Der japanische Kaiser, der Tenno, war die meiste Zeit der japanischen Geschichte über eine eher mystisch verklärte unnahbare Gestalt, die normale Menschen nie in ihrem Leben zu sehen bekamen. Mal mit mehr, mal mit weniger Macht ausgestattet, hat die Funktion des Tenno aber die Wirren der Jahrhunderte und Jahrtausende überstanden, und das japanische Staatoberhaupt ist für viele Japaner eine nicht wegzudenkende Bezugsperson.
Die Paläste des Tenno sind im Laufe der Zeit auch durchs Land gewandert, die wohl wichtigste und bekannteste Kaiserhauptstadt ist Kyoto, eines der beliebtesten Ziele für in- und ausländische Reisende. Seit dem Ende der Edo-Zeit vor rund 150 Jahren, wurde auch der Kaiserpalast nach Tokyo verlegt und direkt auf den Ruinen der früheren Edo-Burg im Zentrum der Stadt errichtet.
Für Normalsterbliche ein ferner Ort, in den es im Leben nie und nimmer Einlass geben wird. Das einzige was dem neugierigen Auge bleibt, ist einen Blick von außen zu wagen, aber mehr als Mauer, Tore und Türme ist leider nicht drin. Trotz allen zieht der Palast des Tenno viele Menschen an, obwohl dieser Ort zum Glück nicht so kommerziell ausgeschlachet wird, wie so viele andere Touristen-Hotspots hier im Lande. Scheinbar überwiegt der Respekt vor dem Amt des Tennos die finanzielle Gier des Menschen.
Und auch wenn man nicht ins Innere kommt, herrscht um den Palast herum doch genau die Atmosphäre, die mich immer wieder hier in diesem Land in ihren Bann zieht. Und auch die äußeren Anlagen machen schon ein wenig Eindruck und laden den gewappneten Besucher zu unzähligen Fotogelegenheiten ein. Auch ich konnte mich dem nicht entziehen, insbesondere bei meinem ersten Besuch, als ich noch ein unbedarfer und leicht zu beeindruckender Frischling war.
Da sich auch in Japan die Zeiten geändert haben, darf heute auch der normale Japaner ab und zu mal einen Blick auf den Göttlichen werfen, der Tenno zeigt sich zum Beispiel zum Anfang jeden Jahres vor seinem Palast den geduldig und ergeben Wartenden und lässt sich huldigen. Ein nunmehr traditionelles Zeromoniell, welches wahrscheinlich nicht unbedingt ins 21. Jahrhundert gehören muss, aber die Japaner sind nunmal ein ganz besonderes Völkchen.
Jedenfalls gibt es vor dem Palast eine riesige Freifläche, welche auf die eine Art auch das neue moderne Tokyo, vom alten traditionellen Japan trennt. Hier dürfen die Massen aufwarten, solange sie respektvoll Abstand halten und dem Kaiser nicht zu nahe kommen. Der Palast ist in Laufentfernung vom Bahnhof Tokyo, direkt neben dem Finanzdistrikt Marunochi gelegen. Die Hochhäuser bieten einen riesigen Kontrast zur eher gesetzten Palastanlange, die wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Alles hat aber dann doch etwas Stil, selbst die Poller, die ungebetene Gäste auf vier oder mehr Rädern fernhalten sollen, machen mehr her als in anderen Breiten. Vornehm geht die Welt zu Grunde.
Ich kann mir nicht helfen, aber die äußeren Mauern japanischer Burganlagen wirken auf mich immer wieder. Die Steinmetze und Baumeister vergangener Zeiten haben hier ganze Arbeit geleistet, ein Werk für die Ewigkeit mit einem ganz besonderen Charm, der gerade auch dann wirkt, wenn die jeweilige Szene durch mehr oder weniger freiwillie Komparsen schlagartig in die Gegenwart gerückt wird.
Tokyo hat viel zu bieten, für jeden Besucher sollte es dabei und zu finden sein, und auch wenn man nicht direkt in den Palast des Gottgesandten hineinkommt, ist ein Besuch hier doch keine schlechte Idee. Die Anlage wirkt auch von außen und man kann hier ganz bequem auf einen eher beruhigenden Spaziergang vorbeikommen, und sich anschließend ganz schnell wieder in andere stylische und aufregende Viertel der Stadt verkrümeln. Abwechslung ist das Schlüsselwort, damit man am Abend auch ja von all den Eindrücken des Tages erschlagend sein kleines aber feines Bett im Hotelzimmer genießen kann.
Mich zieht es auch wieder nach Tokyo, auch wenn in diesem Jahr das Reisen auch hier in Japan nicht ganz so einfach ist wie sonst. Im Augenblick bleiben mir und euch aber die Fotos, die ich von meinen Besuchen mitgebracht habe, und gerne mit euch teilen will. Bleibt also dran, wenn es demnächst neue Eindrücke aus dem Land der aufgehenden Sonne gibt.