Unsere Auswanderung aus Deutschland auf die Philippinen rückt immer näher, unser Flug über Frankfurt via Singapur nach Manila ist für Anfang März gebucht. Ein Rückflugticket gibt es nicht:
Denke ich an diesen Flug, kommt mir stets der Song "Major Tom" ("Völlig losgelöst von der Erde schwebt das Raumschiff schwerelos ...") von Peter Schilling in den Sinn - eine Reise in die Freiheit und ins Ungewisse zugleich.
Auch mein Arbeitgeber weiß mittlerweile Bescheid, wobei ich es mir nicht nehmen ließ, mein Kündigungsschreiben mit einer Prise Ironie zu würzen:
Hallo Herr xxx,
über viele Jahre hinweg haben wir gestritten, gelitten, gefeiert und triumphiert, aber nun neigt sich meine Zeit an der Microsoft-Universität des Sparlandes dem Ende zu, während mir aus den sich öffnenden Pforten einer neuen Ära bereits der betörend-inspirierende Duft grenzenloser Freiheit entgegenweht.
Im Anhang finden Sie meinen unterschriebenen Antrag auf Entlassung aus dem Dienst zum 29.02.2024.
Abgesehen davon heißt es derzeit, Verträge über Verträge zu kündigen (Versicherungen, Strom, Stadtwerke, Abfallentsorgung, Internet, Mobilfunk usw. usf.), Dokumente zu besorgen, wie z. B. fürs Visum nötige, ins Englische übersetzte und überbeglaubigte Führungszeugnisse, Ehe- und Geburtsurkunden, sich um Krankenversicherung, Bankkonto und Unterkunft im Zielland zu kümmern, zu gegebener Zeit aus Deutschland abzumelden (darauf zu achten, nicht unter die "erweitert beschränkte Steuerpflicht" zu fallen) und schließlich auch den ungeliebten Rundfunkgebühren ein Ende zu setzen.
Zahlreiche dieser Vorgänge gestalten sich - was deutschlandtypisch wohl nicht anders zu erwarten war - mühselig-bürokratisch. Um beispielsweise meinen Stromliefervertrag zu kündigen, musste ich neben dem Kündigungsschreiben den Hausverkaufsvertrag sowie die Unterschrift des zukünftigen Besitzers vorlegen und außerdem explizit bestätigen, dass Stromspeicher und PV-Anlage ebenfalls auf den Erwerber meiner Immobilie übergehen werden. Überdies war ein (von mir und dem Käufer zu unterschreibendes) Formular des "Marktstammdatenregisters" auszufüllen.
Ja, wer Deutschland verlassen will, muss zunächst jeden einzelnen der zahlreichen Fäden, mit denen er umwickelt und ans gesellschaftliche Spinnennetz festgeklebt wurde, lösen, um sich zu befreien.
Am wichtigsten ist jedoch, dass, wie bereits angedeutet, der Verkauf meines Hauses nun besiegelt ist.
Nachdem ich schon des Öfteren über unseren geliebten Garten berichtete, geht es diesmal um das Haus selbst, angefangen bei seiner Entstehung vor über zehn Jahren bis hin zu einigen aktuelleren Bildern, die mir in Zukunft als Erinnerung an eine schöne, ereignisreiche, aber bald hinter mir liegende Zeit dienen mögen.
Ja, auch mit diesem Bauwerk verbinden mich mehr Emotionen, als ich es vorher erwartet hätte. Es ist ein wunderbares Haus, und als wir es bauen ließen, dachten wir, es sei für die Ewigkeit bestimmt. Allerdings wurde es zum "richtigen Haus am falschen Ort" ... wobei, was heißt schon "falsch"? Immerhin durften wir einige schöne Jahre dort erleben.
Die Bauphase
Wir hatten uns zwar damals entschlossen, unser Haus von einem Bauträger bauen zu lassen, modifizierten jedoch dessen Grundrisse, um ein maximal auf unsere Bedürfnisse zugeschnittenes Heim zu kreieren.
Der erste Grundriss stellt das Erdgeschoss dar.
Im ersten Stock verkleinerten wir den Flur verglichen dem Originalplan des Bauunternehmens, um dadurch deutlich größere Wohnräume zu erhalten. Außerdem ordneten wir das Hauptbad direkt hinter unserem Schlafzimmer an, so wie wir es in vielen Hotels zu schätzen gelernt hatten.
Die Bauarbeiten begannen mit dem Erdaushub für die Bodenplatte.
Fortschritt der Herstellung der Bodenplatte:
Gegossen wurde die Bodenplatte mittels einer wahrhaft beeindruckenden Konstruktion.
Folgendes Video zeigt, wie flüssiger Beton in die durch Metallstreben verstärkte Bodenplatte gegossen wird:
Schon bald danach ragten aus "H+H Porenbeton" gefertigte erste Wände gen Himmel.
In Rohren gebündelte Stromleitungen:
Verlauf der Röhren der Fußbodenheizung.
Sanitäre Einrichtungen:
Hier entsteht die Lüftungsanlage samt ihren imposanten Zu- und Abluftschächten.
Das linke Rohr dient jedoch nicht der Lüftung, sondern als Wäscheschacht.
Hier geht's zum Dachboden.
In dieser Phase wurde der Estrich gegossen ...
... sodass später die Bodenbeläge verlegt werden konnten.
Während in der Mehrzahl der Räume Fliesen verlegt wurden, ...
... besteht der Bodenbelag der Kinderzimmer aus Bambus und der des Schlafzimmers aus weich-warmem Kork.
Hier war das Dach bereits fertig.
Danach wurde die Photovoltaik-Anlage installiert.
Nachdem es dem Haus bisher an Farbe gemangelt hatte, wurde das nun behoben.
Kurz nach dem Einzug:
So wohnen wir heute
Hier kreiert Meisterköchin ihre köstlichen Speisen.
In so manchem Winter sorgte dieser Holzkohleofen für wohlige Wärme und Gemütlichkeit.
Und das ist mein Arbeitszimmer ... nein, kleiner Scherz. Hier fabriziert unsere kleine Prinzessin, umgeben von den farbenfrohen Bildern |s, ihr kreatives Chaos. :)
Auch dies ist sicherlich kein Deutschland-typisches Arbeitszimmer, nichtsdestotrotz jedoch der Ort, an welchem ein Großteil meiner Posts entsteht.
Faul wie wir nun mal sind, werfen wir im Obergeschoss unsere Wäsche in diesen Schacht ...
... welche dann direkt neben der Waschmaschine wieder herausfällt.
Das Kabelgewirr links daneben ist die Quittung dafür, dass ein gewisser unbedingt in jedem Raum LAN-Anschlüsse haben wollte. :-)
Der ein oder andere, dem sich dieser Anblick von Lüftungsrohren und Kabeln in unserem Hauswirtschaftsraum darbot, mag sich gefragt haben, ob er sich tatsächlich in einem Wohnhaus oder doch eher einer Industrieanlage aufhalte. :-)
Unser Haus ist nicht nur der Farbe nach grün, sondern in Form einer drei Dachflächen abdeckenden PV-Anlage (so dass den ganzen Tag über Strom erzeugt werden kann, wenn die Sonne von Osten kommend, danach die Südseite und schließlich den nach Westen zeigenden Teil des Daches bescheint), eines Stromspeichers, einer Wärmepumpe samt Fußbodenheizung sowie einer Lüftungsanlage mit auf regenerativen Energiequellen aufbauender Technik 'vollgestopft'.
Wir persönlich sind damit ganz ausgezeichnet 'gefahren': Von Mitte Mai, bis Mitte Oktober mussten wir meist überhaupt nicht heizen und technische Defekte traten so gut wie nie auf. Statt viel Strom einzuspeisen, setzten wir fast vollständig auf Eigenverbrauch.
Allerdings war das eine selbst gewählte, freiwillige Entscheidung, und ich würde niemandem vorschreiben wollen, gut funktionierende, 'alte' Technik durch neue ersetzen zu müssen, was ja ohnehin nicht nur eine Frage des Wollens, sondern überdies auch des (finanziellen) Könnens ist.
Auswandern werden wir, allen unnötigen Balast abwerfend, mit nicht mehr als drei Koffern. Einen Großteil unserer Habe werden wir für immer hinter uns lassen: Sowohl der Esstisch aus Eichenholz als auch meine Mineraliensammlung bleiben zurück - einerseits zwar schade, andererseits aber auch irgendwie befreiend.