Der Blick vor die Tür verriet, Top Pilzwetter.
Nach ein paar Regentagen, kämpft sich die Sonne wieder zwischen den Wolken durch und überrascht mit Temperaturen über 20 Grad Celsius, optimale Bedingungen also, für eine entspannte Pilztour.
Blöd nur, das mittlerweile 99% aller mir vertrauten Stellen, an denen ich in den letzten Jahren ganz ordentliche Mengen der schmackhaften Hütchenträger fand, der Holzmafia zum Opfer gefallen sind.
Letztes Jahr zum Beispiel, streifte ich hier noch durch einen dichten Nadelwald:
Somit steht dieses Jahr bei mir unter dem Motto, neue Sammelstellen zu entdecken.
Das ist in meiner Gegend kein leichtes Unterfangen, da es natürlich gewachsene Wälder praktisch nicht gibt und man die Pilze an den sonderbarsten Stellen findet, wie zum Beispiel unter stachligen Ginster Büschen, oder in den künstlich angelegten Eukalyptus oder Pinien Wäldern, die in den letzten 10 Jahren vor den Kettensägen schwingenden Holzfällern verschont blieben.
Gleich zu Beginn meines Ausflugs, wurde ich nur wenige hundert Meter von meinem Haus entfernt fündig.
Zwar glaubte ich im ersten Augenblick auf ein Holzfäller Camp gestoßen zu sein, oder was bitte haben diese ausrangierten Möbel am Waldrand zu suchen, stellte aber schnell fest das ich der Einzige war, der sich hier durchs Dickicht kämpft.
Leider nicht sehr erfolgreich, erblickte ich anfänglich doch lediglich Pilze die mir entweder nicht vertraut sind, oder von denen ich weiß das sie keine gute Figur auf dem Teller machen.
Doch plötzlich kam Stimmung auf.
Schon von weitem sah ich, wie dieses Prachtexemplar sein Köpfchen in die Höhe streckte und mit einem Messer bewaffnet, stürzte ich mich flink auf ihn.
Erfahrungsgemäß ist das ein gutes Zeichen, denn wo einer ist sind die anderen nicht weit.
Diesmal musste ich allerdings die Erfahrung machen, das dem nicht zwingend so sein muss und dieses schmackhafte Kerlchen sollte der Einzige seiner Art sein, der den Weg in meinen Eimer und später in die Pilzpfanne fand.
Zu ihm gesellten sich noch einige Edel Reizker, deren natürlicher Feind der Spanier ist. 😎
Während ich den Geschmack dieses Pilzes als völlig überbewertet empfinde, lediglich die Konsistenz ist hervorragend und man ihn eigentlich nur mit reichlich Würze zu einem anständigen Pilzgericht verwandeln kann, reißen die Spanier einem diese doch eher langweiligen Pilze aus der Hand und sind bereit viel Geld dafür zu zahlen.
Doof nur das Corona bedingt der Bauernmarkt geschlossen bleibt und ich keine Möglichkeit habe die Beute unters Volk zu bringen.
Daher begnügte ich mich auch nur mit einem halben Eimer, gerade genug für ein ordentliches Abendessen, anstatt unzählige Kilos davon mit nachhause zu nehmen, was ein leichtes Unterfangen wäre, wachsen die Dinger hier doch zuhauf.
Ich hatte es auf Steinpilze und Maronen Röhrlinge abgesehen, doch selbst im stachligsten Unterholz, im Eukalyptus und in den neu entdeckten Nadelwäldern, wurde ich nicht fündig.
Schon ein wenig zermürbt über diesen Misserfolg, wollte ich gerade den Heimweg antreten, als ich folgendes rot leuchten sah.
Hier einen gut bestückten Erdbeerbaum zu entdecken, überraschte mich und unverhofft kam wieder Freude auf.
In Windeseile pflückte ich noch den nötigen Eimer der Medronhofrucht, der mir noch fehlte um mein 120 Liter Fass endlich randvoll zu bekommen.
Somit ist zumindest der Schnaps Vorrat fürs nächste Jahr gesichert und spült ein paar Euro in die Haushaltskasse.
Somit war mein kleiner Ausflug in die portugiesischen Pilzgründe dann doch ein erfolgreicher und auch die am Abend servierten Pilze in einer leichten Petersilie / Joghurt Sauce, gereicht mit neuen Kartoffeln aus dem eigenen Garten, wurden vom Liebchen und ihrer Tochter mit einer Höchstnote bewertet.
Nachdem ich diesen Beitrag der Öffentlichkeit zugänglich gemacht habe, geht es wieder in die umliegenden Wäldchen.
Noch lacht die Sonne, ab morgen soll es wieder regnen und vielleicht lache ja auch ich, wenn es mir heute gelingt den Steinpilz zu überlisten!?
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