Na dann ...
... dachte sich Leroy, als sich abzuzeichnen begann, dass wir wohl bald wieder eingesperrt werden, um das gute Funktionieren der Impfung bzw. Boosterung unter Beweis zu stellen.
Das führte dazu, dass die Pläne für ein beschauliches Weihnachtsfest auf der Datsche verworfen werden mussten. Eigentlich hasst er es, an Weihnachten irgendwo hin zu fahren und sich in den Trubel zu werfen.
Aber bei der Aussicht, dass seine Kinder Oma und Opa paar Monate nicht sehen dürfen, musste umdisponiert werden.
Selbstverständlich fährt Leroy nicht mehr mit der Bahn, seit man dort geimpft oder getestet sein muss. Außerdem hänge ich mir nicht fünf Stunden nonstop den Topflappen vor die Nase; genauso wenig hätte ich, um das zu vermeiden, Lust, fünf Stunden lang nonstop Chips zu fressen.
Also Auto.
Auto hört sich erstmal gut an. Nun ist es aber leider so, dass man Leroys Karre nicht gerade Auto nennen kann.
Die alte Dame hat bereits eine Herz-OP hinter sich und einen uralten Ersatzmotor drin. Der allerdings getunt ist, was sich nicht unbedingt positiv auf die Lebensdauer oder die Zuverlässigkeit auswirkt. Außerdem trägt der Alfa Sommerreifen, da die ihm dazu passenden Alufelgen einfach geiler aussehen als die Drecksfelgen, auf denen die Winterschlappen aufgezogen sind.
Die Gesichter der Familienmitglieder nach der Eröffnung, dass wir im Alfa nach Südhessen rauschen werden, spiegelten daher Entsetzen vermischt mit Angst und Wut wider. Vor allem, da Berlin just zu dem Augenblick von einem Schneesturm heimgesucht wurde.
Leroy ging zu seinem Baby und checkte den Ölstand. Wie immer zu niedrig. Die Lichtmaschine hatte auch schon ihre besten Tage hinter sich. Kein Wunder: eines der wenigen Teile, das ich noch nicht austauschen musste. Und ein Scheinwerfer war im Eimer. Bzw. das Abblendlicht musste ausgetauscht werden. Das ist ein übles Gefummel, für das jetzt weder Zeit noch Bock vorhanden war. Wozu hat der Bolide Nebelscheinwerfer? Eben.
Also was soll's. Nur die Harten kommen in'n Garten. Außerdem hab ich die ADAC Premium Plus Familienkarte - als Alfa-Fahrer ein unabdingbares Extra, das sich schon nach wenigen Wochen rentiert.
Die Sippe saß schließlich unter Jammern und Gezeter im Auto. Schnell noch das gute Superplus rein, auf die Autobahn und Gas geben.
Wie ein Schneeleopard flog der Alfa über den Asphalt.
Lediglich die Tank- und Temperaturbeleuchtung fiel diesmal aus. Der Motor aber röhrte wie in seinen besten Tagen unbändig und wild vor sich hin und brachte uns schnell und sicher ans Ziel und wieder zurück. Eine neue Lampe hatte er schon zur Rückfahrt spendiert bekommen.
Hat alles super geklappt, kein Stau, kein Unfall, keine Panne, kein gar Nix. Leroy hat allen neuen VWs und Benzen, die mit Warnleuchte am Autobahnrand auf den ADAC warteten, den Stinkefinger beim Vorbeifahren gezeigt.
Schade, dass wir die Montagsdemo in meinem Heimatort verpasst haben, wo sich rechtsextreme Fanatiker und XXL-Leugner mit Kerzen in der Hand zum Sturm auf die Bastille treffen.
Immerhin war Leroys 80-jähriger Papa dabei.