meist werden beim ccc's street art contest murals zum sieger gekürt. dies ist verständlich und murals sind sicherlich beeindruckend. man muss an ihnen hinauf schauen. ähnlich wie monumentale architekturen, welche dem besucher die macht des bauherren demonstrieren und ehrfurcht erregen, lassen auch murals köpfe respektvoll in die höhe blicken. doch die großen wandbilder sind nicht nur schön zu betrachten. sie sind weit mehr als schlichte kunstwerke im öffentlichen raum.
diese werke sollten nicht nur gedankenlos bestaunt werden, es ist ratsam murals mit vorsicht zu genießen. wie in jedem kunstwerk, steckt auch in diesen monumenten eine intention. doch sind all diese großen wandbilder überhaupt kunstwerke? so manch eine monströse arbeit offenbart, wenn man diese kritisch und etwas genauer betrachtet, einen monströsen propagandaapperat. somit bleibt am ende bei einem vermeintlichen kunstwerk nicht viel mehr als ein kreatives aufwendig gestaltetes und ausgefallenes dauerhafteres werbeposter. leider finden sich etliche begabte künstler, die ihr talent an international agierende konzerne verkauft haben. warum solche konzerne gerne künstler kaufen hat unterschiedliche gründe. street art verfügt über ein hippes image, die künstler sind ursprünglich oftmals aus dem bereich der graffiti und gehören somit in der wahrnehmung nicht zum establishment dazu. dadurch lässt sich das image eines konzernes aufpolieren, wenn diese suggerieren, dass sie kunst von underdogs fördern. wenn die gelder für solche projekte durch mehr als nur fragwürdiges und unethisches geschäftsgebaren eingenommen wurden, sollte die betrachtung großer werke unter dem wissen dieses aspektes geschehen. sicherlich finden sich im öffentlichen raum zahlreiche kunstwerke, die ohne solche unheiligen allianzen zustande kamen. doch wie ist es zu bewerten, wenn dem betrachter heimlich und unbewusst werbeslogans durch angebliche kunst untergeschoben werden soll?
doch damit nicht genug. das skrupellose verhalten manch eines konzerns zeigt sich auch in der skrupellosen aneignung solcher kunstwerke, ohne einer kooperation mit dem künstler. hier wird schließlich eine kriminelle energie offenbar. künstler tragen das risiko bestraft zu werden und konzerne profitieren gleich mehrfach von dem verwegenen image. gerne wird nämlich in diesen fällen die anonymität der künstler genutzt, um sich vor juristischer verfolgung sicher zu sein. dadurch kann sich mit geringem budget fremder bildmateriale bedient werden. in solchen fällen ist den künstlern selbstverständlich kein vorwurf zu machen, da diese missbraucht werden.
doch was ist mit jenen, die sich für große autobauer, modehersteller, fastfoodketten, limonadeproduzenten, usw. hergeben?
schließlich gibt es noch die kategorie künstler, die ohne legitimierung den spieß einfach umdrehen wollen. wenn sich firmen einfach an der kunst bedienen, bedienen sich diese einfach ungefragt an den logos von konzernen. nicht nur zevs spielt mit den logos bekannter firmen im öffentlichen raum. beispielsweise malte in lüneburg bred downey das riesige logo einer fastfoodkette an eine brandwand. auch die writer moses und taps bemalten ein wholecar mit dem logo eines brauseherstellers, welches bei genauerer betrachtung leicht abgeändert wurde. all diese aktionen wurden nicht durch diese globalen konzerne initiiert. das anliegen der künstler in diesen fällen ist die auseinandersetzung mit der wahrnehmung und gestaltung des öffentlichen raumes sowie der omnipräsenz von werbung und logos.
sicher ziehen die großen wandbilder in den städten touristen an. doch kommen diese auch weiterhin, wenn überall auf der welt die gleichen berühmten mural-künstler eingeladen werden und die lokale szene dadurch vernachlässigt wird? warum sollte jemand wegen kunstwerken in eine andere stadt reisen, wenn doch ähnliche bilder vom selben künstler bereits in der eigenen stadt vorhanden sind. sicher ist es ein wenig überspitzt, aber wenn konzerne und behörden bestimmen, wer wo malen darf und was gemalt werden soll, dann ist es besser die wände bleiben grau. krankmachende propaganda gibt es bereits genügend, da muss kein neues medium geschaffen werden, was die menschen zusätzlich auf irrwege führen soll.
zumal solche kunstwerke mit einer gentrifikation und somit steigenden mieten einhergehen. da wundert es kaum, dass in berlin ein immobilienhai festivals mit veranstaltet, bei denen brandwände bemalt werden. für die einnahmen des konzern ist dies sicher nicht schädlich und auch das extrem schlechte image kann kaum noch schlechter werden. nur sollten künstler, welche sich an solchen projekten beteiligen wissen, dass wenn sie ihr talent solchen unternehmen zur verfügung stellen ihr image aber auch ihre authenzität schaden erleidet. wer am gewinn dieser konzerne partizipiert kann diese letztlich nur noch schwer anprangern, dies sollte aber teil der kunst im öffentlichen raum sein: kritik an werbung im öffentlichen raum.
nun aber zu den murals auf dem bild. diese beiden werke waren wohl die bekanntesten in berlin und prangten von 2007 bis 2014 über der curvy-brache. 2014 wurden diese schließlich mit der genehmigung von blu, dem erschaffer, übermalt. in der farbe schwarz. ein zeichen des protestes. lutz henke, der initiator der aktion sagte dazu: "wir wollten diese street art lieber vernichten, bevor sie die fortschreitende gentrifizierung noch fördert“ so verlor berlin eines seiner bedeutendsten werke. die aktion kann durchaus als symbol für den untergang berlins kreativer szene und abwanderung der kreativen köpfe betrachtet werden.
solche orte wie dieser, an dem sich künstler frei austoben können, verschwinden zunehmend zusammen mit den künstlern. so verwaisen diese wände und werden zunehmend unansehnlich, da sie von künstlern nicht mehr bespielt werden.