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ein apell an den menschen, künstler zu werden und die welt wieder menschlicher werden zu lassen.
beim CCC's Street Art Contest lassen sich wöchentlich zahlreiche werke von künstlern aus dem öffentlichen raum finden. doch wie werde ich künstler? wer ist überhaupt ein künstler? und warum ist selbstautorisierte kunst im öffentlichen raum so wichtig?
nach einer aussage josef beuys kann jeder mensch ein künstler sein. diese aussage erhebt gleichzeitig jeden menschen zu einem möglichen sender, also zu jemandem, der wichtig genug ist, sich seinem umfeld mitzuteilen. jedes kunstwerk gibt etwas preis über den schöpfer preis. es ist somit eine offenbarung des künstlers, das werk dabei ein teil von diesem. kunstwerke machen künstler angreifbar und verletzlich. der mensch ist ein schöpferisches wesen und hat meist ein verlangen danach, sich kreativ und gestaltend zu entfalten. ob es nun ein handwerker, ein gärtner, ein musiker, ein autor oder ein künstler ist, sie alle eint, dass sie in ihr umfeld eingreifen und dieses verändern.
wenn beuys davon redet: "ich bin ein sender, ich strahle aus" diese aussage lässt sich auch als eine rezitation der bibel werten. dort in mattheus 5,14 heißt es: "ihr seid das licht der welt."
der mensch ist demnach dazu berufen sein umfeld zu erleuchten, zum blühen und wachsen zu bringen. dieses licht strahlt dann, wenn wir in liebe handeln und unsere berufung finden. ein zentraler aspekt um an diesen punkt zu kommen ist der, sich von ängsten zu befreien. durch sorgen lassen wir uns von finsterniss erfüllen und somit geht unser licht verloren.
wenn wir die angst verlassen eröffnet sich ein facettenreiches mosaik an interessen sowie begabungen. leider wurden wir dieser, durch ein krankmachendes schulsystem beraubt.
der größte teil der menschen geht seinem beruf nicht aus berufung nach, sondern schlicht und ergreifend, weil er geld verdienen muss. menschliche wesen unserer zeit wurden in kaum mehr zählbare abhängigkeiten gebracht und gefangen genommen. ohne geld ist kaum mehr jemand überlebensfähig.
ähnlich ist es mit dem lernen. menschen lernen aus zwang und nicht weil es ihnen freude bereitet. diese freude am lernen geht mit der einschulung verloren. doch arbeiten sowie lernen ist eigentlich etwas wunderbares und liegt in der natur des menschen. lernen durch ausprobieren wird früh unterbunden ist jedoch gerade bei künstlerischen prozessen von enormer bedeutung. der künstler muss sich etwas trauen, nur so kommt er weiter voran und kann neues schöpfen. fleiß, disziplien und anstrengung gehören dazu und sind fester bestandteil künstlerischen handelns. ein sehr wunderbares beispiel für einen extrem disziplinierten künstler ist roman opalka, der die dokumentation der zeit zu seiner lebensaufgabe machte.
wie wunderbar ist es, für den handwerker vor seinem erbauten haus zu stehen, für den gärtner seine blühende gartenanlage zu bestaunen, für den musiker seinen tönen zu lauschen, für den autor sein buch in den händen zu halten und für den künstler sein bild zu betrachten.
die spannendste art künstlerischer gestaltung stellt für Käpt´n Kalle die selbstautorisierte kunst im öffentlichen raum dar. sie ist an jeden gerichtet, nicht an ein ausgewähltes, gut betuchtes und arrogantes publikum im white cube. außerdem kann hier jeder künstler ohne über eine akademische ausbildung oder hilfreiche kontakte verfügen zu müssen in erscheinung treten.
das wunderbare bei der selbstautorisierten kunst im öffentlichen raum ist nämlich, es wird weder galerist noch museum benötigt. jeder kann seine kunst ganz unzensiert ausstellen und erreicht gleichzeitig meist noch ein viel größeres publikum als in der galerie. menschen werden überrascht aus dem alltag gerissen, möglicherweise sogar vor den kopf gestoßen, zum nachdenken animiert. dies ist eine wunderbare art sich künstlerisch auszudrücken und gleichzeitig die gestaltung des öffentlichen raumes zu dezentralisieren und mitzubestimmen. wir sollten unser recht einfordern, unser umfeld zu gestalten. schließlich gehören uns die laternenpfosten, brücken, lärmschutzwände usw. durch die gezahlten steuern. wir sind teilhaber des öffentlichen raumes- doch in welcher welt leben wir, dass es uns verboten ist, den von uns mitfinanzierten meist trostlosen raum etwas schöner zu machen?
der selbstautorisierte künstler im öffentlichen raum kann gegen diese absurden entwicklungen vorgehen und hat die chance den raum wieder menschlicher werden zu lassen. allerdings muss er immer damit rechnen, dass sein werk auch schnell verschwunden sein kann.
kunst im öffentlichen raum in kapstadt (woodstock) new market str. für den flüchtigen betrachter: der mann auf der leiter ist an die wand gemalt.
doch nun zurück zu der eingangs gestellten frage: wie werde ich ein künstler?
zunächst gilt es zu begreifen, dass ein künslter, wie es beuys formuliert hat als sender fungiert. das heißt ein mensch, welcher als künstler in erscheinung treten möchte, benötigt etwas zum senden. kunst will wahrgenommen, gesehen werden, nur so kann sie etwas bewirken. kunstwerke, die nie ein mensch zu gesicht bekommen hat können noch so schön sein, werden aber niemals eine wirkung entfalten ohne betrachter. zu einem kunstwerk gehört dementsprechend zwingend auch ein betrachter. hier muss sich nun der künstler damit beschäftigen, was er dem betrachter senden möchte. was liegt ihm auf dem herzen, was möchte er gerne kommunizieren. menschen kommen immer wieder an grenzen. sprache ist ein rahmen des sich ausdrückens, an den derjenige, der sich in diesem bewegt, gebunden ist. die bildende kunst ist ebenfalls ein rahmen, der wiederum andere wege als die sprache zur kommunikation bietet, ebenso die musik. all diese rahmen haben ihre berechtigung und sprechen durchaus ein unterschiedliches publikum an. doch der künstler darf nicht zum seichten unterhalter werden. er hat verantwortung und sollte etwas bewegen und in gang setzen.
abschließender appell
es ist an der zeit, dass endlich mehr menschen künstler werden und sich den raum, in dem sie sich befinden und leben, wieder aneignen und gestalten. menschen müssen aus ihrer passivität herauskommen. wo es uns hin führt, wenn wir behörden und ämter unseren lebensraum verwalten lasen sehen wir an den erdrückenden, tristen, grauen betonfassaden und der zerstörerischen werbung an jeder straßenecke. dabei gilt zu beachten, es sind genügend destruktive mächte am wirken - davon braucht es keine weiteren.
das selbstautorisierte eingreifen in den öffentlichen raum soll den dort lebenden menschen dienen, liebevolle gestaltung beinhalten, freude machen. auch kritik und fragen sollten zum ausdruck gebracht werden. absolut falsche motivationen für ein eingreifen in den öffentlichen raum sind die suche nach ruhm, anerkennung und reichtum, sowie es politik, architektur und werbeindustrie leider vorleben. diese intentionen machen die menschen krank. jene, die danach handeln, machen sich und andere zum sklaven des mammons.
es ist zeit für konstruktives, erbauendes und wir sollten endlich die zentralisierten pyramidialen strukturen aufbrechen und verlassen. wieso hat jemand an einem schreibtisch die macht über die angelegenheiten in einem wohnblock, einer straße oder einem viertel zu entscheiden, in dem er nicht wohnt und dem die menschen dort völlig egal sind? wir betrachten inzwischen lang genug, wo diese zustände uns hinführen. es ist zeit für dezentralisierung auch im öffentlichen raum, nicht nur an den rechnern.
aufgabe eines künstlers sollte sein, wege aufzuzeigen sich aus der sklaverei zu befreien. so müssen es nicht nur bilder und graffiti sein, die künstler in den öffentlichen raum bringen, kreativität ist geboten und es dürfen auch flächen begrünt werden. hier kann der bereits am anfang erwähnte künstler beuys als vorbild genommen werden, welcher in kassel 1982 eine zahl von 7000 eichen zur "documenta 7" pflanzte - damals ein skandal. warum suchen wir nicht geeignete flächen (oder schaffen solche) und pflanzen dort obstbäume, blumen oder gemüse? die stadt gehört den dort lebenden menschen und wir sollten sie nicht der kranken werbeindustrie, langweiligen architekten, korrupten politikern oder bürokratischen monstern überlassen.
es ist höchste zeit pinsel, spaten, (was auch immer- seid mutig) ... in die hand zu nehmen. fangen wir endlich an! jeder kann ein künstler sein! ein wenig grübeln führt zu spannenden ideen und damit ist schon ein wichtiger anfang gemacht.
welche ideen habt ihr, um das leben in der gemeinschaft/eurem umfeld zu verschönern?