Ich bin vor einigen Jahren zufällig auf das Ostpreußenlied gestoßen und höre es mir seitdem ab und zu gerne an.
Mit dem Titel dieses Beitrags, also den verlorenen Liedern, meine ich, dass diese zwar glücklicherweise online und digital noch vorhanden sind, aber kulturell heute nahezu keine Bedeutung mehr haben und immer mehr in Vergessenheit geraten.
Es gibt verschiedene Versionen und Varianten, die gängigste und meiner Meinung nach schönste, ist die in vier Strophen mit dem Text von Erich Hannighofer:
Land der dunklen Wälder
und kristall’nen Seen,
über weite Felder
lichte Wunder geh’n.
Starke Bauern schreiten
hinter Pferd und Pflug,
über Ackerbreiten
streicht der Vogelzug.
Und die Meere rauschen
den Choral der Zeit,
Elche steh’n und lauschen
in die Ewigkeit.
Tag ist aufgegangen
über Haff und Moor,
Licht hat angefangen,
steigt im Ost empor.
Ich finde es melodisch sehr schön und auch der Text hat etwas, das zum Denken anregt, an eine vergangene Zeit, im damaligen eigentlichen deutschen Osten.
Ich war natürlich selber damals nicht dort, aber anhand von alten Bildern und mit etwas Phantasie, kann man sich schon einiges vorstellen. Wie zum Beispiel zu "Elche steh’n und lauschen in die Ewigkeit" dieser sagenhafte Elch, der nicht zwingend aus Ostpreußen stammt, sondern nur ein wunderschöner Netzfund ist.
Hier eine Version, die man beim Suchen nach dem Lied als erstes von Youtube vorgeschlagen bekommt.
Ich habe aus dem Video zwei Screenshots gemacht, die das Leben im deutschen Königsberg vor dem zweiten Weltkrieg zeigen.
Es gibt eigentlich keine Variante des Lieds online, die schlecht umgesetzt ist.
Version von Heino: -
Ich bin zwar kein Heino Fan, aber ich finde hier passt er als Sänger sehr gut.
Und dieses Video ist die schönste Umsetzung, wie ich finde. Auch die Aufnahmen und Szenerie von Ostpreußen ist hier sehenswert:
Bezug zur Gegenwart
Was mich eigentlich wundert, ist, dass ich erst sehr spät auf so ein schönes Lied gestoßen bin, das ja zweifelsohne einen bedeutenden Anteil an der Geschichte Deutschlands hat. Ich ging früher auf ein musisches Gymnasium, wo wir uns natürlich viel mit musikalischer Geschichte und Literatur befassten, aber diese Richtung der deutschen Musikgeschichte, wurde nie auch nur angerissen. Schade!
Ich konnte mich in diesem Zusammenhang an meine Grundschulzeit erinnern, wo wir als gesamte Klasse noch die Bayern-Hymne lernten, und da ist bis heute einiges hängengeblieben, nicht nur der Text und die Melodie, sondern vor allem das Wissen, dass es sowas überhaupt gibt.
Mit der Vermutung, dass heute wohl kaum noch ein junger Schüler solche Lieder lernt und kennt, habe ich meinen besten Freund, der Realschullehrer ist, beauftragt, an einem Tag alle Klassen danach zu befragen. Und siehe da, kein einziger Schüler kennt die Bayern-Hymne. Wohlgemerkt in Bayern!
Ich empfinde das als traurige Entwicklung. Umso schöner ist es, dass die Möglichkeiten des Internets uns solche Werke und Erinnerungen erhalten können.
Wer fehlende oder zu viele Kommas findet, darf sie behalten.