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Wie komme ich dazu, ein solches Post mehr oder weniger unzusammenhängender Gedankenfragmente zu fabrizieren?
Nun, die Idee reicht in eine Zeit zurück, als meine aus Indonesien stammende Frau, , gerade frisch in Deutschland angekommen war, und wir uns des Öfteren auf längeren Spaziergängen über 'Gott und die Welt' (siehe Post-Titel) unterhielten.
Obwohl schon damals nicht besonders religiös, glaubte mein Kobold doch an Gott (und zwar genau genommen an seine islamische Variante).
Mir bereitete es stets großes Vergnügen, sie mit absurden Vorstellungen darüber, wer oder was Gott sein könnte, ein wenig zu provozieren und aus der Reserve zu locken. Zwar wirkte das auf sie einerseits vermutlich zunächst ungeheuerlich und respektlos, aber dennoch musste sie immer wieder über meine Erzählungen lachen und glaubte mir schließlich, dass - sofern es ihn denn überhaupt gäbe - Gott sicherlich nichts lieber möge, als lachende Menschen.
Da ihr meine kreativen Gottesgeschichten so gut gefielen, riet sie mir, sie doch aufzuschreiben, was ich jedoch nicht tat und mittlerweile einen Großteil davon leider längst wieder vergessen habe.
Einige wenige meiner noch nicht für immer im Nirwana des Vergessens verschwundenen Einfälle möchte ich nun jedoch in die Blockchain meißeln - als Erinnerung an jene Zeit, in der es mir durch pures Märchenerzählen gelang, eine 'gottesfürchtige' Muslimin in eine fürs zukünftige Schmoren in der Hölle bestimmte, gottlose Agnostikerin zu verwandeln.
Die einen werden mich für meine aufklärerische Tat preisen, die anderen ob des unverzeihlichen Frevels verdammen. Sei es, wie es sei, hier nun die Geschichten:
Gott, der arbeitslose Universenbauer
Wie jeder halbwegs gebildete Milchstraßenbewohner wissen sollte, war Gott ein arbeitsloser Universenbauer, der unser Universum erschuf, um sich um einen Arbeitsplatz zu bewerben, wobei folgender, der Tragik nicht entbehrende Dialog überliefert ward:
Personaler: "Herr Gott, treten Sie bitte ein!"
Gott: "Hier, das ist mein Univsersum."
Personaler: "Lassen Sie doch mal sehen."
Gott: "Ja, schauen Sie, wie viel Mühe ich mir gegeben habe!"
Personaler: "Ja, sehr schön ... aber ... Was ist das denn? Dieser kleine, verschmutzte Planet da hinten?"
Gott: "Das ist die Erde."
Personaler: "Sehe ich da etwa Menschen? Wie konnte das nur passieren?"
Gott: "Dabei handelt es sich um ein kleines Versehen - aber dieses Sonnensystem liegt doch völlig isoliert, ganz am Rande einer Galaxie."
Personaler: "Kleines Versehen? Jede Bedienungsanleitung für unerfahrene Universenbauer weist darauf hin, dass im Sinne der Einhaltung grundlegender Sicherheitsrichtlinien auf gar keinen Fall Menschen entstehen dürfen, und Sie ..."
Gott: "Das tut mir wirklich sehr leid ..."
Personaler: "Ja, mir auch ... Der nächste Bitte!"
Gott, der Entomologe
Vor langer Zeit, 2017, als der STEEM noch jung war, verfasste ich einen englischsprachigen, sich mit der Frage beschäftigenden Artikel, ob die Affinität zu 'spirituellem Denken' genetisch bedingt sein könne und im Verlaufe der Evolution vorteilhaft gewesen sei. Der Glaube an 'Gott' könne als eine Art 'Optimismus-' bzw. 'Zuversichts-Placebo' zur Stärkung des Immunsystems beigetragen und sich auch sonst positiv auf die Gesundheit ausgewirkt haben.
Im Rahmen dieses sich mit einer wissenschaftlichen Frage befassenden Posts ließ ich es mir dennoch nicht nehmen, meiner Fantasie bezüglich der 'wahren Natur' Gottes freien Lauf zu lassen, worunter auch die Vorstellung Gottes als uns für seine Forschungsprojekte benötigenden 'Entomologen' (also Insektenforscher) fällt:
Vielleicht, so sinnierte ich, sei 'Gott' in seiner eigenen Welt ja eine Art Naturwissenschaftler, welcher das Universum in der Hoffnung erschaffen hatte, es würde sich bei Auswahl geeigneter physikalischer Parameter mit hoher Wahrscheinlichkeit Leben entwickeln und ein Prozess namens 'Evolution' initiiert werden?
(Und möglicherweise befände sich das gesamte Universum ja noch immer in demselben Reagenzglas, in welchem durch Zufuhr von Wärmeenergie einst der Urknall verursacht wurde?)
Ein solcher "Wissenschafts-Gott" würde vermutlich für das Überleben der in seinem Universum entstehenden Organismen (inklusive uns) mittels der Bereitstellung vorteilhafter Umweltbedingungen Sorge tragen, so wie ein Entomologe seinen Ameisen das bestmögliche Formicarium samt angenehmer Temperatur, genug Nahrung und ausreichend Wasser zur Verfügung stellt.
Die Insekten könnten den Entomologen also tatsächlich als ihren sich um sie kümmernden "Gott" betrachten. Käme jedoch jemals eine Ameise auf die Idee, zu ihm zu beten, würde der Forscher das nicht im Geringsten registrieren. Ganz ähnlich - so desillusionierte ich meine damals noch ab und zu betende Frau - würde auch ein möglicher 'Schöpfer' des Universums uns zwar möglicherweise für irgendwelche uns unbekannte Zwecke benötigen, aber ganz sicher nicht persönlich kennen oder gar unsere Gebete erhören ...
Ich fügte dann immer hinzu "Und wenn er unser aufgrund der verschiedenen Zeitzonen auf der Erde nahezu 24 Stunden pro Tag ununterbrochen ertönendes Glockengeläute, Gebimmel, (mittlerweile oft gar per Lautsprecher verstärktes) Gerufe, Singen und Gemurmel tatsächlich hören könnte, wäre aller Wahrscheinlichkeit nach das Erste was er täte, sich gute Ohrschützer zu besorgen, um unbehelligt von unserem Lärm in Ruhe weiterarbeiten zu können." :-)
Gott, der Programmierer
Um ehrlich zu sein, ist die Geschichte mit dem Entomologen-Gott frei erfunden.
Die Wahrheit ist viel trivialer:
"Gott" hat einen kleinen Sohn, der ihn ständig vom Arbeiten abhielt oder dabei störte, wenn er einfach nur mal in Ruhe, zur Entspannung, ein bisschen "Götterfußball" gucken wollte.
Glücklicherweise ist er ein guter "Programmierer" und löste das Problem durch die Entwicklung des Computerspiels "Universum", das sein Sohn jetzt ständig spielt und dabei die diversen Galaxien, Sonnensysteme und Planeten beobachtet.
Ein geniales Feature des Spiels nennt sich "Evolution", die dem faulen Programmierer die harte Arbeit erspart, ständig neue Kreaturen erfinden zu müssen, die stattdessen völlig automatisch immer wieder von Neuem kreiert werden und so seinem Sohn abwechslungsreichen, spannenden Spielspaß garantieren. Dank der Möglichkeit, z. B. durch das Abwerfen von Kometen, selbst ins Spielgeschehen eingreifen zu können (was unter anderem die Dinosauerier auf der so genannten Erde zu spüren bekamen), droht Langeweile gar nicht erst aufzukommen.
So absurd meine Fantasien bezüglich Gott zugegebenermaßen auch sein mögen, sind sie zumindest nicht unwahrscheinlicher als die Vorstellungen real existierender Religionen, die doch tatsächlich davon ausgehen, ein Wesen, welches dazu in der Lage sei, Universen zu erbauen, hätte - im Ernst?? - nichts Besseres zu tun als winzige Organismen (Menschen) auf einem kleinen Planeten eines Sonnensystems am Rande einer Galaxie unter mehr als einer Billion anderer Galaxien (in einem von vielleicht Myriaden von Universen) zu beobachten, nur um dann zu entscheiden, welcher von ihnen den "Himmel" verdiene und wer in der "Hölle" schmoren solle? Welch eine unfassbare (wenn auch typische) Selbstüberschätzung des Menschen, sich für derartig wichtig zu halten! "Gott" würde über diese Vorstellung vermutlich herzhaft lachen, so er uns denn überhaupt wahrnehmen könnte. :)
Die niedrige Zivilisationsstufe der "Linienschützer"
Aber lassen wir Gott jetzt Gott sein und wenden uns dem zu, was höher entwickelte Bewohner der Galaxis über Zivilisationsstufen wie die unsrige zu sagen haben.
Ich selbst betrachtete die menschliche Neigung, die Erdoberfläche in streng bewachte Territorien (Staaten) aufzuteilen und uns sodann gegenseitig der Möglichkeit zu berauben, uns frei auf unserem Planeten zu bewegen und unseren Aufenthaltsort (sowie den unseres Lebenspartners) selbstbestimmt auszuwählen (weswegen es ja auch "frei wie ein Vogel" heißt und nicht "frei wie ein Mensch"), schon immer - um es euphemistisch zu umschreiben - mit großer Verwunderung.
Ja, auf solche Ideen können wirklich nur Menschen kommen: Erst die gesamte Erdoberfläche mit künstlichen Linien zu überziehen und diese dann auch noch erbittert zu verteidigen.
Unter den uns aus der Ferne verwundert beobachtenden Aliens sind wir deshalb auch als die so genannten "Linienschützer" bekannt. :)
Erst kürzlich fiel mir die von höher entwickelten Zivilisationen zusammengestellte "Enzyklopädie kosmischer Lebensformen" in die Hände, wo ich sogleich las:
"Bei zum Linienschutz tendierenden Zivilisationen handelt es sich zumeist um vergleichsweise primitive Daseinsformen, deren Kulturtechniken entweder nicht weit entwickelt genug sind, um hinreichende Ressourcen (Nahrung, Nistplätze, für den Metabolismus erforderliche Oxidationsmittel, wie beispielsweise Sauerstoff, und der Mobilität dienende Energiemengen) zu erschließen, oder/und deren politische Entscheidungsfindungsprozesse zu keiner effizienten Verteilung der prinzipiell verfügbaren Ressourcen führen.
Sind Ansätze zu intelligenteren Regierungsformen und technologischer Weiterentwicklung vorhanden, besteht eine gewisse Hoffnung, das Linienschutzlevel nach einer entsprechenden Weiterentwicklungsphase hinter sich zu lassen und in Sphären höherer Zivilisationsstufen vorzudringen.
Gelingt dies jedoch nicht, ist mit dem Schlimmsten, d. h. Verteilungskriegen und militärischen Auseinandersetzungen bis hin zur Extinktion kompletter Zivilisationen, zu rechnen.
Es ist dann immer wieder sehr bedauerlich, wenn uns auf solche Art und Weise wichtige Forschungs- und Anschauungsobjekte, welche die allerersten Anfänge zivilisierter Lebensformen darstellen und uns quasi einen Rückblick in unsere eigene primitive Vergangenheit gewähren, für immer verlorengehen."
Ich sage manchmal halb im Scherz, es wäre vielleicht heilsam, wenn Astronomen den Anflug von Aliens dokumentieren würden, die Berechnungen zufolge dann so in 60 oder 70 Jahren eintreffen sollten.
Vielleicht würde das der Menschheit vergegenwärtigen, dass wir alle derselben Spezies angehören und angesichts der zu lösenden Probleme besser zusammenarbeiten sollten, statt - Staat für Staat, Nationalität für Nationalität, Religion für Religion - jeder sein eigenes Süppchen zu kochen.
Die Größe des Universums, beruhigend oder erschreckend?
Manchmal wirkt es auf mich erschreckend, einschüchternd und entmutigend, dass wir nur ein winziges, unbedeutendes Staubkorn in der Galaxis, im Universum sind, zuweilen jedoch auch irgendwie beruhigend.
Dann denke ich mir, dass egal was wir Menschen auf unserem Planeten für ein Unheil anrichten, wie dumm wir uns auch verhalten, Kriege führen, die letzten verbliebenen Regenwälder abholzen und die Meere vermüllen, wenigstens weise vorgesorgt wurde, den angerichteten Schaden lokal zu begrenzen. Unser Sonnensystem befindet sich, sorgsam isoliert, in einem scheinbar mit Bedacht entworfenen Hochsicherheitslabor am Rande der Galaxis, was es den dort mittels Evolutionstechnologie gezüchteten, teilweise hoch toxischen 'Bakterienkulturen', wie beispielsweise Homo sapiens, fast unmöglich macht, ihrer für sie vorgesehenen 'Petrischale' zu entfliehen.
Höher entwickelte, zivilisiertere Lebensformen unserer Milchstraße mögen angesichts dieser Erkenntnis erleichtert aufatmen ...
Vertrauenswürdigen Quellen zufolge reagierte "Gott" geradezu konsterniert, nachdem ihm bewusst wurde, welch' unverzeihlichen Fehler es bedeutete, der Entstehung von Homo sapiens nicht rechtzeitig prophylaktisch vorgebeugt zu haben.
Noch heute wendet er sich des Öfteren, ungläubig den Kopf schüttelnd, an seine Frau: "Ja, ja, ja, es stimmt, ich hatte den Menschen als abschreckendes Beispiel für unsere Kinder erschaffen ... aber das Ergebnis übertrifft selbst meine allerschlimmsten Befürchtungen! Das ist mir wirklich gaaanz toll gelungen, wirklich wuuunderbar gemacht! Wenigstens sitzt diese toxische Spezies gut isoliert in einem weit abgelegenen Hochsicherheitstrakt am Rande der Milchstraße fest!"
Mitte 2022 erschienen die ersten Bilder des Nachfolgers, James Webb, des berühmten Hubble-Teleskops.
US-Präsident Joe Biden gebührte die Ehre, die erste dieser fantastischen Aufnahmen unzähliger Galaxien der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Angesichts des gigantischen Ausmaßes des Universums wird mir erst so richtig bewusst, was für ein kleines, unbedeutendes und letztlich auch unwissendes Staubkorn ich bin. Beim Betrachten dieser Bilder empfinde ich eine Art von "Demut" (mir fällt tatsächlich gerade kein besseres Wort ein).
In Biden löste der Anblick jedoch offenbar das Bedürfnis aus, sich in seiner eigenen Großartigkeit zu sonnen:
"Diese Bilder werden der Welt in Erinnerung rufen, dass Amerika große Sachen zustande bringt, dass nichts jenseits unserer Möglichkeiten liegt."
Tja, so unterschiedlich können die Perspektiven von Staubkörnern sein ...