe seine Zeit mit Nutzlosem verschwendet. Selbst wenn es so wäre, so hätte sich diese Person das freiwillig ausgesucht. Anders sieht es aus, wenn den Menschen von den verbleibenden 10 Jahren, Monate oder gar Jahre "gestohlen" werden, ohne dass sie dies beeinflussen könnten. Und genau an diesem Punkt wird das Thema emotional.
Einige Gerichte bzw. Versicherungen können so etwas sogar im Falle einer Berufsunfähigkeit odgl. ausrechnen, indem sie zukünftige Verdienste nehmen und daraus die Barwerte bilden.
Merksatz: Lebenszeit ist kostbar.
Was die Versicherungen können, können wir auch tun. Wenn ich zum Beispiel mein jetziges Netto-Einkommen nehme und dieses bis zu meiner Rente mit 67 Jahren (solange will ich aber nicht arbeiten!) und eine 4,6%-Lohnsteigerung unterstelle (wie in den letzten 20 Jahren) und die Jahreswerte aufsummiere und die Summe mit dem Marktzins (Zinssatz für 30jährige US-Staatsanleihen momentan 2,3%) bis auf den heutigen Tag abzinse, dann erhalte ich einen Wert von € 787.000. (Der Wert versteht sich ohne mögliche Kursgewinne und Dividenden, die ich an der Börse erzielen kann.)
Würde ich heute also durch Fremdverschulden berufsunfähig werden, würde mir ein Gericht diese Summe als Schadenersatz zusprechen, weil ich diese ja real noch hätte erarbeiten können.
D.h. das ist die maximale Geldmenge, die ich in meinem Arbeitsleben unter den o.g. Prämissen noch erwerben kann. (Laut Rentenanstalt darf ich ab 67 eine monatliche Rente in Höhe von knapp 1200 € erwarten.)
Alles in heutiger Kaufkraft gemessen natürlich!
Und hier sind wir schon voll im Thema.
Steigen zum Bsp. die Preise schneller als mein Einkommen, verliere ich real. Das wäre ziemlich ärgerlich, weil ich mein Nettoeinkommen nur bedingt steigern kann. Ich bin auf die mithilfe meines Arbeitgebers angewiesen. Alternativ wäre die Selbständigkeit auch eine Option, dann bin ich auf die mithilfe meiner Kunden angewiesen. Kann man die Preise des eigenen Produktes ebenfalls mit der Preisinflation anziehen oder nicht? Eine oft gestellte Frage.
Aus diesem Grund braucht es nicht viel Fantasie, einen realen Geldeinkommensverlust für Armut verantwortlich machen zu können.
Genau das passiert seit Regierungen sich in den Geldmarkt einmischen und entweder Geld selbst herausgeben und es zu gesetzlichem Zahlungsmittel erklären, oder die Annahme ihres Geldes erzwingen (teilweise auch unter Androhung der Todesstrafe bei Zuwiderhandlung) oder das Bankenwesen "regulieren".
Egal welcher Form des Geldwesens sich der Staat bemächtigt, die Menschen die darin leben müssen verlieren! Und zwar Lebenszeit! Sie arbeiten dann nicht für sich selbst, sondern für andere. Und das macht auf Dauer unzufrieden und revolutionsanfällig. Oftmals mit dem Ergebnis der totalen Zerstörung durch Krieg oder Bürgerkrieg. Soweit wir in die Historie zurückschauen, können wir sagen; ein Großteil der Revolutionen wollte entweder Steuersätze nach unten korrigieren oder nicht mehr mit Geld des Staates bezahlen, weil es ständig abwertete.
Es gibt m.E. nur eine einzige Denkschule, die sich diesem Problem umfassend angenommen hat und aus dem menschlichen Handeln a priori heraus erklärt wie Preise und damit wirtschaftliches Handeln zustande kommen.
Das ist die Österreichische Schule der Nationalökonomie.
Ich habe bisher keine andere Denkschule erlebt, die den Menschen so sehr in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen stellt und ausgehend vom menschlichen Handeln Wirtschaft und Konjunkturzyklen erklären kann.
Carl Menger, der Urvater der ÖS, sagte einst: "Wirtschaft beginnt und endet mit dem Menschen." eine gelungene Kurzform für die oft strapazierte Kurzform "Märkte haben immer recht." Menschen bilden Märkte. Märkte sind Menschen. Wer behauptet der Markt sei unsozial oder brutal odgl., der sagt auch, dass Menschen unsozial seien usw. Das ist schlichtweg falsch.
Selbst wenn man der ÖS nicht angehört oder ihre Ideen verwirft, so müsste man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können und sagen, dass wir die Marktteilnehmer entscheiden lassen sollten, welches Geld sie denn als Geld benutzen wollen. Also eine Art Geldwettbewerb zulassen. Das Beste wird sich durchsetzen. Damit wären die meisten Geldarchitekturen wie MMT odgl. aus dem Rennen, denn die bauen immer auf einen Staat, der sich in irgendeiner Weise ins Geldwesen einmischen muss, damit ist es nach dem Entwurf einiger Intellektueller "funktionieren" kann.
Viele andere Denkschulen haben mechanistische oder nominalistische (Geld-)Theorien aufgestellt, in denen der Mensch überhaupt nicht vorkommt.
Ich habe vor kurzem erst das MMT-Werk „Mythos Geldknappheit“ von Maurice Höfgen gelesen. Darin nicht einziges Wort davon wie wohl die Menschen auf sein MMT-Modell reagieren würden. Gibt aus Ausweichstrategin der Marktteilnehmer oder unbeachtete Ungerechtigkeiten? Nein, mit Geld können wir uns alles kaufen, was wir benötigen, so das Credo. Der Autor erwähnt zwar auch, dass alle Mittel nur durch die Menge der Ressourcen begrenzt sind, aber Geld sei nicht begrenzt. Dies könne man unendlich viel produzieren und jedem eine Arbeitsplatz-Garantie finanzieren. Trotz meiner österreichischen Vorbildung, habe ich mich wohlwollend auf das Werk eingelassen und anerkenne durchaus die guten Absichten des Autors. Allen Menschen soll es gutgehen, allen soll eine Arbeit zuteil werden und alle sollen vom erarbeiteten gut leben können. Allein die Fantasie fehlt mir, wie das funktionieren soll, wenn der Staat nach seiner Maßgabe Geld erzeugt und es über die Menschen ausschüttet. Wer sich mit der Praxeologie/Katallaktik (Lehre vom menschlichen Handeln) auch nur oberflächlich beschäftigt hat und sein eigenes Verhalten reflektieren kann, der weiß was passiert.
Diese Form des Kreditgeldes ist m.M.n. keine Lösung für unsere Geldprobleme. Sie wird das letzte soziale Bindeglied zwischen den vergesellschafteten Menschen zerstören und damit die menschliche Gesellschaft auflösen.
Unser heutiges Fiatgeld basiert zum Großteil auf der Ausgabe von Staatsschulden und ist mit ihm quasi verschmolzen. Geld sind Staatsschulden und Staatsschulden sind wie Geld.
Und hierin liegt unser großes Problem. Staatsschulden lenken die Wirtschaft, weil sie Geld nahfragewirksam am Markt platzieren. Man könnte auch sagen, es werden private Bedürfnisse verdrängt und staatliche Bedürfnisse vorrangig bedient.
Ein einfaches Rechenbsp. mag das verdeutlichen: Eine Wirtschaft die 100% von privaten Interessen gelenkt wird, hat ein BIP von 100 GE (Geldeinheiten). Dann wählen sie sich eine Regierung (warum auch immer) und erlauben ihr 100 neue GE zu erzeugen. Im nächsten Jahr beträgt also das BIP 200 GE, davon hat der Staat also 50% beigesteuert und die private Quote auf 50% zurückgedrängt. So kann der Staat das BIP beliebig beeinflussen. Aus diesem Grunde halte ich das BIP als Kennzahl in den Wirtschaftswissenschaften für ungeeignet. Theoretisch müßte man alle staatlichen Leistungen herausrechnen. Dann sähen wir die tatsächliche private Wertschöpfung.
Zum Bsp. können die Staatsvertreter mittels Rüstungsausgaben das BIP in die Höhe treiben, ohne das es irgendwie eine Art Wertschöpfung hätte. Wir denken das BIP steigt, aber bei uns kommt davon nichts an, weil wir nichts davon haben. Das Argument „höhere Sicherheit“ lasse ich nur bedingt gelten. Auch im Bereich des Gesundheitswesens könnte man das beobachten. Der Staat kann zum Bsp. anordnen, dass sich alle Bürger jedes Quartal impfen lassen und auf Viren alle 12h testen lassen müssen. Auch hier sind die Folgen verschobene Vermögen und ein gesteigertes BIP. Der Nutzen lautet offiziell auch hier wieder „höhere Sicherheit“, aber ob das immer stimmt, überlasse ich Eurer Fantasie.
Das ganze wird natürlich zumeist mit dem Geld aus Staatsschulden finanziert. Das Staatsschulden aber niemals zurückgezahlt werden, sondern immer weiter gerollt werden, steigt auch immer weiter der Anteil des Staates am BIP, es sei denn die Privatwirtschaft kann schneller wachsen, als der Staat über seine Schulden an Geld einnehmen kann.
Der Nutzen von Geld, das mittels Staatsschulden ins Leben tritt, darf stark angezweifelt werden, da die Staatsvertreter, die das Geld mit vollen Händen ausgeben, dem Hayek´schen Wissensdilemma unterliegen. Sie besitzen nicht genügend Informationen um die optimalste Versorgungsmenge mit Gütern oder Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Sie produzieren entweder zu wenig oder zu viel oder auch gar nichts, wenn es unter Strafe steht, je nach politischer Lage und machen dabei aber einigen wenigen Wirtschaftsteilnehmern die Taschen voll. Logisch!
Merksatz: Schulden sind nicht schlecht, Staatsschulden sind schlecht!
Das Maß der Höhe der Staatsschulden in einer Volkswirtschaft ist demnach ein Maß dafür, wieviel Verschwendung im System vorherrscht. Anders ausgedrückt, die Kosten müssen im System steigen je mehr Menschen im System ernährt werden müssen, die keinen Mehrwert bzw. im Verhältnis zu ihrem Lohn einen geringeren Mehrwert der Gesamtheit der Wirtschaftsteilnehmer liefern.
Diese Menschen werden zumeist über ein kompliziertes, wenig transparentes Finanzierungssystem irgendwie am Leben der Gesellschaft beteiligt. Das sind Politiker, Beamte, Angestellte im öffentlichen Dienst, Asylbewerber die nicht arbeiten dürfen, Asylbewerber die nicht arbeiten wollen, Menschen die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, alle Berufsgruppen die über staatliche Vorgaben (Abrechnungstabellen) ihren Lohn beziehen wie Rechtsanwälte, Steuerberater, Notare, Schornsteinfeger etc.
All diese Ausgaben werden über Steuern und Staatsschulden finanziert und bewirken eine Umverteilung, die eigentlich nicht im Sinne der Wirtschaftsteilnehmer ist. Sie folgt politischen Willensbekundungen.
Und diese Kosten müssen im Gesamtsystem von jemanden zu tragen sein. Und das geschieht meines Erachtens über gestiegene Preise. Auch die Profiteure zahlen erhöhte Preise, aber eben nur ein Bruchteil, den Großteil zahlen die Nicht-Profiteure staatlicher Ausgabenlust.
Aus diesem Grunde greift das MMT-Argument von der Lohnerschaffung zu kurz. Es wird von Befürwortern nämlich immer geaussagt, dass durch Staatsausgaben jemand in Lohn und Brot steht und seine Familie ernähren kann. Ja, klar, aber auf Kosten aller Anderen! Zumal seine Wertschöpfung in Zweifel zu ziehen ist, weil er sich nicht dem Markt anbieten muss.
Wir können auch jemanden anstellen, der ein Loch buddelt und es im Anschluß wieder zuschüttet. Dann haben wir Arbeit geschaffen! Es bedarf keiner weiteren Erläuterung und Überzeugungskraft das uns das als ganze Volkswirtschaft Wohlstand kostet als das hier Wohlstand geschaffen wird.
Merksatz: Es machen immer mehr Produkte und Dienstleistungen eine Gesellschaft reicher, aber nicht um jeden Preis!
Mißwirtschaft kann man Beamten schwerlich vorwerfen, durch die Wissensasymmetrie können sie schlichtweg nicht wissen, wie die von ihnen eingetriebene Ressourcen effizient eingesetzt werden sollen. Und so beschäftigt die deutsche Volkswirtschaft Unmengen an Arbeitskräften, die schwachsinnige Aufgaben erfüllen (sog. Bullshit-Jobs nach David Graeber). Und diese Jobs kosten uns alle zusammen enorm viel Geld und das holt sich das System eben über gestiegene Preise zurück.
Ich will es hierbei erst einmal belassen, der Artikel ist länger geworden als ich beabsichtigt hatte.
Das Thema Notenbanken und Kreditgeld (teilweise) habe ich komplett aussen vor gelassen, gehören hier aber eigentlich mit hinein. Dazu vielleicht später nochmal ein Extra-Artikel.
Beste Grüße
Euer Eisenbart