Hier nun ein Grundkurs für alle, die denken, in Osteuropa und Lateinamerika oder Afrika seien alle korrupt, während das bei uns undenkbar sei.
Mainstreamkorruption
Ganz, ganz schlimm natürlich eher in Staaten mit so schlimmen Diktatoren wie Assad, weniger schlimm bis total geil bei schwarzafrikanischen Terrorregimes mit Feder-Boa-Bossen bzw. den Vorkämpfern für Demokratie und Menschenrechte gegen den wiederum superkorrupten russischen Mega-Diktator P. Entscheidend ist hier, ob der Staat im Moment gerade mit den USA und seinen Vasallen verbündet ist oder nicht. Man kennt das auch aus anderen Bereichen.
Innerhalb der Gruppe dieser Bei-uns-ist-alles-super-Gläubigen gibt es wiederum einen - sagen wir: rechten und einen linken Flügel.
Erstere sagen, dass die Korrupten in diesen entlegenen Staaten grundsätzlich Affen seien und sich daran auch nie was ändern werde, da sie strukturell unterlegen oder minderwertig sind. Das ist die primitive Variante der westlichen Arroganz, die auch für alle als solche erkennbar ist.
Die zweite Gruppe - stets bemüht um Verständnis für alle und jedes - führt nachvollziehbare ökonomische Zusammenhänge als Erklärungsmuster heran. Dass die Beamten dort so wenig verdienten und daher keine Wahl hätten, oder dass sie von Verbrecherkartellen dazu gezwungen würden. Wenn man nur die gesellschaftlich-ökonomische Basis verbessern würde, dann wäre auch die Korruption dort vorbei und alles wäre so gut wie bei uns.
Nun. Beide Erklärungsansätze sind gleichermaßen apart wie realitätsfern.
Echte Korruption
Es gibt nämlich kaum korruptere Länder auf der Welt außer den sog. fortschrittlichen Demokratien des Westens.
Wir unterschieden die untere und die obere Ebene.
a)
Zunächst zur unteren:
Dem kleinen Beamten gibt man bei "uns" ein für seine Arbeitsleistung, Kenntnisse und Fähigkeiten viel zu fettes Gehalt, dazu Arbeitsplatzsicherheit und andere Privilegien. Das ist ein cleverer Schachzug. Einerseits lässt man dafür die anderen kleinen Leute, namentlich die Malocher, für diese fette Gehälter und Privilegien bezahlen. Anderseits hat man die Beamten so gekauft und hat damit eine Armee von Kettenhunden, die unerbittlich gegen die kleinen Malocher vorgehen.
Anders ausgedrückt: Die Summe, die der kleine Mann für das eine oder andere Schmiergeld in anderen Ländern ausgeben muss, um sein Leben halbwegs erträglich zu halten, presst man dem kleinen Mann bei uns in doppelter Höher staatlicherseits pauschal und nicht zweckgebunden ab, um dafür zu sorgen, dass der kleine Mann den kleinen Beamten nicht so einfach bestechen kann.
Letztlich zahlt er das Doppelte und bekommt weniger als die Hälfte.
Wer ist also in den Arsch gekniffen? Eine rhetorische Frage.
b)
Nun zur oberen Ebene:
Viele denken bei Käuflichkeit an Koffer voller Geld, die in einem dunklen Hinterzimmer voll mit Zigarren, Kartenspielern und Nutten den Eigentümer wechseln, während die Revolver auf dem Tisch liegen.
Das ist allerdings eher was für minderwertige Krimis oder eine zärtliche Erinnerung an Chaos und Anarchie in den sog. korrupten Ländern.
Bei uns hingegen läuft das 100% legal ab.
Wir holen etwas weiter aus.
In einer entwickelten, echten Demokratie mit Top-Rechtsstaat, sprich: einem degenerierten Parteienstaat mit Rechtsstaats-Deko bzw. -Kulisse, ist es so, dass Höhe des Amts meist antiproportional zu den Fähigkeiten des entsprechenden Personals ist.
Wenn ich mir also einen westlichen Politiker (Versager, kein Berufsabschluss, kein Studienabschluss, Studienabbrecher u.ä.) kaufen möchte, muss ich ihm die Eier in der Zukunft vergolden. Noch besser läuft das natürlich mit EU-Beamten, denn die haben Entscheidungsgewalt für gleich mehrere Hundert Millionen Leute.
Howto
Mögliche Zauberworte heißen: Beraterverträge oder Aufsichtsratsposten. Es gibt noch andere Tricks.
So kann ich einer auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbaren Person das Versprechen geben, sie so fürstlich für ihre "Hilfe" zu belohnen, wie sie es noch nicht einmal als Minister oder Staatssekretär erreichen kann. Man kann auch Freunde und Bekannte oder Familienmitglieder mit solchen Beratertätigkeiten beschenken.
Wenn die Beraterverträge von staatlichen Stellen vergeben werden (man liest oft davon in der Presse), wenn der Etat für außerbehördliche Beraterhonorare schwindelerregende Höhen erreicht, obwohl die Ministerien voll von überbezahlten Sesselfurzern und Experten sind, dann zahlt es wiederum der Steuerzahler direkt.
Wenn die Beraterverträge von Firmen bzw. international agierenden Gruppierungen an ehemals staatliche Akteure bezahlt werden, gehen die Beträge als Kosten in die Bilanz und werden somit wiederum, nur eben indirekt, vom Steuerzahler bezahlt. Oder denkbehinderte Honks sitzen auf einmal bei VW oder anderen Betrieben im Aufsichtsrats.
Auf kleinerer Ebene entlohnt man mit Posten bei der Sparkasse oder anderen öffentlichen Betrieben bzw. Chefposten bei Rundfunkanstalten oder anderen Anstalten des Öffentlichen Rechts, Lotterien etc.pp. Posten bei der EU sind auch sehr beliebt, da lebenslang und höher dotiert - außerdem steuerfrei.
Conclusio
Ein wahrer demokratischer Staat, jedenfalls eine ernst zu nehmende Linke oder eine volksnahe Rechte, muss daher die Korruption auf allen Ebenen fordern und konsequent durchsetzen.