Hallo zusammen
Heute geht die Märchenreihe, der Jahreszeiten, weiter.
Es war einmal in einem Land, in dem die Jahreszeiten wie alte Freunde miteinander tanzten. Der Sommer, ein kraftvoller und lebendiger Begleiter, hatte die Erde mit Wärme und Leben erfüllt. Die Blumen blühten in vollen Farben, die Felder waren reich und die Tage lang und sonnig. Doch eines Abends, als der Wind sanft über das Land strich, spürte der Sommer, dass sein großer Moment sich dem Ende zuneigte. Es war an der Zeit, den Herbst zu empfangen.
Der Sommer war ein leidenschaftlicher Freund der Sonne, die immer höher stieg und das Land mit Glanz überzog. Doch auch er wusste, dass die Sonne langsam die Reise in den Süden antreten musste, und dass ein neuer Begleiter bald das Land betreten würde.
„Es ist an der Zeit, dem Herbst den Weg zu zeigen“, flüsterte der Sommer zu sich selbst, als er den Blick auf die goldenen Felder richtete, die das Land übersäten. „Aber wie soll ich ihm den Übergang ermöglichen?“
Da trat ein alter, weiser Vogel aus den Bäumen hervor. Seine Federn schimmerten silbern im Dämmerlicht, und seine Augen sahen aus wie zwei klare, tiefe Teiche, die die Geheimnisse der Erde kannten.
„Du hast die Sonne geführt, Sommer, und die Erde mit deiner Wärme gesegnet. Aber der Herbst kommt, wenn die Zeit reif ist“, sagte der Vogel mit sanfter Stimme. „Der Herbst wird der Erde eine Ruhe schenken, die sie braucht, und eine Veränderung, die Schönheit bringt. Doch du musst ihm den Weg bereiten.“
„Wie kann ich ihm helfen?“ fragte der Sommer.
„Der Herbst braucht keine Sonne, die ihm den Weg leuchtet“, erklärte der Vogel. „Er braucht den sanften Übergang von Wärme zu Kühle, den Tanz der Farben und die Vorbereitung für den kommenden Winter. Du musst den Himmel ein wenig dämpfen, den Wind einladen und die ersten Früchte der Erde präsentieren.“
Der Sommer nickte nachdenklich. Er spürte die erste Kühle des Windes, der aus den Bergen kam, und hörte das Rascheln der Blätter, die langsam ihre grüne Farbe begannen zu verlieren. Es war Zeit, die Ernte einzuläuten.
„Lass uns ein Fest feiern“, sagte der Sommer und winkte dem Wind. Der Wind, ein fröhlicher Geselle, kam herbei und wehte die ersten goldenen Blätter von den Bäumen. Die Sonne schickte ihre letzten warmen Strahlen, während der Sommer sanft die Zeit einläutete, in der die Farben der Bäume begannen, sich zu verändern. Die grünen Blätter der Wälder wurden allmählich in leuchtendes Rot, Orange und Gelb getaucht, als ob der Herbst sie in ein buntes Kleid hüllte.
Der Sommer nahm einen letzten tiefen Atemzug und begann, sich von der Erde zu verabschieden. Der Herbst, nun bereit, kam mit einem sanften, kühlen Wind, der den Sommer umhüllte und ihn auf eine Reise weit weg in den Süden schickte.
„Danke, Sommer“, sagte der Herbst, während er die kühlen Nebelschwaden über das Land zog und die ersten Äpfel und Kürbisse zur Ernte einlud. „Du hast die Erde vorbereitet, jetzt werde ich sie mit der Ruhe der Farben und der Ernte segnen.“
Und so ging der Sommer fort, und der Herbst füllte die Luft mit einem Hauch von Geheimnis und Zauber. Es war die Zeit der Ernte, der Feste, und der letzten goldenen Tage, bevor die kalte Jahreszeit sich ankündigte.
Und jedes Jahr, wenn der Sommer dem Herbst den Weg ebnet, geschieht der Übergang sanft und voller Poesie. Die Farben des Waldes erzählen von der Weisheit des Wandels, und die Erde bereitet sich auf die Ruhe des Winters vor. So endet das Märchen des Sommers, der den Herbst willkommen hieß, und der Herbst, der mit einem leisen Lächeln das Land in seine kühle Umarmung nahm.
Gruß Frank