Vergesst die Amis. Und die Argentinier.
Wenn irgendjemand was kann am Grill, dann sind es die Jungs vom Balkan. Allen voran die Serben und die Bosnier.
Bulgarien
Leroy hat Freunde in Bulgarien, die fahren nur zum Essen für ein Wochenende nach Serbien rüber und geben sich da die totale Grilldröhnung.
Und die Bulgaren sind schon nicht schlecht in der Beziehung.
Die besten Kebabcheta (die bulgarische Version der Fleischröllchen, die man in den Nachfolgerepubliken Jugoslawiens als Cevapcici kennt) gab es immer auf Märkten.
Völlig verranzte Typen mit riesigen, hängenden Bäuchen, über die das fettige T-Shirt mit monströsen Schweißrändern an den Armen nicht drüberpasst; dazu Adiletten ohne Socken mit dreckigen Füßen hinter improvisierten und mit Spucke zusammengeklebten Grills aus Metallresten.
Früher hätte man solche Herren als Zigeuner bezeichnet, heute weiß man es besser und tut das nicht mehr.
Die dortigen Kebabcheta sind aus Schweinehackfleisch; charaktergebende Zutaten sind Bohnenkraut und Mineralwasser, was sie fluffig werden lässt. Dazu etwas Ljutenica und ein Stück Weißbrot - BOAH. Großes Kino.
Wenn also selbst die Bulgaren nach Serbien zum Grill fahren und schwören, dass die Serben die Großmeister sind, dann will das was heißen.
Serbien
In Berlin gibt es einen großen Serben-Grill: Zikos Grill.
Die Bude sieht vollkommen scheiße aus; es halten ständig Touristenbusse davor, die dann Rouladen mit Rotkohl für 7,90 bekommen. Riecht nach Nepp.
Vor dem Laden aber sitzt die Creme de la Creme der serbischen Community, säuft Schnaps, isst Salat und Cevapcici oder Pleskavica. Allein schon für diese Jungs lohnt sich die Reise - Bilder aus einem Tarantino-Film.
Böse Zungen munkeln, dass sich dort die Unterwelt des Südostbalkans zum Stammtisch trifft - wer weiß. Leroy ist ein anständiger Kerl und steht auf Steuerzahlen und ist gegen Schwarzgeschäfte; daher verurteilt er das in jeder Form, selbst wenn es wahr ist.
Der Boss, Ziko, macht von den Grillwürsten bis hin zu den Grillröllchen alles selbst in bester Qualität. Laut seiner Aussage hat er einen der wenigen echten Holzkohle-Grills in Berlin im Betrieb. Für die kriegt man heute keine Genehmigung mehr und muss dann so einen miesen Lavasteingrill nehmen.
In dem Laden hat sich Leroy, von entsprechenden Herren gnädig in die Alt-Herren-Runde aufgenommen, einmal derart mit Slivovic besoffen, dass er sich nur noch an eine puffmäßige Piano-Bar mit einem schwitzenden, glatzköpfigen Rumänen - und dann an die Tritte und Flüche seiner Frau erinnern kann, als er morgens mit runtergelassenen Hosen im Flur lag und pennte.
Oh Mann.
Bosnien
Großes Kino auch neulich im Wedding bei einem Wochenend-Spaziergang erlebt.
In der Triftstraße unweit des S-Bahnhof Wedding - nicht gerade eine vornehme Gegend - einen Topp-Grill bosnischer Bauart entdeckt: den Sarajevo-Grill.
Leroy natürlich nix wie rein. Mischung aus Bäckerei, Konditorei und Imbisstube. Ist wohl in Bosnien nicht unüblich; beim Bäcker hat man eben seine eigenen Ofengerichte vorbeigebracht, weil sich nicht jeder einen Ofen leisten konnte. War bei uns auch nicht anders.
Die Cevapcici sind hier eine Mischung aus Lamm- und Rindfleisch und werden frisch für jede Bestellung gemacht; dazu selbstgemachtes Fladenbrot, Aivar und etwas Frischkäse und Zwiebeln - Hammer. Etwas trockener natürlich als die Teile mit Schweinefleisch drin, aber mal was anderes. Für einen relativ schmalen Taler.
Kundschaft geht von Weddinger Hipstern bis über bosnische Bauarbeiter, Bulgarien, Kroaten - sogar Serben angeblich. Sehr freundlicher Besitzer.
Im selben Laden hat Leroy auch noch einen sog. Burek probiert. Die bosnische Variante des Börek. Kommt alle 2 Minuten frisch aus dem Ofen, in Kuchenform und wird dann geviertelt. Gibt es mit Fleisch, mit Spinat oder mit Schafskäse. Absoluter Wahnsinn.
Türkei
Ebenfalls im Wedding gelegen, genau genommen in Moabit am Westhafen, wurde ich durch einen Kumpel auf eine türkische Kantine aufmerksam gemacht. Bis vor kurzem noch ein Truckstop mit Leberkäs und Bratkartoffen für 5,90 hat das jetzt eine türkische Familie übernommen. Angenehme, hart arbeitende Leute, die außerdem immer gut gelaunt sind. Das fällt in Berlin auf.
Nennt sich Kantine am Westhafen.
Großartiges Balkan-Essen für 6-8 Euro, hat allerdings nur bis 14 Uhr geöffnet. Wer auf traditionelle Ofengerichte und Aufläufe aller Art aus dieser Gegend steht und keine Probleme mit Fett, Auberginen und Reis hat, ist dort goldrichtig.
Die Chefin kocht selbst und liebevoll, die Portionen sind groß - es ist saulecker. Leroy war jetzt schon drei Mal da und wankt jedes Mal schwanger und glücklich raus.