Jetzt, wo die Frist abgelaufen ist und niemand mir meine Chancen vermiesen kann, kann ich es ja rauslassen: Wenn man sich bis gestern beworben hätte, hatten sie die Spendierhosen an: Vom Stipendium über die Greencard bis hin zur Staatsangehörigkeit gab es zu gewinnen!
Ja, Leute, Ihr habt Euch nicht verlesen. Wir reden hier allerdings nicht von den USA, sondern von der Russländischen Föderation. Der werden schon seit einigen Jahren die Türen von Migrationswilligen eingerannt, nur dass es hier keiner mitbekommt. Arrogante Denkmuster von früher.
Leroy hatte sich bei seinem Volgaurlaub über die Einwanderungsbestimmungen informiert. Der Ivan ist knallhart bei der Auswahl und lässt nur rein, wer für ihn vorteilhaft ist. Wer sich danebenbenimmt oder nicht genügend Punkte im Arbeitsleben sammelt, fliegt hochkant raus.
MIt der internationalen Schiene der jährlichen Ausschreibung "Lidery Rossii" (Führungspersonal Russlands) unter dem Slogan: "Russland - Land der Möglichkeiten" bietet die Föderation nun zum wiederholten Male auch hochqualifizierten Ausländern, die die russische Sprache beherrschen, die Möglichkeit der Erlangung eines Aufenthaltsstatus abseits der Regularien für weniger Qualifizierte, wenn auch im Rahmen der dortigen Einwanderungsgesetzgebung.
Voraussetzungen sind ein Alter unter 55 Jahren und mindestens zwei Jahre Erfahrung in leitender Position. Aus über 80 Ländern sind Bewerbungen eingegangen - unter den häufigsten übrigens nicht nur die umliegenden ehemaligen Sowjet-Republiken, sondern auch Deutschland.
Witzig, wie sich die Verhältnisse langsam umkehren.
Ehrensache, dass Leroy - altbewährter und mehrfach verdienter Aluhutträger des Volkes, Verschwörungstheoretiker, Putinbewunderer, Gründer der Misogynie-Bewegung "Kein Bock auf schlechte Laune" usw. usf. - sich beworben hat.
Ich stell mir das Gesicht meiner Frau vor, wenn ich ihr meinen neuen Pass vorlege und ihr berichte, dass ich nächste Woche abhaue nach Sotschi. Unbezahlbar.