Angesichts der zahlreichen Probleme, mit denen Deutschland derzeit zu kämpfen hat (siehe z. B. obige Grafik), ist - vermutlich nicht nur - meine spontane Reaktion, Parteien und Politiker dafür verantwortlich zu machen ... was auch durchaus seine Berechtigung hat.
Lese ich jedoch in den Kommentarspalten diverser Online-Zeitungen, wird mir immer bewusster, dass die in Deutschland getroffenen, kurzsichtigen politischen Entscheidungen letztlich nur die Denkweise großer Teile der Bevölkerung widerspiegeln.
Geringes Interesse an Neuem gepaart mit Sicherheitsdenken
An erster Stelle dessen, was ich kritisiere, stehen mangelnde Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber, oft gepaart mit Uninformiertheit und einer schon fast starrsinnigen Arroganz, sowie die Bevorzugung (vermeintlicher) Sicherheit (samt Kontrolle, Überwachung auf allen Ebenen und Zensur des Bürgers) vor Freiheit und Selbstbestimmtheit.
Einer der Gründe dafür ist Bequemlichkeit: Statt sich eigenständig verschiedene Informationsquellen zu besorgen, um sich näher mit einem Thema auseinandersetzen zu können, bildet sich der prototypische Deutsche seine Meinungen anhand oberflächlicher, vor allem die Risiken oder Kosten neuer Technologien (KI, Kryptowährungen, Kernfusion) betonender Fernsehsendungen, von Nichtinsidern geschriebener Zeitungsartikel und der Aussagen - ja, es ist leider so - oft völlig ahnungsloser Politiker.
Die Deutschen und Elon Musk
Bezeichnend ist, dass hierzulande über einen Elon Musk, der nicht nur ganz ausgezeichnete Elektroautos und PV-Anlagen produzieren lässt, sondern überdies dem derzeit weltweit erfolgreichsten Raumfahrtunternehmen, Space X, vorsteht, mit Grok im KI-Bereich ganz vorne mitspielt, auf einem Satellitennetzwerk basierende Internetzugänge anbietet und im Rahmen des Neuralink-Projekts eine Schnittstelle zwischen menschlichem Gehirn und Computer zu entwickeln sucht, fast ausschließlich negativ berichtet wird.
Da empören sich Menschen (Politiker wie 'Normalbürger' gleichermaßen), die niemals auch nur eine einzige Idee in ein sinnvolles, funktionierendes Produkt umgesetzt haben, über Musks politische Ansichten oder angeblich niemals eingehaltene Deadlines, statt einfach mal Respekt für das bereits Geschaffene zu zollen (Elon Musk für seine außerordentlichen Leistungen zu respektieren, wäre ja nicht gleichbedeutend damit, allem, was er sagt und tut, zuzustimmen).
Akzeptanz von Zensur und Einschüchterung
Dass zahlreiche Deutsche X ausgerechnet deshalb kritisieren, weil es die einzige weitgehend zensurfreie große Social-Media-Plattform ist, passt ins Bild.
Die Tatsache, dort sicherlich auch so einiger zirkulierender Falschinformationen nehme ich gerne hin (niemand hindert mich daran, allem zu widersprechen, was ich für inkorrekt halte bzw. es zu ignorieren), wenn die Alternative in Zensur à la YouTube besteht, wo ausnahmslos alle meine Links enthaltenden (wie aber sonst könnte ich irgendetwas belegen?) Kommentare gelöscht, oder einem Facebook, wo Beiträge häufig aufgrund des Urteils einer präselektierenden KI gar nicht erst freigeschaltet werden?
Lieber streite ich mich auf X mit einem Flat-Earther als mich in den wenigen deutschen Online-Medien, die überhaupt noch Kommentarspalten besitzen, der Willkür eines Moderators auszusetzen, der darüber entscheidet, welcher meiner Diskussionsbeiträge angemessen sei und welcher nicht (weil ich mich möglicherweise erdreiste, zu behaupten, Tulpenzwiebeln und Bitcoins seien zwei verschiedene Dinge).
Auch darüber, auf welche Weise Politiker mittlerweile oft gegen (echte und vermeintliche) Beleidigungen ihrer Person vorgehen, lese ich fast ausschließlich auf X - aber genau das sollte eigentlich die Aufgabe der "Vierten Gewalt" im Staate sein, kritisch über die Regierenden zu berichten:
Das Startup "So Done" scannt KI-basiert Internet und soziale Medien nach beleidigenden Inhalten, um im Auftrag seiner Klienten, wie z. B. den prominenten Politikern Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und Robert Habeck (Die Grünen), tausendfach 'aufmüpfige' Bürger abzumahnen.
Die Hemmschwelle, bereits gegen relativ harmlose Äußerungen vorzugehen, liegt deshalb besonders niedrig, weil "So Done" alle für ihre Klienten entstehenden Kosten übernimmt und die anfallenden Gewinne mit ihren Mandanten teilt - ein offenbar ziemlich lukratives Geschäftsmodell ...
Die meisten Strafanzeigen wegen "Hassrede" stellten bisher Robert Habeck und Annalena Baerbock mit zusammen über 1300.
Dabei kommt es immer öfter auch zu in meinen Augen völlig unverhältnismäßigen Hausdurchsuchungen, wie beispielsweise im Falle eines 64-jährigen, der Habeck auf X als "Schwachkopf" bezeichnet hatte.
In oben verlinktem Text wird weiterhin darauf hingewiesen, der Beschuldigte habe zu einem anderen Zeitpunkt eine ein Plakat mit der Aufschrift "Deutsche kauft nicht bei Juden" sowie den Zusatztext "Wahre Demokraten! Hatten wir alles schon mal!" zeigende Bilddatei hochgeladen, was den Anfangsverdacht der Volksverhetzung gem. § 130 StGB begründe.
Dazu sollte aber angemerkt werden, dass dieses Posting eine Reaktion auf einen Boykottaufruf gegen Müller Milch war und der Verfasser damit (sicherlich nicht besonders geschickt) ausdrücken wollte, dass er das ebenso kritisiere wie frühere Boykottaufrufe gegen Juden. Vor diesem Hintergrund betrachtet dürfte der Vorwurf des Antisemitismus - und damit einhergehender Volksverhetzung - kaum aufrechtzuerhalten sein. Abgesehen davon wird als Grund für die Hausdurchsuchung eindeutig (nur) die Beleidigung "Schwachkopf" genannt, welcher aufgrund des (meiner Meinung nach ersatzlos zu streichenden) 'Majestätsbeleidigungsparagraphen' 188 StGB eine besondere Schwere beigemessen werde.
Sicherlich ist es legitim, sich ggfs. gegen Beleidigungen (die auch ich nicht als sinnvolle Art zu kommunizieren betrachte) zu wehren, aber daraus ein zu massenhaften Abmahnungen führendes Geschäftsmodell zu entwickeln, welches es Politikern erlaubt, ohne jedes eigene finanzielle Risiko tausende Bürger abzumahnen oder selbst vergleichsweise harmlose Äußerungen mit schweren Eingriffen in die Privatsphäre eines Menschen zu ahnden (was - außer Einschüchterung - soll mit einer Hausdurchsuchung samt Beschlagnahmung elektronischer Geräte erreicht werden, wenn doch auf X ohnehin nachzulesen ist, was die beschuldigte Person geschrieben hat?) ist m. E. völlig inakzeptabel.
In den meisten deutschen Medien las ich zu diesem und ähnlich gelagerten Vorfällen (das 'Schwachkopf-Beispiel' ist nur eines unter vielen) nur wenig, und falls doch, fand ich dazu überwiegend Leserkommentare wie "Richtig so, Hasskommentare im Netz müssen konsequent verfolgt werden." oder "Wer niemanden beleidigt, wird auch nicht angezeigt.". Ja, das ist bei jeder Straftat so, die nicht begangen wird, ändert aber doch nicht im Geringsten etwas daran, dass stets die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt werden sollte.
Die Deutschen und der Bitcoin
Ebenso lähmend wie auch Zensur befürwortendes Sicherheitsdenken, wirkt sich die in Deutschlands Bevölkerung weit verbreitete Abneigung gegenüber neuen Technologien aus.
An dieser Stelle beschränke ich mich beispielhaft auf die Ablehnung des Bitcoins, wobei es in meinen Augen einfach erschreckend ist, wie meinungsstark geballtes Unwissen selbst nach über 15 Jahren Bitcoin-Existenz in den Kommentarspalten deutscher Zeitungen immer noch zum Besten gegeben wird.
Sinnbildlich für Deutschlands Verhältnis zum Bitcoin ist folgende Grafik, die veranschaulicht, wie viel mehr Geld dem Staat jetzt zur Verfügung stünde, wären die 50000 von Sachsen beschlagnahmten BTCs nicht voreilig verkauft worden.
Quelle: Blocktrainer.
So berichtete "ZEIT ONLINE" erst kürzlich über ein neues Bitcoin-Allzeithoch, und ich lasse es mir nicht nehmen, hier einige 'Leserbrief-Highlights' zu posten und kommentieren.
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Jadoo:
Bitcoin sind die Tulpenzwiebeln des 21ten Jahrhunderts.
: Das 'Evergreen' unter den Bitcoin-Vorurteilen, womit er offensichtlich auf breite Zustimmung stößt:
Tulpenzwiebeln sind jedoch weder in ihrer Menge begrenzt noch haltbar, lassen sich weder innerhalb von Minuten um die ganze Welt versenden noch Menschen ohne Bankkonto am finanziellen Leben teilhaben.
Den Bitcoin gibt es nicht nur bereits länger als 15 Jahre(!), sondern er stellte in diesem Zeitraum auch das bestmögliche Investment überhaupt dar. -
Halbhollaender:
Die Leitwährung von Cyberkriminellen, Scammern, Entführern und ähnlichem Gesocks ...
: Das ist schlicht purer Unsinn:
Wie der Crypto-Crime-Bericht des Unternehmens Chainalysis aus dem Jahre 2024 belegt, standen nur 0,34 % aller Krypto-Transaktionen (wovon der Bitcoin-Anteil wiederum nur eine Teilmenge darstellt) mit kriminellen Handlungen im Zusammenhang.
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ersiees nu wieder:
Und wenn Bitcoins dann wieder ihren realen Wert (0) haben ...
: Wer im Oktober 2009 nur einen einzigen Dollar in Bitcoin investiert hätte, verfügte heute über einen Gegenwert von 130 Millionen Dollar! Seit mehr als 15 Jahren(!) gibt es also kein langfristig besser performendes Asset als den BTC, während der Wert aller Fiatwährungen aufgrund von Inflation letztlich tatsächlich gegen Null strebt.
Abgesehen vom wachsenden, in ihn gesetzten Vertrauen von immer mehr Privatpersonen, Unternehmen und Staaten (was letztlich der einzig über den Preis eines Assets entscheidende Faktor ist) besitzt der Bitcoin zahlreiche ihm Wert und Nutzen verleihende Eigenschaften.
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Boomallergie:
... ich habe hunger [...] Wo kann ich mir mit Bitcoins Nahrungsmittel kaufen?
: Ich finde es schon erstaunlich, dass jemand im Jahr 2024 noch nie etwas von Krypto-Debitkarten gehört hat, mit denen man wirklich nahezu überall - auch dort, wo Bitcoins noch nicht als direktes Zahlungsmittel akzeptiert werden - problemlos einkaufen kann.
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Bibi N.
Der Schneeball wird immer größer...