Leroy spannt paar Tage am See aus.
28 Grad, Sonnenschein, Bier im Kühlschrank.
Erste und schwierige Fragen morgens:
- Erst ins Bad oder erst Kaffee trinken?
- Kaffee draußen oder drinnen trinken?
- Vorher noch ne Hose und ein T-Shirt anziehen oder "scheiß drauf"?
Bin dann mit Hose, aber ohne T-Shirt, zur örtlichen Nachrichtenagentur: dem Gärtner.
Bei dem gibt es immer Kaffee, der quatscht für sein Leben gern.
Hier also die Nachrichten der anderen Art.
Leroy fragt, welcher Penner die Dorfstraße raus zum See repariert hat.
Skandal, meint der Gärtner. Totale Schlamperei. Kannste gleich neumachen. Waren irgendwelche Bulgaren, örtliche Firmen kriegen ja keine Aufträge mehr.
Er hat schon Stress gemacht in der Stadtverordnetenversammlung deswegen und hält mich auf dem Laufenden.
Die Hauptnews und wirklich absolut brutal: Am Strand hat ein Köter hingeschissen!!
Dem Haufen nach zu urteilen, war das ein Riesenköter. Im Dorf hat keiner so einen Köter und da lässt auch keiner seinen Köter an den Strand scheißen. Muss also einer von den Scheiß-Bouletten gewesen sein, "die mit Wollmützen im Sommer rumloofen und wo die Piepels sich nich benehmen können". Er hat schon eine Bande mit einem Bernhardiner im Blick. Wenn sich sein Verdacht erhärtet, geht er mit seinen Kumpels von der Freiwilligen Feuerwehr vorbei und "erklärt die mal wat."
Heute wär' der Haufen bestimmt schon angetrocknet, aber gestern wäre es noch frisch gewesen und echt krass gewesen. Die Leute seien echt stinksauer deswegen.
"Mit Recht!", hab ich dann gesagt.
Außerdem:
- Dieses Jahr macht er keine Bohnen, dafür mehr Gurken.
- Nächste Woche ist am anderen Ufer Konzert, "da kannste wieder nur mitsaufen oder die ganze Nacht nich pennen". "Seine Olle" macht jetzt schon Stress deswegen. Ob ich hingehe?
- Der Fischer hat gestern frisch geräuchert.
- Er hat gerade Stachelbeersträucher im Angebot.
- Wo ich beim Pfingstfeuer war, er hätte mich trotz dauerhaften Aufenthalts am Bierstand nicht gesehen.
Wir haben dann noch etwas die Figur einer Zugezogenen besprochen und vereinbart, dass er mir für Samstag paar Gurken aufheben soll.
Dann weiter zum Fischer, in Adiletten und schwitzend wie Sau, mit zwei Tüten Gurken und Salaten bewaffnet.
Erstmal stürzt seine Töle auf mich zu. Die sieht echt gefährlich aus, tut aber keiner Seele was zuleide und ist so dumm wie gutmütig. Schwanzwedeln und ablecken.
Manne ist in seinem Hofladen und quatscht gerade mit einer Frau, die "für ihre Menne" Fisch holt.
"Zwee mal Rollmops und zwee mal Forelle. Die frisst der wie Sau."
"Schmeckt ja ooch".
"Stümmt".
"Rotbarsch soll ick noch holen".
"Ist grad nich."
"Is Aal?"
"Aal is immer. Dit sin aber kleene Dinger im Moment."
"Hauptsache is lecker".
"Lecker isser."
"Na denn."
Und so weiter und so fort. Großartige Konversation.
Dann kam noch einer und hat Angelkarten geholt.
"Mit Nacht oder ohne".
"Mit."
"Watt?"
"Ja, wirklich."
"Seit wann lässt Dir denn Deine Olle nachts raus?"
"Die is bei ihre Mudder."
"Ach so."
Dann kam er zu mir.
"Wie siehst Du denn aus? Is Dein Weib nich dabei?"
Leroy sah halt aus, wie Männer aussehen, wenn sie alleine auf der Datsche sind. Abstehende Haare, unrasiert, Sonnenbrille, Sporthose, Adiletten. Und mit Fahne.
"Jesoffen hatter ooch, wa?"
"Klar hab ick jesoffen."
"Hättst ma wat jesaacht, hätt ick mitjemacht."
"Hatte sich irjendwie so erjeben, weil Mario rumjekommen is."
"A propos. Dit hältst ja im Kopp nich mehr aus, wennde nich von morjens bis abends besoffen bist."
"Kannste laut sagen."
"Wat will er denn? Zander? Hab ick nich. Nimma n' Wels"
"Mag ich nich."
"Na dann halt nich."
Eine Stunde und zwei Bier später ("wenn mein Weib kommt is dit alkohlfrei, dass dit klar is!") ist Leroy dann am See entlang und mit reichlich Räucherfisch bewaffnet zurückgedackelt.
Dem Nachbarn vom Fischer, der "ausn Westen, der bestümmt jut uffjepasst hat inne Schule", dem ist die Alte weggelaufen.
"Dit wird teuer!"
Das weiß der Gärtner bestimmt noch nicht.