Nix gegen das Virus. Jedenfalls nix Persönliches. Wir fürchten uns ja alle vor ihm, nach wie vor und auch faktenbasiert.
Der Leroy, der hatte auch "Corona" vor paar Monaten. Um zu erfahren, ob man "Corona" hat, musste man einen PCR-Test machen. Man musste auf den Datenschutz verzichten und seine Handynummer hinterlegen.
"Wir rufen Sie an".
Danach wurde es interessant.
Natürlich separierte sich LL von seiner Familie und verbunkerte sich im Gartenhäuschen. Am nächsten Tag klingelt Leroys Handy. Unbekannte Nummer!
Da geh ich natürlich nicht ran. Wäre ja noch schöner, könnte ja eine meiner zahlreichen 20-jährigen blonden Stalkerinnen mit Traumfigur sein. Oder, noch schlimmer: ein Kunde.
Das Telefon klingelte aber alle paar Minuten, immer mit unbekannter Nummer. Dieser Zermürbungstaktik ergab ich mich schließlich.
"Hallo Herr Linientreu, hier ist xxxx .Wir haben leider schlechte Nachrichten für Sie."
"Aha, na dann schießen Sie mal los."
"Ihr PCR-Test hat ergeben, dass auch Sie mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert sind. Bitte bleiben Sie bis zum xxxx in Quarantäne. Ihr örtliches Gesundheitsamt wird sie kontaktieren. Falls Sie Atemprobleme bekommen, zögern Sie bitte nicht, sofort einen Notarzt anzurufen."
Jut, dann hatte ich halt auch das Killervirus, dachte ich mir. Weil es mir eine anonyme Nummer mit einer anyonymen Person mal eben am Telefon gesagt hat. Ok.
Nun begab es sich, dass Leroys Immunsystem das Ding erfolgreich und schnell erledigte. Wie nicht anders zu erwarten. Denn schon damals war klar, wer zu 90% die Intensivstationen bevölkert. Jedenfalls, wenn man es wissen wollte.
Zum Ausklang der Quarantäne hatte ich mich telefonisch mit der Dame vom Gesundheitsamt angefreundet. Diese hatte fast jeden Tag angerufen und nach Fieber gefragt und angeboten, für mich einzukaufen. Sowas gibt es natürlich nur in Brandenburg.
Bis dahin hatte ich allerdings weder einen Quarantänebescheid noch einen Befund, sondern nur einen anonymen Anruf und Einkaufsangebote vom Gesundheitsamt. Also fragte ich die Dame, ob sie nicht so lieb sein könne und mir meinen Befund zuschicken. Ja, sagte sie, wäre zwar nicht ihr Job und es sei ihr unklar wofür, aber sie sei ne Gute und kümmere sich darum.
Da kam aber nix, auch nicht nach der Quarantäne.
Nun ging Leroy in die Offensive. Irgendwann hatte ich die Dame dran. Ja, sagte sie, tut ihr leid, sie habe sich darum gekümmert, aber sie hätte nur ein Fax vom Labor und das sei nur für den internen Gebrauch. Ich solle mich doch bitte selbst darum kümmern.
Also rief Leroy im Labor xxx an. Ein großes und bekanntes Labor. Dort wurde mir gesagt: Nein, wir geben den Befund nicht raus, der Quarantänebescheid muss reichen. Leroy war platt. Schließlich war es MEIN Befund. Man bekam also keinen Befund. Wozu auch? Befunde werden allgemein überbewertet.
Nicht mit mir, Freunde! Als König der Renitenten und echter Beamtenschreck aktiviert LL also nun seine Kontakte und bittet zwei Bekannte mit Zugang zu allem Labortechnischen, das für mich klarzumachen. Die lachten und meinten: Kein Problem Leroy, hast Du in 20 min!
Nach zwei Tagen bekam ich von beiden gleichlautende Anrufe. "Leroy, sowas haben wir noch nie erlebt. Wir konnten Deinen Befund zwar einsehen, aber da ist eine Drucksperre drin. Ich darf und kann den nicht ausdrucken. Keine Ahnung, warum, bestimmt ein Softwarefehler."
Klar, ein Softwarefehler.
Gott sei Dank hat Leroy einen schlimmen Ruf im Landkreis, weil er u.a. mindestens einen Referatsleiter bereits seines Postens entledigt hatte. Sowas spricht sich schnell rum in Brandenburg.
Daher rief der liebe Leroy nochmal auf dem Gesundheitsamt an und meinte, dass er jetzt die Faxen dicke habe. Es sei sein Scheißbefund und er habe ein Recht darauf, seinen Scheißbefund zu bekommen und wenn er ihn nicht innerhalb von 48 im Posteingang habe, die Hölle brennen werde. Falls daran Zweifel bestünden, sollten sie sich mal kundig machen. Hoch gepokert, aber offenbar hatte keiner Bock auf Stress mit einem unberechenbaren Wahnsinnigen. Das ist der Vorteil, wenn man als Irrer gilt.
Letztlich führte das dazu, dass es eine behördliche Anforderung des Leiters der Gesundheitsbehörde bei der entsprechenden Klinik gab, der sich diese dann ergab.
Nun hatte ich mir meinen Befund erkämpft. In dem stand übrigens nicht drin, dass ich Corona habe, sondern nur, dass der PCR-Test positiv war bei einem CTR-Wert unter 30 und dass man dann "in der Regel" infektiös sei.
Geiler Befund. Blöd waren sie also nicht. Keinem meiner Kollegen war es indes gelungen, den Befund zu erhalten, jedenfalls nicht denjenigen Kollegen, die in der gleichen Klinik waren wie Leroy. Diejenigen, die bei Privatlaboren waren, hatten ihren "Befund" übrigens. Bzw. das Laborergebnis des PCR-Tests.
Nun aber ist es genau umgekehrt!
Jetzt hat man sich ausgedacht, dass als Genesener gilt, wer geimpft wurde oder vor weniger als sechs Monaten Corona hatte, um Grundrechte wiederzuerlangen: JETZT rücken sie die Befunde raus! Jetzt kann man hin und sie sich ausdrucken lassen.
Mein Befund, den es vorher gar nicht offiziell für mich gab, ist jetzt gültig. Aber nur noch paar Tage. Danach gilt man wieder als Corona-Jungfrau. Genesen, aber nicht geimpft. So ein Pech!