| Fliegen wird mit Öko-Kerosin umweltfreundlich, braucht aber dafür gewaltige Flächen und eine große Zahlungsbereitschaft. |
Riesenerfolg deutscher Ingenieurkunst, deutscher Schöpferkraft und deutscher Klimamühen: Im nordwestdeutschen Emsland wurde jetzt die weltweit erste Industrieanlage angefahren, die in der Lage ist, den Flugzeugkraftstoff Kerosin "im industriellen Maßstab synthetisch herzustellen" wie die staatliche Deutsche Welle meldet. Ein Meilenstein der Ära Merkel, die von Anfang an vom Willen geprägt war, die Welt zu retten. Der neue technologische Meilenstein, vor seiner öffentlichen Enthüllung sorgfältig versteckt in einem kaum bekannten Landstrich am Mittellauf der Ems im westlichen Niedersachsen und im nordwestlichen Nordrhein-Westfalen, weist nun den Weg in eine klimaneutrale Zukunft, die es den Menschen weiterhin erlauben wird, ohne Verzichtsängste und Schuldgefühle zu fliegen.
Ein deutscher Durchbruch
Denn die "erste Fabrik zur Herstellung von CO² neutralem Kerosin" (DPA) verwendet Windkraftstrom, um in einem aufwendigen Elektrolyse-Verfahren Wasserstoff herzustellen, der danach in einem ebenfalls aufwendigen chemischen Prozess unter Zuhilfenahme des "Klimagases Kohlendioxid" (DPA) und diverser Lebensmittelreste in Kerosin verwandelt wird.
Die Anlage, nicht einmal so groß wie ein Fußballplatz, erzeugt euphorisierten Medienberichten zufolge am Tag fast 1.300 Liter Öko-Kerosin. Um den weltweiten Bedarf von etwa 365 Milliarden Liter Kerosin zu decken, bedürfte es nur noch einer Erweiterung der Anlage um zirka 300 Millionen weitere Fußballfelder.
Es ist ein echter deutsche Durchbruch zum klimaneutralen Fliegen. Aber da Deutschland selbst nur über eine Gesamtfläche von etwa 50 Millionen Fußballfeldern verfügt - umgerechnet 139 Saarländer bei einem gesamten Flächenbedarf der Öko-Kerosin-Industrie von etwa 850 Saarländern - sind die europäischen Partner gefragt. Um "grünes Kerosin für die Wende am Himmel" (ZDF) in ausreichender Menge herzustellen, müssen alle Mitgliedsstaaten der EU ausnahmslos die Hälfte ihrer Landfläche bereitstellen. "So kann's gehen" (Die Zeit), das "Fliegen mit Wasserstoff ohne dem Klima zu schaden".
Fliegen auf den Flügeln der Fantasie
Ein wenig sehr viel mehr Wind- und Solarenergie, ein wenig mehr europäische Entschlossenheit, ein wenig mehr Euphorie über ganz kleine Schritte und kein kleinteiliges Kritisieren von Flächenbedarf und Produktionskosten. Wie es gehen kann, haben die deutschen Medien in den Festtagsartikeln zur Einweihung der Emsländer Kleinstanlage beispielhaft gezeigt: Die Information, dass die "Lufthansa der größte Abnehmer sein" (DPA) werde, stimmte Fluggäste landauf, landab froh. Denn jedem ist klar, dass " auch der Luftverkehr seinen Beitrag leisten muss", wie die eigens angereiste Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zur Eröffnung klarstellte.
Dass die Jahreskapazität der Anlage nicht einmal reicht, einen einzigen Airbus auch nur den viertelsten Weg von Frankfurt nach New York zu tragen, fiel hingegen unter den Tisch. 25.000 Liter grünes Kerosin produziert Deutschland Vorzeigefabrik im Jahr. Ein Passagierjet braucht für die Strecke nach New York 115.000 Liter braucht - weder bei "Tagesschau" noch bei der FAZ oder beim Deutschlandfunk reichte der zur Verfügung stehende knappe Platz im Internet, um diese störende Tatsache mitzuteilen, die Teile der Bevölkerung womöglich doch hätte irritieren können.
Große Chancen in deutschen Medien
Schließlich sieht die scheidende Umweltministerin
in der Produktion von Öko-Kerosin "große wirtschaftliche Chancen für Deutschland". Bald werde die ganze Welt dem emsländischen Vorbild nacheifern und grünen Sprit kochen. Denn wenn die ehemalige Heimat von Dichtern, Denkern und Ingenieuren jetzt "zeige, dass diese Technologie funktioniert, schafft das auch neue Exportchancen für den Anlagenbau", erklärte Schulze.
Chancen, die für jedermann mit Händen zu greifen sind, der nicht in einem deutschen Medienhaus, in einer deutschen Fernsehanstalt oder einem deutschen Ministerium arbeitet. Derzeit kostet ein Liter Kerosin an der Flugzeugtankstelle um die 33 Cent. Ein Liter Klima-Kerosin hingegen schlägt in der Herstellung mit fünf Euro zu Buche.
Die Betankung eines Airbus mit Zielort New York, die derzeit etwa 40.000 Euro kostet, wäre ökologisch nachhaltig mit Emsländer Bio-Treibstoff schon für knapp 600.000 Euro zu haben. Allerdings müssten die Fluggäste die Bereitschaft mitbringen, statt wie bisher etwa 80 Euro für ihren Treibstoffanteil künftig um die 1.300 Euro zu zahlen - plus Umsatzsteuer, Luftverkehrsabgabe, Flughafenentgelte, Servicepauschale und Luftsicherheitsgebühr. Ein Flug in die USA würde, der augenblicklichen Preisformel der Fluggesellschaften folgend, dann nicht mehr 800 oder 900 Euro kosten. Sondern um die 5.000.
Treibstoff des Ausstiegs
Klima-Kerosin ist damit, wie der Klimaforscher und
Schirmherr der Produktionsanlage, Mojib Latif, betont, "angesichts
extremer Wetterereignisse und aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Klimakrise" der Sprit der Stunde, der Treibstoff zum Ausstieg aus der Internationalität und dem weltweiten Tourismus, das Agens, das das Fliegen zum Erliegen bringt, soweit es normale Menschen mit ganz gewöhnlichem Einkommen betrifft. "Die Gesellschaft ist bereit für entschiedene Schritte. Wir müssen beim Klimaschutz nicht auf die großen Ölkonzerne warten".