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Umstellung auf Sommerzeit
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Umstellung auf Winterzeit
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Wie schön, dass die Zeit nicht mehr zweimal im Jahr, von Winter- auf Sommerzeit, und dann wieder zurück, umgestellt wird, denn bereits 2018 sprachen sich im Rahmen der EU-Umfrage zur Zeitumstellung 84 Prozent der Teilnehmer für deren Abschaffung aus. Und da in einer Demokratie die Politik bekanntlich dazu dient, den Willen des Bürgers umzusetzen, wurde diesem Votum sodann umgehend Rechnung getragen und die bisher zweimal jährlich fällige Uhrenkorrektur unbürokratisch beendet ...
OK, ich gebs zu, statt konzentriert an meinem Artikel zu schreiben, verfiel ich kurzzeitig ins Reich der schönen Träume - und dann kommen leider solche inhaltlich inkorrekten Sätze wie obige dabei heraus.
Was sich in der Realität abspielte, würde ich, verglichen mit meinen Tagträumereien, dagegen eher als unsägliches Trauerspiel bezeichnen. Die EU-Politiker sind entweder nicht dazu in der Lage oder nicht Willens, dem Abstimmungsergebnis konkrete Taten folgen zu lassen! 2019 hieß es zunächst, die Zeitumstellung werde wohl erst im Jahr 2021 abgeschafft. Mittlerweile leben wir im Jahr 2023, und die zukünftigen Zeitumstellungstermine wurden von der EU-Kommission bereits bis 2026 festgelegt.
Sichere Methode, für Politikverdrossenheit zu sorgen
Ja, es werden diverse Gründe für die Verzögerung aufgeführt, die ich hier im Einzelnen nennen könnte, aber da ich gestern Nacht ohnehin einer wertvollen Stunde meiner Zeit beraubt wurde, nehme ich mir an dieser Stelle ein klein wenig davon wieder zurück, indem ich mich nicht näher mit diesen (Schein)Argumenten befasse. Fakt ist, dass gegen die Zeitumstellung gestimmt wurde, und die Politik mit diesem Ergebnis und dementsprechenden Konsequenzen auch rechnen musste. Sich danach völlig unvorbereitet und handlungsunfähig zu gerieren ist schlicht inakzeptabel!
Es gibt sicherlich für das Überleben der Menschheit entscheidendere Fragen als diejenige, ob zweimal im Jahr an der Uhr gedreht werden sollte oder nicht. Allerdings ist oben beschriebener Vorgang, den Bürger erst zu fragen, dessen Wunsch sodann jedoch zu ignorieren, ein Musterbeispiel dafür, möglichst effektiv für die so häufig beklagte Politikverdrossenheit zu sorgen ("Die da oben machen ja ohnehin, was sie wollen!" - Tja, sieht ganz so aus ...). Da braucht man sich dann auch nicht darüber zu wundern, dass immer weniger Menschen wählen gehen und sich nicht mehr an den politischen Entscheidungsprozessen beteiligen.
Nachteile der Zeitumstellung
Ich selbst halte die Zeitumstellung für einen völlig unnatürlichen Prozess, der unnötigerweise zweimal im Jahr in den Lebensrhythmus der Menschen eingreift.
Die Liste der Nachteile der Zeitumstellung ist lang. Hier nur einige Beispiele:
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Obwohl sie genau deshalb eingeführt wurde, wird durch die Zeitumstellung keine Energie gespart.
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Viele Menschen brauchen mehrere Tage, um sich an die Zeitumstellung zu gewöhnen und leiden in diesem Zeitraum unter Schlafstörungen. Darüber, ob sich auch das Risiko, an Herzinfarkt oder anderen Herzkreislauferkrankungen zu sterben, durch die Zeitumstellung erhöht, streiten sich die Wissenschaftler.
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Nach den Zeitumstellungen im Frühjahr und Herbst nimmt die Zahl der Verkehrsunfälle zu.
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Die Zeitumstellung bereitet insbesondere auch Kindern Probleme.
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Aber auch Milchkühe und andere Tiere in landwirtschaftlichen Betrieben leiden unter dem Wechsel, während Wildtiere häufiger in Unfälle verwickelt werden.
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Eher anekdotischen Charakter hat m. E. das Ergebnis einer Umfrage, wonach angeblich jeder Vierte seine Uhr falsch umstellen würde ... kann das wirklich sein? :)
Dauerhafte Winter- oder Sommerzeit?
Um es vorwegzunehmen, ist es mir am wichtigsten, dass die Zeitumstellung überhaupt abgeschafft wird - ich könnte mich sowohl mit einer permanenten Winter- als auch Sommerzeit arrangieren.
Könnte ich jedoch wählen, präferierte ich als ausgewiesene Nachteule, welche so gut wie nie vor 14:00 Uhr ans Arbeiten auch nur denkt, die Sommerzeit, da es dann abends, wenn ich aktiver bin als morgens, länger hell wäre.
Das Argument, das mir gegenüber bisher am häufigsten gegen die Sommerzeit vorgebracht wurde, "Aber was ist mit den Kindern, müssten die dann im Winter morgens im Stockdunkeln zur Schule gelangen? Und auch für die Berufstätigen wäre das nicht besonders angenehm.", führt direkt zur nächsten gesellschaftlichen Baustelle: Die Deutschen stehen zu früh auf! Entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen werden Kinder und vor allem Jugendliche morgens viel zu früh aus dem Schlaf gerissen - eine Minderheit militanter Frühaufsteher gibt allen anderen den Tagesrhythmus vor. Nicht umsonst sprechen Schlafforscher von der "unausgeschlafenen Gesellschaft". Ein überdies gesünderer späterer Schulbeginn löste das Dunkelheitsproblem auf elegante Art und Weise.
(Abgesehen davon plädiere ich dafür, Homeschooling zumindest solange zu erlauben, wie die entprechenden Lernfortschrittsnachweise erbracht werden, so dass in solchen Fällen der morgendliche, ins marode staatliche Schulsystem führende Weg, ohnehin entfiele ...)
Wie sieht es bei euch aus, seid ihr für oder gegen die Zeitumstellung?